
© Foto: fn Symbolbild
Ein Unternehmen liefert Quartalszahlen, die sich positiv lesen und der Börsenkurs dreht trotzdem auf Talfahrt. Das ist Palantir. Das Unternehmen gehört derzeit zu den widersprüchlichsten und kontroversesten Aktien an der Wall Street. Das US-Softwareunternehmen wächst mit einer riesigen Geschwindigkeit, aber dennoch hat die Aktie seit ihrem Allzeithoch schon jetzt über ein Drittel ihres Wertes verloren. Ist das eine Kaufchance, oder eher nicht? Palantir präsentiert glänzende Zahlen auf der einen Seite, hat aber auch politische Rückschläge und eine Bewertung im gigantischen Stratosphärenbereich auf der anderen. Wer jetzt einsteigt, sollte wissen, worauf er sich einlässt. Ein nüchterner Blick auf die Lage.
Rekordumsatz, aber…
Das erste Quartal 2026 war das stärkste in Palantirs Unternehmensgeschichte. Der Gesamtumsatz sprang um 85 Prozent auf 1,63 Milliarden US-Dollar. Das ist deutlich über dem, was Analysten erwartet hatten. Besonders das US-Geschäft brannte quasi ein Feuerwerk ab. Insgesamt plus 104 Prozent auf 1,28 Milliarden US-Dollar. Das kommerzielle Segment in den USA legte sogar um 133 Prozent zu. Der bereinigte Gewinn je Aktie übertraf ebenfalls die Prognosen. Das Management hob die Jahresumsatzprognose auf 7,65 Milliarden US-Dollar an. Ebenfalls weit über dem, was der Markt zuvor eingepreist hatte. Und jetzt kommts: Trotzdem verlor die Aktie seit Jahresbeginn weiter an Wert. Fast 20 Prozent. Das klingt absurd. Ist es aber nicht ganz, denn Palantir muss sich auch außerhalb der Bilanz behaupten. In London z. B. legte Bürgermeister Sadiq Khan sein Veto gegen einen 50-Millionen-Pfund-Vertrag mit der Metropolitan Police ein, Begründung: Verstöße gegen Vergaberegeln. In den USA streitet Palantir mit der Defense Intelligence Agency darüber, ob staatliche Behörden kommerzielle Standardsoftware überhaupt fair in Betracht ziehen. Und die Bundeswehr schloss das Unternehmen aus einem Beschaffungsprozess für eine Verteidigungs-Cloud aus. Das operative Geschäft läuft, aber das politische Umfeld bleibt rau und umkämpft.
Charttechnik
Der Blick auf den Chart ist, wie schon zuvor erwähnt in diesem Jahr eher ernüchternd. Die Aktie notiert aktuell unterhalb ihres 200-Tage-Durchschnitts, ein klassisches Warnsignal. Ebenso auch unter dem 50er SMA. Vom 52-Wochen-Hoch bei über 200 US-Dollar ist der Kurs mittlerweile weit entfernt. Gleichzeitig zeigt der RSI-Wert von 43 eher eine neutrale Haltung an. Da könnte sowohl nach oben, als auch nach unten etwas gehen. Was bedeutet das konkret? Die Aktie könnte somit ohne jeden dramatischen Anlass weiter nachgeben, einfach weil die Luft raus muss. Eine Konsolidierung bis in Richtung 100 US-Dollar wäre charttechnisch keine Katastrophe, sondern immer noch eine ganz normale Korrektur. Genauso gut könnte die Aktie aber bei positiven Nachrichten aus dem Regierungs- oder Kommerzgeschäft wieder Richtung 200 US-Dollar durchstarten. Beides ist möglich. Beides ist durchaus realistisch. Genau das macht die Aktie derzeit so schwer greifbar und auch unberechenbar. Hinzu kommt, dass Shortseller die Aktie sowohl unter Druck setzen, aber auch möglicherweise auf dem falschen Fuß erwischt werden, und schnell eindecken und den Kurs damit nach oben treiben können.

Was tun?
Palantir ist kein Fall für halbherzige Entscheidungen und beileibe keine "Anfängeraktie". Die Fundamentaldaten sind stark, das zeigen die Q1-Zahlen unmissverständlich. Ein Wachstum von 85 Prozent ist keine Kleinigkeit. Aber die Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis zwischen, je nachdem wie man es ansetzt und bewertet, 100 und 150 lässt wenig Spielraum für Enttäuschungen. Selbst starke Quartalszahlen haben den Kurs zuletzt nicht nachhaltig beflügelt. Politische Rückschläge wie der London-Deal oder der Bundeswehr-Ausschluss zeigen, wie abhängig das Geschäftsmodell von staatlichem Wohlwollen ist. Wer jetzt kauft, sollte das mit einem klarem Kopf tun, und einkalkulieren, dass der Kurs vor einem möglichen Aufwärtstrend noch einmal deutlich nachgeben kann. Wer langfristig an die KI-Story glaubt und starke Schwankungen aushält, findet hier eine aber eine hochspannende, dennoch auch anspruchsvolle Wachstumsaktie. Vorsicht ist jedoch angebracht!
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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