
© Foto: Ulrick Trappschuh (Symbolbild)
Zuletzt, bzw. bis vor einigen Jahren sogar, war 1&1 für viele Anleger nur ein Randthema. Ein Telekomanbieter, der fremde Netze nutzte, in einem Markt, der von den großen Platzhirschen dominiert wurde. Doch das Bild hat sich gewandelt und wandelt sich weiter, denn das Unternehmen baut seit einigen Jahren still und konsequent sein eigenes 5G-Netz auf. Genau das beginnt die Börse zu honorieren. Der Kurs hat sich in den letzten 52 Wochen spürbar erholt und zeigt technisch einen klaren Aufwärtstrend. Analysten von Berenberg sehen sogar ein Potenzial bis 30 Euro. Die jüngsten Quartalszahlen zeigen, dass die Profitabilität trotz hoher Investitionen erhalten bleibt. Der Umsatz wächst weiter. Die Strategie scheint aufzugehen.
Vom Reseller zum Netzbetreiber
1&1 ist vielen als günstiger Internet- und Mobilfunkanbieter bekannt. Doch hinter der bekannten Marke, die auch auf den Trikots des Dortmunder Fußballvereins BVB prankt, steckt eine echte Strategiewende. Jahrelang kaufte das Unternehmen Netzkapazitäten bei anderen ein und verkaufte sie unter eigenem Namen weiter. Das funktionierte, solange die Datenmassen überschaubar waren. Mit dem Boom bei Streaming, Homeoffice und Cloud wurde dieses Modell teurer und die Margen dünner. Die Antwort von 1&1 war daher ein eigenes 5G-Netz. Das Unternehmen ersteigerte Frequenzen, schloss Verträge mit Tochtergesellschaften und setzt auf die sogenannte Open-RAN-Architektur, die mehr Flexibilität beim Einsatz verschiedener Hersteller erlaubt. Die Transformation kostet zwar , aber sie schafft langfristig Unabhängigkeit und bessere Margen. Getreu dem Motto: Wer heute Vorleistungen einkauft, ist morgen auf die Preise anderer angewiesen. Wer ein eigenes Netz betreibt, kontrolliert seine Kosten selbst.

Charttechnik
Die Aktie läuft in einem schön anzusehenden Aufwärtstrend. Zuletzt notierte der Kurs auf Xetra bei rund 23,20 Euro. Der Titel ist damit noch etwas mehr als 15 Prozent vom Mehrwochenhoch bei 27,30 Euro entfernt, das Anfang Februar 2026 erreicht wurde. Das Bild ist also nicht ganz ungetrübt, zumindest für die, die nahe oder auf dem Hoch eingestiegen sind, denn diese sitzen noch auf Verlusten. Aber der Trend zeigt aktuell wieder, bzw. weiter, nach oben. Das Handelsvolumen ist allerdings überschaubar, 1&1 ist kein Titel, der täglich Millionen Aktien umsetzt. Das macht ihn anfälliger für stärkere Ausschläge in beide Richtungen. Wer investiert, sollte das einkalkulieren, denn große Orders würden den Kurs beeinflussen. Der RSI notiert bei 48 mit der Tendenz nach oben gerichtet. Solange der Kurs die Unterstützung im Bereich um 21,50 Euro nicht nachhaltig unterschreitet, sieht alles weiterhin positiv aus.
Was tun?
Das Unternehmen wächst und es bleibt profitabel, auch wenn die Investitionen ins eigene Netz auf die Marge drücken. Analysten sehen das aber gelassen. Berenberg und die Deutsche Bank stufen die Aktie auf "Kaufen", UBS und Barclays sind neutral. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei knapp 26 Euro. Berenberg ist wie oben erwähnt bullischer. Die Aktie ist markteng und damit schwankungsanfällig. Eine schrittweise Positionierung mit kleinerer Size erscheint daher sinnvoller als ein großer Einstieg auf einmal. Hier ist es ein echter Nebenwert, der aber nicht uninteressant ist. Die Entwicklung beim Netzausbau bleibt der entscheidende Treiber, sowohl für das Geschäftsmodell als auch für den Kurs.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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