DJ SVR senkt Wachstumsprognose für Deutschland
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Aussichten (SVR) hat seine Prognose für das Wirtschaftswachstum Deutschlands gesenkt, rechnet aber für das nächste Jahr mit einer leichten Wachstumsverstärkung. Wie der SVR in seinem Frühjahrsgutachten mitteilte, prognostiziert er für 2026 einen Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,5 Prozent, nachdem er im Herbstgutachten noch 0,9 Prozent Wachstum in Aussicht gestellt hatte. "Diese Revision ist vor allem auf die Auswirkungen des Iran-Kriegs zurückzuführen", heißt es in einer Mitteilung des SVR. Für 2027 werden 0,8 Prozent Wachstum erwartet, die Inflation sehen die Experten bei 3,0 und 2,8 Prozent. Abwärtsrisiken für die BIP-Prognose bestünden insbesondere in einer längeren Dauer und gravierenderen Auswirkungen des Iran-Kriegs.
In der Prognose wird entsprechend der Erwartungen an den Terminmärkten angenommen, dass die Verwerfungen an den globalen Energiemärkten im Jahresverlauf nachlassen. Zudem wird angenommen, dass es nicht zu einer weiteren Verschärfung der US-Handelspolitik kommt und die bisher abgeschlossenen Zollabkommen weltweit eingehalten werden.
Der stark gestiegene Ölpreis dürfte 2026 laut SVR-Gutachten eine Verschlechterung der Terms of Trade für Deutschland bedeuten. Das senke die Kaufkraft der privaten Haushalte und damit den privaten Konsum. Höhere Produktionskosten belasteten die Unternehmen und reduzierten die Investitionsnachfrage. Stützend wirkten hingegen die - aus dem im März 2025 beschlossenen Finanzpaket - finanzierten öffentlichen Ausgaben, die die öffentlichen Tiefbau- und Ausrüstungsinvestitionen steigern würden. Auch die Frühindikatoren im privaten Wohnungsbau deuteten zuletzt auf eine Expansion hin.
Wirtschaftsweise empfehlen mehr Anreize für höhere Erwerbsbeteiligung
Bei seinen wirtschaftspolitischen Empfehlungen konzentriert sich der SVR auf eine Reform der Sozialversicherungen - Arbeitslosen-, Unfall-, Renten- (GRV), Kranken- (GKV) und Pflegeversicherung (SPV). Die Summe der Beitragssätze, die für alle Sozialversicherungen auf die beitragspflichtigen Einnahmen der Versicherten erhoben werden, beträgt laut SVR-Aussage im laufenden Jahr 42,3 Prozent. "Dieser Beitragssatz dürfte in den kommenden Jahrzehnten aufgrund des demografischen Wandels substanziell steigen. Simulationen des Sachverständigenrates legen einen Anstieg auf 45,4 Prozent im Jahr 2030 nahe. Bis zum Jahr 2040 steigt der Beitragssatz auf 49,7 Prozent", so der SVR. Auch danach setzt sich der Anstieg demnach fort, aber langsamer.
Der SVR nimmt an, dass der steigende Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz das BIP bis 2035 im Vergleich zu einer Entwicklung bei konstantem Beitragssatz in der Größenordnung von 0,5 bis 0,9 Prozent dämpft. Mildern könnten diese Entwicklung eine Erhöhung des Arbeitsvolumens, etwa über eine längere Erwerbsphase, eine höhere Erwerbsbeteiligung und bessere Anreize zur Ausweitung der Arbeitszeit. Die nachhaltige Stärkung der Bemessungsgrundlage erfordere Reformen zur Steigerung des Produktivitätswachstums. "Eine von manchen Seiten vorgeschlagene Ausweitung der Beitragsbemessungsgrundlage auf weitere Einkunftsarten wäre für Versicherungszweige mit Lohnersatzfunktion wenig sachgerecht", befinden die Wirtschaftsweisen.
SVR empfiehlt breitere Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung
Im Hinblick auf die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) raten sie dazu, den Ausgabenanstieg zu begrenzen, indem die verfügbaren Mittel weniger ineffizient eingesetzt werden. "Im Krankenhausbereich bieten Reformen, die auf eine höhere Spezialisierung, klare Qualitätsvorgaben und eine geringere Abhängigkeit der Finanzierung von Fallzahlen abzielen, erhebliche Potenziale zur Verringerung der Ineffizienz", heißt es. Zudem könnte der Anstieg der Arzneimittelausgaben gedämpft werden, indem die Bepreisung innovativer Arzneimittel konsequent am therapeutischen Zusatznutzen ausgerichtet werde.
Als einen Weg zu Steigerung der Einnahmen führt der SVR eine Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von nicht kindererziehenden Ehepartnern auf. Auch eine Einbeziehung von Beamten in die Finanzierung der GKV wird in den Raum gestellt. Dem SVR gehören derzeit Gabriel Felbermayr, Veronika Grimm, Monika Schnitzer (Vorsitzende), Achim Truger und Martin Werding an.
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May 27, 2026 04:00 ET (08:00 GMT)
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