FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Mai nach Einbrüchen in den Monaten zuvor wieder etwas erholt. Das Ifo-Geschäftsklima stieg um 0,4 Punkte auf 84,9 Punkte, wie das Münchner Forschungsinstitut am Freitag in München mitteilte. Analysten hatten hingegen einen weiteren Rückgang erwartet. Die vom Ifo-Institut befragten Unternehmen haben ihre aktuellen Geschäfte und die künftigen Erwartungen besser eingeschätzt. Mit ausschlaggebend war eine deutliche Verbesserung im Bereich Dienstleistungen.
Einschätzung von Ökonomen im Überblick:
Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank
"Der leichte Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas markiert noch keine Wende zum Besseren. Nach zwei Einbrüchen in den Vormonaten weist der Trend bei diesem wichtigen Frühindikator weiter klar nach unten. Der Iran-Krieg und der hohe Ölpreis fordern ihren Tribut, die deutsche Wirtschaft dürfte im zweiten Quartal schrumpfen, nachdem sie im ersten noch merklich zugelegt hatte. Mit jedem weiteren Tag, an dem die Straße von Hormus geschlossen bleibt, steigen die Konjunkturrisiken."
Ulrich Kater, Chefvolkswirt bei der Dekabank
"Trotz der Bodenbildung beim Geschäftsklima deuten alle Stimmungsindikatoren auf ein sehr schwaches zweites Konjunkturquartal in Deutschland hin. Insbesondere die Industriesektoren in Deutschland sehen in eine problematische Zukunft. Ob in der zweiten Jahreshälfte noch etwas aufgeholt werden kann, wird von einer diplomatischen Lösung im Persischen Golf ebenso abhängen wie von Impulsen wirtschaftspolitischer Reformen in Deutschland. Auf keinen Fall dürfen Wirtschaftsreformen jetzt mit der Begründung der negativen Auswirkungen des Iran-Kriegs zurückgestellt werden."
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank
"Der bessere Ifo-Geschäftsklimaindex ist eine erste Indikation, dass im zweiten Quartal zumindest ein Schrumpfen der deutschen Volkswirtschaft ausbleiben könnte. Doch die wirtschaftlichen Sorgen bleiben groß, solange der Iran-Konflikt und die Schließung der Straße von Hormus anhalten. Die Belastungen durch die höheren Ölpreise könnten einen Großteil der höheren Infrastruktur- und Rüstungsausgaben wieder auffressen."
Marc Schattenberg, Analyst bei der Deutschen Bank
"Die aktuelle Stabilisierung verschiedener Umfrageindikatoren ist für die Konjunktur im zweiten Quartal ein Silberstreif. Dennoch ist, vor allem aufgrund des inflationsbedingten Kaufkraftverlusts der privaten Haushalte, ein leichter Rückgang der Wirtschaftsleistung nicht auszuschließen. (...) Eine noch länger anhaltende Blockade der Straße von Hormus bleibt aber nach wie vor ein bedeutendes Abwärtsrisiko für die deutsche Wirtschaft."
Jens-Oliver Niklasch, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg
"Die Nachrichtenlage der jüngsten Zeit bot eigentlich wenig Anlass für Zuversicht. Nun scheint trotzdem eine gewisse Bodenbildung in Sicht. Das gilt eben nicht nur für die Erwartungen, die ja auch trügen können, sondern auch für die Lage. Ob dabei nun der starke Auftragszugang der letzten Monate den Ausschlag gab oder andere Faktoren, ist schwer zu sagen. Fakt ist, dass zumindest der Auftragsbestand hoch ist. (...) Nimmt man das gesamte Umfeld aus Konjunktur und Politik, dann werden wir uns aber in Sachen Konjunkturdynamik noch ein paar Monate auf dem aktuellen Niveau dahinschleppen."
Ralf Umlauf, Analyst Landesbank Hessen-Thüringen
"Die Belastungen seitens des Nahost-Konflikts mit steigenden Energiepreisen und Störungen in den Lieferketten scheinen die Wirtschaft nicht gänzlich aus dem Tritt zu bringen. Gründe für ein Auspreisen der wegen der erhöhten Inflationsgefahren bestehenden Zinserhöhungserwartungen machen wir nicht aus."
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