DJ MARKT-AUSBLICK/Einigung um Hormus heißt Ausbruch nach oben
Von Michael Otto Denzin
DOW JONES--Eine interessante Woche stehen DAX & Co bevor. Denn sollte sich eine Einigung zwischen Iran und den USA bewahrheiten, entfiele die Sperrung der Straße von Hormus als Belastungsthema für die globalen Börsen. Die Ölpreise müssten deutlich fallen und das Narrativ vom nur temporären Inflationsschock könnten wieder greifen. Der monatliche US-Arbeitsmarktbericht hätte dann einen der seltenen Momente, bei denen er vollkommen irrelevant wäre.
Denn für die Börsen wäre die Sicherung der Ölversorgung die klassische Erholungsstory, um die Märkte weltweit nach oben zu katapultieren. Tatsächlich scharren die Märkte mit den Hufen und lauern auf den Ausbruch. Die stabile Seitwärtsbewegung des DAX trotz zwischenzeitlicher Scharmützel im Persischen Golf werten Charttechniker als mögliche Flaggen-Formation. Sie ist oft die Phase, in der Informationen und Risiken neu bewertet, Aktien neu bepreist werden und zwischen Sektoren umgeschichtet wird. Damit ist sie die notwendige Grundlage, um in "uncharted territory", also zu neuen Allzeithochs vorzudringen. Ein DAX von 27.000 wäre dann keine Bremse.
Auch der "echte" US-Markt lauert auf Ausbruch
Dieses Phänomen ist global und nicht auf den DAX beschränkt: Selbst in den USA scheint dieses Phänomen zu greifen. Denn blickt man auf den "echten" S&P-500-Index, also den marktbreiten Spiegel der US-Aktien ohne die Verzerrung durch KI-Werte, lässt sich der Zusammenhang erkennen. Der "echte" US-Index liegt seit Jahresbeginn sogar noch leicht im Minus, lauert aber genauso auf den Sprung nach oben.
ETF-Anleger sollten sich aber schnellstens von dem Märchen verabschieden, sie seien "breit aufgestellt" mit einem Index-gebundenen Fonds. Schon jetzt machen die sieben großen Technologiewerte rund 34 Prozent des Gewichts aus. Nach den Börsengängen in den kommenden Monaten von SpaceX, OpenAI und Anthropic wiesen die "Magnificent Ten" dann rund 40 Prozent Gewicht auf, warnt Jörg Held, Leiter des Portfolio Managements bei Ethenea.
Die gute Nachricht dahinter ist: Bis zum Börsengang von SpaceX dürften die Märkte nach oben gepflegt werden. Um den größten Börsengang der Welt zu finanzieren, darf es vorher keinen Crash geben. Mit einem geplanten Börsenwert von 1,8 Billionen Dollar wäre SpaceX das 15-größte "Land" der Welt; mit einem BIP zwischen Südkorea und der Türkei.
US-Arbeitsmarkt diesmal irrelevant
Der Datenkranz wichtiger Konjunkturdaten in der kommenden Woche wäre bei einer dauerhaft gesicherten Ölversorgung durch Hormus dieses Mal tatsächlich irrelevant. Aus der Eurozone kommen zwar Daten wie Verbraucher- und vor allem Erzeugerpreise, die enthüllen werden, wie sich die Inflation durch die Lieferketten "durchgefressen" hat. Jedoch können sie als Schnee von gestern abgehakt werden, sobald die Aussicht auf künftig fallende Ölpreise besteht. Gleiches gilt für Konjunkturdaten wie die Revisionen von Einkaufsmanagerindizes (PMI) oder die ISM-Indizes in den USA.
Selbst für den großen Mai-Bericht zum US-Arbeitsmarkt gilt das, ebenso die kleineren Jolts- und ADP-Daten im Wochenverlauf. Alle bisherigen US-Wirtschaftsdaten waren gesund. Sie deuten "auf eine widerstandsfähige Wirtschaft hin, die einem anhaltenden Krieg und Inflationsdruck standhält", sagt Adam Hetts, Global Head von Multi-Asset-Anlagen bei Janus Henderson Investors.
Und Fed-Mitglied Neel Kashkari hakte praktisch die Bedeutung des US-Payroll-Berichts schon in der abgelaufenen Woche ab, weil er feststellte, der US-Arbeitsmarkt sei in guter Verfassung, daher sei Inflationsbekämpfung nun das wichtigste.
China-Erholung und US-Häusermarkt sind Verbündete für Bullen
Mit dem Einbruch am US-Häusermarkt haben Anleger einen weiteren Verbündeten: Die Neubauverkäufe brachen im April um 6,2 Prozent ein, fast doppelt so stark wie befürchtet. Neben den hohen Zinsen ist die Explosion der Materialkosten das Belastungsthema Nummer eins. Die innenpolitische Bedeutung des US-Immobilienmarktes ist der US-Administration bewusst. Sie dürfte daher alles tun, um vor den Midterm-Wahlen im November für bessere Laune unter US-Wähler zu sorgen. Notwendig dazu sind niedrige Energiepreise, also eine Einigung um jeden Preis mit dem Iran.
Global stützt dazu noch eine mögliche Trendwende in China. Dort sprangen die Industriegewinne jüngst um 24,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und zeigten ein Ende des Abwärtstrends. Das Endspiel um Deutschland geht derweil in die nächste Runde, wie die gesenkte Wachstumsprognose des Sachverständigenrats gezeigt hat. Seit dem Vor-Corona-Niveau 2019 ist Deutschland mit einem winzigen BIP-Wachstum von 0,8 Prozent von allen großen Volkswirtschaften abgehängt worden: Selbst in Großbritannien ging es rund 6 Prozent höher, in der Eurozone um rund 7 Prozent und in den USA über 15 Prozent.
Jedes zwölfte, neu zugelassene Auto kommt mittlerweile aus China, stellte die Unternehmensberatung EY im Wochenverlauf fest. Auf Deutschland ausgerichtete Aktien dürften daher riskant sein. Den internationalen, konjunkturgetriebenen Aktien dürften aber - bei einer Einigung um Hormus - sehr gute Wochen bevorstehen.
Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com
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May 29, 2026 05:21 ET (09:21 GMT)
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