DJ ÜBERBLICK am Mittag/Konjunktur, Zentralbanken, Politik
Die wichtigsten Ereignisse und Meldungen zu Konjunktur, Zentralbanken, Politik aus dem Programm von Dow Jones Newswires
Ifo-Geschäftsklima hat sich im Mai überraschend aufgehellt
Das Geschäftsklima in Deutschland hat sich im Mai wider Erwarten etwas aufgehellt, woran Lagebeurteilung und Geschäftserwartungen der Unternehmen gleichermaßen Anteil hatten. Der vom Ifo-Institut erhobene Geschäftsklimaindex stieg auf 84,9 (April revidiert: 84,5) Punkte. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten dagegen einen Rückgang auf 84,1 Punkte prognostiziert. Für April waren vorläufig 84,4 Punkte gemeldet worden. Der Index der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage erhöhte sich auf 86,1 (85,4) Punkte. Die Prognose hatte auf 85,0 Punkte gelautet. Der Index der Geschäftserwartungen stieg auf 83,8 (revidiert: 83,5) Punkte. Erwartet worden war ein Anstieg auf 83,8. Für April waren vorläufig 83,3 gemeldet worden. "Die deutsche Wirtschaft stabilisiert sich vorerst, die Lage bleibt aber fragil", kommentierten die Konjunkturforscher die zahlen.
Deutsches BIP könnte im 2Q leicht sinken
Deutsche-Bank-Volkswirt Marc Schattenberg hält trotz des Anstiegs von Ifo-Geschäftsklimaindex und Einkaufsmanagerindizes einen leichten Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal für möglich. "Die aktuelle Stabilisierung verschiedener Umfrageindikatoren ist für die Konjunktur im zweiten Quartal ein Silberstreif. Dennoch ist, vor allem aufgrund des inflationsbedingten Kaufkraftverlusts der privaten Haushalte, ein leichter Rückgang der Wirtschaftsleistung nicht auszuschließen", schreibt er in einem Kommentar.
Ifo-Geschäftsklimaindex liefert kleine positive Überraschung
"Das ist eine kleine positive Überraschung", heißt es von LBBW-Volkswirt Jens-Oliver Niklasch in einer Ersteinschätzung zum Ifo-Geschäftsklimaindex im Mai. Die Nachrichtenlage der jüngsten Zeit habe eigentlich wenig Anlass für Zuversicht geboten. Nun scheine trotzdem eine gewisse Bodenbildung in Sicht. Das gelte eben nicht nur für die Erwartungen, die ja auch trügen könnten, sondern auch für die Lage.
Ifo-Anstieg noch keine Wende zum Besseren
Der unerwartete Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex im Mai markiert nach Aussage von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer noch keine Wende zum Besseren. "Nach zwei Einbrüchen in den Vormonaten weist der Trend bei diesem wichtigen Frühindikator weiter klar nach unten", schreibt er in einem Kommentar. Der Iran-Krieg und der hohe Ölpreis forderten ihren Tribut, die deutsche Wirtschaft dürfte im zweiten Quartal schrumpfen, nachdem sie im ersten noch merklich zugelegt habe. "Mit jedem weiteren Tag, an dem die Straße von Hormus geschlossen bleibt, steigen die Konjunkturrisiken", warnt Krämer.
Deutsche Konjunktur steckt in der Straße von Hormus fest
KfW-Volkswirt Philipp Scheuermeyer warnt davor, den unerwarteten Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex im Mai überzubewerten. "Der Konjunkturaufschwung in Deutschland steckt noch immer in der Straße von Hormus fest", schreibt er in einem Kommentar. Kurzfristig aussagekräftiger als der Ifo-Index ist seiner Ansicht nach der Einkaufsmanagerindex, der für das zweite Quartak einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,1 bis 0,2 Prozent erwarten lasse. "Im Gesamtjahr dürfte der Fiskalstimulus der Bundesregierung aber dennoch für ein positives Wachstum sorgen, und für das nächste Jahr bleiben wir optimistisch, dass ein Wachstum von mehr als 1 Prozent wahrscheinlich ist", erläutert der Ökonom.
Herber Rückschlag beim Wohnungsbau in Deutschland
Der Wohnungsbau in Deutschland hat im Jahr 2025 einen herben Rückschlag erlitten. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, wurden im vergangenen Jahr lediglich 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Das entspricht einem Rückgang von 18,0 Prozent (minus 45.400 Wohnungen) im Vergleich zum Vorjahr. Damit sanken die Zahlen im zweiten Jahr in Folge deutlich und erreichen den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2012.
Welthandel wächst zu Jahresbeginn dank KI-Boom stark
Der Welthandel ist in den ersten drei Monaten des Jahres weiter rasant gewachsen, angetrieben durch den Boom bei Investitionen im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz. Allerdings könnte sich der Warenhandel in diesem und den kommenden Quartalen verlangsamen. Der Konflikt im Nahen Osten hat eine wichtige Transitroute blockiert, und höhere Energiepreise dürften die Nachfrage nach anderen Produkten schwächen.
Lagarde: EZB achtet auf Zweitrundeneffekte und Inflationserwartungen
Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach den Worten ihrer Präsidentin Christine Lagarde im Umgang mit dem aktuellen Ölpreisschock vor allem auf mögliche Zweitrundeneffekte und auf die Verankerung der Inflationserwartungen achten. "Das sind zwei wesentliche Treiber - nicht die einzigen, aber solche, auf die wir ganz besonders genau schauen werden", sagte sie in der Pressekonferenz zum Abschluss von Beratungen der EU-Finanzminister.
+++ Konjunkturdaten +++
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May 22, 2026 07:30 ET (11:30 GMT)
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