DJ NIM: Sinkflug beim deutschen Konsumklima gestoppt
Von Andreas Plecko
DOW JONES--Die Stimmung der deutschen Verbraucher hat sich nach den jüngsten Einbrüchen vorerst stabilisiert. Der vom Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) ermittelte Indikator zum Konsumklima prognostiziert für Juni nach einem moderaten Anstieg um 3,3 Zähler einen Wert von minus 29,3 Punkten (Vormonat revidiert: minus 33,1 Punkte). Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten dagegen einen Rückgang auf minus 34,0 Zähler erwartet. Trotz der leichten Erholung verharrt die Verbraucherstimmung jedoch auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.
"Die Verbraucherstimmung beendet, zumindest für den Moment, ihren Sinkflug und erholt sich in diesem Monat wieder etwas", erklärte Rolf Bürkl, Head of Consumer Climate beim NIM. "Neben den deutlich verbesserten Einkommensaussichten stützen eine rückläufige Sparneigung sowie eine leicht zunehmende Anschaffungsneigung derzeit das Konsumklima. Die Belastungen durch den Konflikt im Nahen Osten bleiben aber in der Grundtendenz bestehen und sind im Konsumklima weiterhin sichtbar."
Die Einkommenserwartungen der Verbraucher, die sich mit Beginn des Iran-Krieges drastisch eingetrübt hatten, verzeichnen aktuell eine spürbare Erholung: Der Indikator kletterte um 11,4 Zähler nach oben und liegt nun bei minus 13,0 Punkten. Da der Konflikt im Nahen Osten bislang nicht weiter eskaliert ist, scheint ein Teil der geopolitischen Unsicherheit inzwischen eingepreist zu sein.
Auch bei der Anschaffungsneigung zeigt sich eine minimale Entspannung, wenngleich die Dynamik verhalten bleibt. Der Indikator verbesserte sich um 1,2 Punkte auf minus 13,2 Punkte. Dies signalisiert, dass die Verbraucher größere Anschaffungen derzeit weiterhin als wenig ratsam erachten.
Die Sparneigung der Deutschen ging derweil zum dritten Vermerk in Folge leicht zurück; sie sank um 2,2 Zähler auf 13,9 Punkte, verharrt damit aber im langfristigen Vergleich auf einem sehr hohen Niveau.
Der Blick auf die Gesamtwirtschaft fällt ebenfalls etwas weniger düster aus. Die Konjunkturerwartung für die kommenden zwölf Monate verbesserte sich um 2,5 Zähler auf minus 11,2 Punkte. Angesichts der zuletzt mehrfach nach unten korrigierten Wachstumsprognosen wird es vom NIM als positives Signal gewertet, dass der Indikator nicht weiter absinkt, was vor allem durch die freundlicheren Einkommensaussichten gestützt wird. Dennoch rechnet die Mehrheit der Befragten weiterhin mit einer konjunkturellen Verschlechterung.
Parallel dazu lassen die Inflationssorgen der Verbraucher nach. Der entsprechende Indikator für die Preiserwartung sank um 5,4 Punkte auf minus 0,4 Zähler. Dieser Rückgang dürfte primär auf die spürbare Entlastung durch die Senkung der Energiesteuer auf Diesel und Benzin zurückzuführen sein. Die tatsächliche Teuerung lief dieser Entlastung im April allerdings noch entgegen: Die Inflationsrate in Deutschland stieg im April auf 2,9 Prozent und lag damit einen Prozentpunkt über dem Wert vom Februar.
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May 22, 2026 02:00 ET (06:00 GMT)
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