KIEW (dpa-AFX) - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat eine Verstärkung der Streitkräfte in der Richtung Tschernihiw-Kiew im Norden des Landes angekündigt. Erkenntnisse der Geheimdienste über Russlands Pläne für Offensivoperationen dort seien analysiert worden, schrieb er in sozialen Medien nach einem Stabstreffen. Die Ukraine bereite Reaktionen auf jedes mögliche Szenario von Aktionen Russlands vor. Er habe auch das Außenministerium beauftragt, zusätzlichen diplomatischen Einfluss auf Belarus vorzubereiten.
Selenskyj spricht seit Wochen davon, dass Russland versuche, Belarus in den Krieg hineinzuziehen. Moskau wolle von belarussischem Boden aus in Richtung Tschernihiw-Kiew marschieren oder sogar eins der mit Belarus benachbarten Nato-Länder angreifen, behauptete er etwa Ende vergangener Woche. Er berief sich dabei auf Geheimdienstinformationen und nannte keine Details.
Belarus gilt als Russlands engster Verbündeter. Bei ihrem Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 stieß die russische Armee auch von belarussischem Gebiet in Richtung der ukrainischen Hauptstadt Kiew vor.
Kiew will Informationen über Mobilisierungsschritte Moskaus haben
Kiew habe Informationen über Vorbereitungen neuer Mobilisierungsschritte Moskaus, gab Selenskyj an, ohne Belege zu nennen. Es gehe um 100.000 Menschen. Die Ukraine sei der Ansicht, dass es derzeit kein Potenzial für eine verdeckte Mobilisierung in Russland gebe. Daher sei mit weiteren politischen Entscheidungen wie kürzlich in Bezug auf die Republik Moldau zu rechnen, sagte er.
Kremlchef Wladimir Putin erleichterte in der vergangenen Woche die Ausgabe russischer Pässe im Separatistengebiet Transnistrien, einem schmalen Landstreifen zwischen dem Fluss Dnjestr und der Ukraine. Die Region hat sich in einem Krieg Anfang der 1990er Jahre von der Ex-Sowjetrepublik Moldau abgespalten. International ist das Separatistengebiet nicht anerkannt. Für Moldau, das in die EU strebt, ist die Abspaltung ein ungelöstes Problem. Russland unterstützt Transnistrien und hat dort etwa 1.500 Soldaten stationiert, meist Einheimische mit russischer Staatsbürgerschaft./ksr/DP/jha
