
© Foto: fn
D-Wave Quantum war nach dem starken Anstieg und der danach folgenden Konsolidierung eher ein Sorgenkind unter den Quantenaktien. Der Kurs fiel und fiel noch tiefer. Die Zahlen enttäuschten, und viele Anleger wandten sich ab. Doch dann kam der Wendepunkt. Innerhalb weniger Wochen hat sich die Aktie vom Tief bei knapp unter 15 US-Dollar auf knapp 30 US-Dollar katapultiert. Eine glatte Kursverdopplung. Was dahintersteckt, könnte mehr als nur heiße Luft sein: Rekordaufträge, ein staatliches Förderprogramm über 100 Millionen US-Dollar und ein grundlegender Strategiewandel hin zu margenstarken Software-Diensten. Gleichzeitig hat das Unternehmen mit der Übernahme von Quantum Circuits eine neue Technologiesparte eröffnet. Ob das der Startschuss für die nächste große Welle Richtung 40 US-Dollar ist, oder ob der Kurs erst einmal durchatmen muss, das klären wir in dem folgenden Artikel für Sie.
D-Wave erfindet sich neu
D-Wave verkauft nicht mehr nur Hardware. Das Unternehmen wälzt das Geschäftsmodell fast grundlegend um und setzt künftig auf wiederkehrende Einnahmen aus Software und Cloud-Diensten. Die eigene Plattform namens Leap erlaubt es Kunden, sich in Echtzeit in Quantenprozessoren einzumieten, ohne teure eigene Anlagen kaufen zu müssen. Zusätzlich lizenziert D-Wave branchenspezifische Algorithmen, etwa für Logistik oder Finanzmärkte. Die Gewinnspannen in diesem Bereich können über 80 Prozent erreichen. Der klassische Hardware-Verkauf läuft zwar weiter, aber er ist nicht mehr das Herzstück.
Besonders beeindruckend ist, dass die Auftragseingänge im ersten Quartal 2026 auf 33,4 Millionen US-Dollar stiegen. Das ist ein Plus von knapp 2.000 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Florida Atlantic University z. B. bestellte ein System für 20 Millionen US-Dollar, ein Fortune-100-Konzern buchte Cloud-Rechenleistung für 10 Millionen. Obendrauf kommt ein Fördervertrag mit dem US-Handelsministerium über 100 Millionen US-Dollar aus dem CHIPS-Act-Programm. Das ist ein starkes politisches Signal und Washington sieht D-Wave als strategisch relevanten Akteur.
Charttechnik
Was der Chart zur Zeit zeigt, ist interessant und bemerkenswert. Noch Anfang April notierte die Aktie unter 15 US-Dollar auf einem Jahrestief, die Stimmung eher mies und kaum Kaufinteresse. Seitdem hat sich der Kurs binnen kurzer Zeit auf knapp 30 US-Dollar nahezu verdoppelt. Sowohl der 200er SMA als auch der 50er SMA wurden nach oben durchbrochen, was charttechnisch als Trendwendesignal gilt. Der RSI liegt aktuell bei rund 65, noch nicht im überkauften Bereich, aber auf dem Weg dorthin. Das bedeutet: Weiteres Potenzial Richtung 40 bis 42 US-Dollar ist vorhanden, aber eine Konsolidierung in den Bereich um 25 bis 27 US-Dollar wäre jederzeit möglich und aus charttechnischer Sicht sogar "gesund". Wer jetzt einsteigt, sollte das bei der Positionsgröße und auch bei den Einstiegen einplanen.

Was tun?
Die Lage bei D-Wave ist vielschichtig, und das spiegelt sich auch im Kurs wider. Fundamental stimmt die Richtung, denn der Strategiewechsel hin zu Software ist klug, die Auftragsexplosion ist real, und die staatliche Förderung verleiht dem Unternehmen Rückenwind und Glaubwürdigkeit. Die Kasse ist mit fast 590 Millionen US-Dollar gut gefüllt. Auf der anderen Seite bleibt der laufende Umsatz im letzten Quartal noch recht mager. Das liegt zwar an einem Sondereffekt, wirkt aber dennoch ernüchternd. Charttechnisch ist die Aktie nach der Kursverdopplung nicht mehr so günstig wie zuletzt, aber dennoch von der Charttechnik her deutlich interessanter. Eine Konsolidierung wäre aber ebenfalls normal nach dem Anstieg zuletzt. Wer bereits investiert ist, kann die Gewinne laufen lassen, sollte aber einen Stopp nicht vergessen. Für Neueinsteiger gilt sich in Geduld zu üben und einen möglichen Rücksetzer in Richtung 25 bis 27 US-Dollar in Erwägung zu ziehen. Das wäre ein deutlich besserer Einstiegspunkt als das aktuelle Niveau.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen. Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.



