Berlin (ots) -
Der erst kürzlich neu ins Amt eingeführte Berliner Staatssekretär für Digitalisierung, Matthias Hundt (CDU), muss sich wegen seiner Vergangenheit als Unternehmer in Sachsen kritischen Fragen stellen.
Nach Recherchen von MDR INVESTIGATIV und rbb24 Recherche gibt es Fragen zur Insolvenz einer Firma, die der aus Sachsen stammende Unternehmer als Geschäftsführer leitete. Die Staatsanwaltschaft Dresden hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Bei dem Verfahren geht es um die inzwischen gelöschte SDC Sachsen Digital Consulting GmbH. Die Firma war in Dresden ansässig und gab als Geschäftszweck unter anderem die Planung und Realisierung von IT-Projekten und "Innovationsmanagement im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie" an.
Im August 2025 stellten zwei Krankenkassen beim Amtsgericht Dresden den Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens. Dies geschieht nach Recherchen von MDR und rbb erst, wenn Unternehmen Sozialabgaben trotz Mahnungen über einen längeren Zeitraum nicht abführen. Die Krankenkassen haben sich auf Anfrage nicht zu dem Fall geäußert. Matthias Hundt ließ über seinen Anwalt mitteilen, es habe "Uneinigkeit über die Berechtigung relativ geringfügiger Krankenversicherungsbeiträge" bestanden. Inzwischen hätte man sich mit den Krankenkassen geeinigt.
Vorausgegangen sei nach Hundts Angaben der Konkurs eines Auftraggebers gewesen, der 80 Prozent des Umsatzes ausgemacht hätte.
In Sachsen prüfen die zuständigen Staatsanwaltschaften bei Insolvenzverfahren routinemäßig, ob der Anfangsverdacht für eine Straftat vorliegt. Das ist auch im Fall von Hundts Firma geschehen.
Schriftlich erklärte die Staatsanwaltschaft auf Anfrage von MDR und rbb: "Die Staatsanwaltschaft Dresden hat vor dem Hintergrund der am 25.11.2025 erfolgten Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der SDC Sachsen Digital Consulting GmbH ein Ermittlungsverfahren wegen verschiedener Insolvenzstraftaten eingeleitet."
Die Ermittlungen sind jedoch bei weitem noch nicht abgeschlossen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Hundts Anwalt erklärte dazu: "Die Staatsanwaltschaft gibt uns auf Anfrage derzeit keinerlei Auskunft über einen etwaigen Tatvorwurf oder auch nur darüber, ob es Ermittlungen im Zusammenhang mit der Insolvenz der SDC Sachsen Digital Consulting GmbH gibt."
In den vergangenen zwei Jahren wurde noch bei zwei weiteren Firmen, an denen Matthias Hundt beteiligt war, Insolvenzverfahren eingeleitet. In einem Fall wurde die Eröffnung durch das Amtsgericht Dresden "mangels Masse" abgelehnt. Das heißt: Das Vermögen reichte nicht aus, um die Kosten des Verfahrens zu decken. In einem weiteren Fall läuft das Verfahren noch.
Nach seiner Ernennung zum Staatssekretär veröffentlichte die Senatskanzlei auf der offiziellen Webseite eine Biografie des neuen Staatssekretärs. Sie basiert auf den "freiwilligen Angaben der dargestellten Personen selbst", heißt es zur Erklärung.
Für den Zeitraum "2019 - 2026" hieß es dort: "Geschäftsleitung Sachsen Digital Solutions Gmbh" und "Dozent SRH Hochschule Berlin (Digitalisierung und Onlinetechnologien)". Nachdem MDR und rbb bei Matthias Hundt zu seiner Dozententätigkeit nachfragten, wurde der Eintrag präzisiert. Die SRH hatte MDR und rbb auf Nachfrage mitgeteilt, dass Hundt nur für ein Semester dort tätig war: vom September 2019 bis Juli 2020.
Zur Erklärung teilte der Staatssekretär über seinen Anwalt mit, er habe "seinen Lebenslauf in wesentliche berufliche Großabschnitte unterteilt" und mit den Angaben "keineswegs den falschen Eindruck erwecken" wollen, dass er in all diesen Jahren "auch (für einen ungenannten Zeitraum) als Dozent tätig" gewesen sei. Inzwischen wurde der Eintrag korrigiert. Ein Hinweis auf die SDC Sachsen Digital Consulting GmbH findet sich nicht im Lebenslauf.
Die Senatskanzlei teilte mit, dass Matthias Hundt und der regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sich seit einem Arbeitstreffen im August 2024 kennen. Von den Insolvenzverfahren habe man bis zur Anfrage von rbb und MDR keine Kenntnis gehabt.
