
"Trotz wachsender Marketingbudgets verlieren viele Kampagnen an Wirkung", sagt Interviewpartner Nuno Albuquerque, CEO von ALTRA. Entscheidend seien heute funktionierende Systeme statt immer höhere Werbeausgaben.
Woran lässt sich im oft austauschbar wirkenden Markt für digitales Marketing echte Substanz erkennen?
Echte Substanz im digitalen Marketing erkennt man daran, dass Maßnahmen nicht isoliert, sondern als Teil eines klar durchdachten Systems funktionieren. Entscheidend ist, ob hinter Kampagnen eine saubere Strategie, belastbare Daten und ein nachvollziehbarer Prozess stehen - also nicht nur kurzfristige Ergebnisse, sondern wiederholbar skalierbare Strukturen.
Ein weiteres starkes Signal ist Transparenz: Gute Partner können genau erklären, warum etwas funktioniert, welche KPIs relevant sind und wie Entscheidungen getroffen werden. Wenn Ergebnisse messbar sind und kontinuierlich optimiert werden, spricht das für echte Kompetenz und nicht nur für gutes Storytelling.
Wir sehen in unserer Arbeit immer wieder, dass nachhaltiger Erfolg vor allem dort entsteht, wo Marketing, Content und Performance eng verzahnt sind. Genau dieser systemische Ansatz - kombiniert mit datengetriebenem Arbeiten und klarer Umsetzung - unterscheidet aus unserer Sicht Substanz von reiner Oberfläche.
Ein zentraler Begriff in Ihrer Philosophie ist "Growth Hacking". Was verbirgt sich für Sie dahinter?
Für uns ist Growth Hacking kein einzelner Trick oder kurzfristiger "Hack", sondern ein systematischer, datengetriebener Ansatz, um Wachstum effizient zu erzeugen. Es geht darum, mit möglichst wenig Ressourcen die größtmögliche Wirkung zu erzielen - durch schnelles Testen, Lernen und Optimieren entlang der gesamten Customer Journey.
Im Kern bedeutet das, Hypothesen aufzustellen, diese über strukturierte Experimente zu prüfen und auf Basis realer Daten Entscheidungen zu treffen. Dabei spielen Faktoren wie Creatives, Zielgruppenansprache, Funnel-Strukturen und Timing zusammen. Wachstum entsteht nicht zufällig, sondern durch viele kleine, gezielte Verbesserungen, die sich kumulieren.
In unserer Arbeit setzen wir Growth Hacking vor allem dort ein, wo Geschwindigkeit und Skalierbarkeit entscheidend sind. Wichtig ist dabei, dass es immer in ein sauberes strategisches Fundament eingebettet ist - nur so entstehen nachhaltige Ergebnisse und nicht nur kurzfristige Effekte.
Wo wird der Einfluss von Künstlicher Intelligenz im Marketing überschätzt?
Der Einfluss von Künstlicher Intelligenz wird vor allem dort überschätzt, wo sie als Ersatz für Strategie und Verständnis gesehen wird. KI kann Inhalte generieren, Daten auswerten und Prozesse beschleunigen - aber sie versteht weder Zielgruppen wirklich noch trifft sie eigenständig die richtigen Entscheidungen. Ohne klare Zielsetzung, saubere Positionierung und gute Datenbasis bleibt ihr Output oft generisch.
Ein weiterer Punkt ist die Erwartung, dass KI automatisch bessere Ergebnisse liefert. In der Praxis sehen wir, dass der Unterschied meist nicht durch das Tool entsteht, sondern durch die Qualität der Inputs, die Struktur der Tests und die Interpretation der Ergebnisse. Wer keine klaren Hypothesen hat oder nicht weiß, was er misst, bekommt auch mit KI keine besseren Resultate.
Wir nutzen KI gezielt als Beschleuniger in Prozessen - etwa bei Content-Varianten, Auswertungen oder Automatisierungen. Der eigentliche Hebel liegt aber weiterhin in der Strategie, im kreativen Konzept und in der konsequenten Optimierung. Genau dort entscheidet sich, ob Marketing wirklich funktioniert.
Wo entsteht dann heute noch ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil?
Ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil entsteht heute vor allem in der Kombination aus klarer Strategie, sauberer Umsetzung und der Fähigkeit, schnell zu lernen. Viele Tools und Plattformen sind für alle zugänglich - der Unterschied liegt darin, wie strukturiert Unternehmen damit arbeiten und wie gut sie Daten in konkrete Entscheidungen übersetzen.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Fähigkeit, funktionierende Systeme aufzubauen statt nur einzelne Kampagnen zu fahren. Wer wiederholbare Prozesse für Content, Performance und Conversion entwickelt, kann Ergebnisse nicht nur erzielen, sondern auch skalieren und stabil halten.
Aus unserer Sicht entsteht echter Vorsprung dort, wo Strategie, Kreativität und Daten intelligent zusammengeführt werden. Genau diese Verzahnung - und die konsequente Weiterentwicklung auf Basis von Learnings - macht den Unterschied zwischen kurzfristigem Erfolg und nachhaltigem Wachstum.
Warum führen steigende Investitionen in digitale Kanäle bei vielen Unternehmen nicht mehr automatisch zu besserer Performance?
Mehr Budget führt nicht automatisch zu besserer Performance, weil die Effizienz der Maßnahmen entscheidend ist - nicht die Höhe der Ausgaben. Wenn Strategie, Zielgruppenansprache oder Creatives nicht sauber funktionieren, skaliert man mit mehr Budget im Zweifel einfach nur die Ineffizienz.
Hinzu kommt, dass digitale Kanäle deutlich kompetitiver geworden sind. Steigende CPMs, gesättigte Zielgruppen und austauschbare Inhalte führen dazu, dass mehr Geld allein keinen Vorteil mehr bringt. Ohne klare Differenzierung und datenbasierte Optimierung verpufft ein Großteil der Investitionen.
Wir sehen in der Praxis, dass der größte Hebel heute in der Qualität der Systeme liegt: saubere Funnel-Strukturen, kontinuierliches Testing und ein tiefes Verständnis für Zielgruppen. Erst wenn diese Grundlagen stimmen, lässt sich Budget sinnvoll skalieren - und dann wirkt sich mehr Investment auch tatsächlich positiv auf die Performance aus.
Wo sehen Sie die Zukunft des digitalen Wachstums in den nächsten zwei Jahren?
In den nächsten zwei Jahren wird digitales Wachstum noch stärker von Systemen statt von Einzelmaßnahmen geprägt sein. Unternehmen, die es schaffen, Content, Performance und Daten intelligent zu verzahnen, werden deutlich effizienter wachsen als diejenigen, die nur auf einzelne Kanäle oder kurzfristige Kampagnen setzen.
Ein zentraler Treiber wird dabei die zunehmende Automatisierung durch KI sein - allerdings weniger als Ersatz, sondern als Verstärker bestehender Prozesse. Wer KI sinnvoll in Testing, Content-Produktion und Auswertung integriert, kann schneller lernen und schneller skalieren. Der entscheidende Unterschied bleibt aber die strategische Steuerung dahinter.
Gleichzeitig wird Differenzierung wichtiger: Zielgruppen sind überversorgt mit austauschbaren Inhalten. Wachstum entsteht dort, wo Marken klar positioniert sind, relevante Inhalte liefern und echte Aufmerksamkeit gewinnen. In unserer Arbeit sehen wir, dass genau diese Kombination aus System, Geschwindigkeit und klarer Markenführung die Basis für nachhaltiges Wachstum bildet.
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