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Was gerade mit der LPKF-Aktie passiert, lässt selbst erfahrene und robuste Börsianer zweimal hinschauen. Mehrere hundert Prozent Kursanstieg seit Jahresanfang, und das bei einem Unternehmen, das operativ noch deutlich in den roten Zahlen steckt. Erst kürzlich schien die Luft raus zu sein, der Chart sah nach klassischer Fahnenstange aus und dann Bruch dieser Stange, doch dann kamen prompt neue Käufer und trieben den Kurs wieder weiter nach oben. Jetzt steht LPKF knapp vor seinem Mehrjahreshoch. Was die nächsten Wochen bringen, könnte kaum dramatischer sein, denn entweder bricht das alte Hoch und die Rally geht weiter, oder die Aktie dreht ab und das Doppeltop ist besiegelt. Und das Verrückteste daran? Bei einem echten Ausbruch wäre charttechnisch sogar ein Kurs von 40 Euro keine Fantasie, sondern nur die charttechnische Ableitung der jüngsten Bewegung. Das klingt nach Wahnsinn. Aber das ist Börse!
LPKF ist nicht unbedingt ein Name, den jeder kennt
LPKF Laser & Electronics ist kein Name, den jeder sofort kennt. Aber in der Welt der Mikrolaser-Technologie spielt das Unternehmen aus dem niedersächsischen Garbsen ganz vorne mit. LPKF baut Lasersysteme und Maschinen für die Bearbeitung kleinster Materialien, Leiterplatten, Glas-Substrate, Halbleiterbauteile. Kunden kommen aus der Automobilindustrie, der Medizintechnik, dem Solarsektor und zunehmend aus der Halbleiterindustrie. Genau dort liegt die eigentliche Fantasie. Die patentierte LIDE-Technologie ermöglicht hochpräzise Bearbeitung von Glas-Substraten, einem Material, das in der nächsten Generation von KI-Chips eine zentrale Rolle spielen könnte. Das Unternehmen ist im SDAX gelistet und aktuell über 700 Millionen Euro wert. Operativ steckt LPKF jedoch noch mitten in einem schmerzhaften Umbau. Das Restrukturierungsprogramm "North Star" soll bis 2028 eine zweistellige EBIT-Marge bringen. Im ersten Quartal 2026 brach der Umsatz um über 30 Prozent auf 17 Millionen Euro ein, das Betriebsergebnis rutschte auf minus 6,9 Millionen Euro. Hauptschuldiger ist das schwächelnde Solargeschäft. Immerhin: Der Auftragseingang kletterte auf 24 Millionen Euro, die Book-to-Bill-Ratio erreichte starke 1,4. Mehr Bestellungen als ausgelieferter Umsatz, das ist ein klares Zeichen, dass die Nachfrage anzieht. Zur Hauptversammlung am 4. Juni in Hannover könnte es dennoch ungemütlich werden, denn kritische Aktionäre fordern, dem Vorstand die Entlastung zu verweigern und drängen auf eine schnellere Vermarktung der LIDE-Technologie.

Charttechnik
Wer sich den Chart der vergangenen fünf Monate anschaut, traut beim Anblick seinen Augen kaum. Aus einem Tief von unter 6 Euro wuchs eine Rally von über 400 Prozent heran. Das zuletzt gebildete Mehrjahreshoch bei 30,20 Euro ist zum Greifen nah. Genau dort liegt jetzt alles auf dem Tisch, denn zuletzt sah die Lage kurzzeitig kritisch aus, da der Kurs nach unten wegbrach und mancher schon von einem Bruch der Fahnenstange sprach. Es sah ja auch so aus und defacto war es auch so, doch die Käufer kamen schnell zurück und die Anschlusskäufe folgten prompt. Jetzt steuert LPKF direkt wieder auf die alles entscheidende Zone zu. Machen die Bullen das alte Hoch platt, wäre ein Doppeltop vom Tisch, und das nächste Kursziel ließe sich aus der Länge der ersten Welle ableiten. Projiziert man diese, ergibt sich ein theoretisches Potenzial bis rund 40 Euro. Das klingt heftig, aber genau solche Momente machen die Börse so spannend. Auf der anderen Seite deutet der RSI auf Wochenbasis mit deutlich über 80 Punkten schon jetzt eine überhitzte Lage an. Die Indikatoren sprechen also keine ganz deutliche Sprache. Wer die Wellentheorie kennt, weiß aber auch, dass es zu Rücksetzern kommen kann. Diese könnten dann in die Region um 20 Euro führen.
Was tun?
Klare Kauf- oder Verkaufsempfehlungen sind bei LPKF gerade besonders heikel. Fundamental ist die Lage noch schwach: roter Umsatz, operatives Minus, eine Dividende gibt es nicht. Analysten von Warburg und Montega sehen die Aktie weit unter dem aktuellen Kurs. Gleichzeitig stimmt die Richtung bei LPKF, denn der Auftragseingang zieht an, die Technologiestory rund um LIDE und Halbleiter ist echt, und das Management setzt spürbare Restrukturierungsschritte um. Charttechnisch hängt alles an dem Verlauf der nächsten Wochen. Ein Ausbruch über das Hoch bei knapp über 30 Euro wäre ein starkes Signal. Ein Scheitern daran könnte dagegen eine deutliche Korrektur einleiten. Wer bereits investiert ist, könnte z. B. die Gewinne zumindest teilweise absichern. Wie immer gilt: Das Chance-Risiko-Verhältnis muss zur eigenen Strategie passen. Bei LPKF ist beides gerade außergewöhnlich groß und teilweise außer Rand und Band geraten.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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