Pressekontakt:
Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb)
rbb24 Recherche
Masurenallee 8-14
14057 Berlin
Telefon: +49 30 97993 30350
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Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/51580/6281182
Der erst kürzlich neu ins Amt eingeführte Berliner Staatssekretär für Digitalisierung, Matthias Hundt (CDU), muss sich wegen seiner Vergangenheit als Unternehmer in Sachsen kritischen Fragen stellen.
Nach Recherchen von MDR INVESTIGATIV und rbb24 Recherche gibt es Fragen zur Insolvenz einer Firma, die der aus Sachsen stammende Unternehmer als Geschäftsführer leitete. Die Staatsanwaltschaft Dresden hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Bei dem Verfahren geht es um die inzwischen gelöschte SDC Sachsen Digital Consulting GmbH. Die Firma war in Dresden ansässig und gab als Geschäftszweck unter anderem die Planung und Realisierung von IT-Projekten und "Innovationsmanagement im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie" an.
Im August 2025 stellten zwei Krankenkassen beim Amtsgericht Dresden den Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens. Dies geschieht nach Recherchen von MDR und rbb erst, wenn Unternehmen Sozialabgaben trotz Mahnungen über einen längeren Zeitraum nicht abführen. Die Krankenkassen haben sich auf Anfrage nicht zu dem Fall geäußert. Matthias Hundt ließ über seinen Anwalt mitteilen, es habe "Uneinigkeit über die Berechtigung relativ geringfügiger Krankenversicherungsbeiträge" bestanden. Inzwischen hätte man sich mit den Krankenkassen geeinigt.
Vorausgegangen sei nach Hundts Angaben der Konkurs eines Auftraggebers gewesen, der 80 Prozent des Umsatzes ausgemacht hätte.
In Sachsen prüfen die zuständigen Staatsanwaltschaften bei Insolvenzverfahren routinemäßig, ob der Anfangsverdacht für eine Straftat vorliegt. Das ist auch im Fall von Hundts Firma geschehen.
Schriftlich erklärte die Staatsanwaltschaft auf Anfrage von MDR und rbb: "Die Staatsanwaltschaft Dresden hat vor dem Hintergrund der am 25.11.2025 erfolgten Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der SDC Sachsen Digital Consulting GmbH ein Ermittlungsverfahren wegen verschiedener Insolvenzstraftaten eingeleitet."
Die Ermittlungen sind jedoch bei weitem noch nicht abgeschlossen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Hundts Anwalt erklärte dazu: "Die Staatsanwaltschaft gibt uns auf Anfrage derzeit keinerlei Auskunft über einen etwaigen Tatvorwurf oder auch nur darüber, ob es Ermittlungen im Zusammenhang mit der Insolvenz der SDC Sachsen Digital Consulting GmbH gibt."
In den vergangenen zwei Jahren wurde noch bei zwei weiteren Firmen, an denen Matthias Hundt beteiligt war, Insolvenzverfahren eingeleitet. In einem Fall wurde die Eröffnung durch das Amtsgericht Dresden "mangels Masse" abgelehnt. Das heißt: Das Vermögen reichte nicht aus, um die Kosten des Verfahrens zu decken. In einem weiteren Fall läuft das Verfahren noch.
Nach seiner Ernennung zum Staatssekretär veröffentlichte die Senatskanzlei auf der offiziellen Webseite eine Biografie des neuen Staatssekretärs. Sie basiert auf den "freiwilligen Angaben der dargestellten Personen selbst", heißt es zur Erklärung.
Für den Zeitraum "2019 - 2026" hieß es dort: "Geschäftsleitung Sachsen Digital Solutions Gmbh" und "Dozent SRH Hochschule Berlin (Digitalisierung und Onlinetechnologien)". Nachdem MDR und rbb bei Matthias Hundt zu seiner Dozententätigkeit nachfragten, wurde der Eintrag präzisiert. Die SRH hatte MDR und rbb auf Nachfrage mitgeteilt, dass Hundt nur für ein Semester dort tätig war: vom September 2019 bis Juli 2020.
Zur Erklärung teilte der Staatssekretär über seinen Anwalt mit, er habe "seinen Lebenslauf in wesentliche berufliche Großabschnitte unterteilt" und mit den Angaben "keineswegs den falschen Eindruck erwecken" wollen, dass er in all diesen Jahren "auch (für einen ungenannten Zeitraum) als Dozent tätig" gewesen sei. Inzwischen wurde der Eintrag korrigiert. Ein Hinweis auf die SDC Sachsen Digital Consulting GmbH findet sich nicht im Lebenslauf.
Die Senatskanzlei teilte mit, dass Matthias Hundt und der regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sich seit einem Arbeitstreffen im August 2024 kennen. Von den Insolvenzverfahren habe man bis zur Anfrage von rbb und MDR keine Kenntnis gehabt.
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