
© Foto: von Heidelberger Druckmaschinen
Die Aktie von Heidelberger Druckmaschinen hat in den vergangenen Wochen kräftig einstecken müssen. Von über 2 Euro im April auf im Tief 1,32 Euro, das sind über 30 Prozent Verlust in kürzester Zeit. Doch genau jetzt wird es wieder spannend, denn der Kurs ist an einer wichtigen Unterstützungszone angekommen, von der er sich in der Vergangenheit schon mehrfach nach oben abgekoppelt hat. Erste Stabilisierungszeichen sind erkennbar. Gleichzeitig hat das Unternehmen einige interessante Karten auf dem Tisch, von einer strategischen Neuausrichtung über ein Joint Venture im Bereich Drohnenabwehr bis hin zu angekündigten "aufregenden Neuigkeiten" für Mitte Juni. Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um einzusteigen? Oder droht noch ein weiterer Rutsch? Die Antwort hängt vielleicht nur an einer einzigen Zahl, bzw. charttechnischen Marke. Wir erklären Ihnen welche!
Im Wandel
Heidelberger Druckmaschinen befindet sich mit über 9.500 Mitarbeitern und Standorten in mehr als 170 Ländern mitten in einer Transformationsphase. Auf der Messe interpack präsentierte sich der Konzern als vollintegrierter Systemanbieter für die gesamte Verpackungsproduktion, mit Fokus auf margenstarke Bereiche wie Pharma, Kosmetik und Lebensmittel. Gleichzeitig wagt Heidelberger Druck einen ungewöhnlichen Schritt: Über das Joint Venture ONBERG und Partnerschaften mit Vincorion drängt das Unternehmen in den Markt für Drohnenabwehr. Die neue Verteidigungssparte trägt bislang weniger als 2 Prozent zum Umsatz bei, wächst aber. Der Auftragseingang in diesem Segment legte zuletzt um 6 Prozent zu. Das klassische Druckgeschäft bleibt aber das Fundament und auch der Gesamtumsatz hielt sich mit rund 2,29 Milliarden Euro stabil. Doch die EBITDA-Marge sank auf 6,6 Prozent, und im Schlussquartal gab es einen Verlust von 2 Millionen Euro. Hohe Vorabinvestitionen in die neue Ausrichtung sowie geopolitische Belastungen durch den Iran-Konflikt hinterließen ihre Spuren. Am 10. Juni will das Management auf einer Pressekonferenz konkrete Jahresziele nennen, und hat dabei "aufregende Neuigkeiten" in Aussicht gestellt. Das sollte man jetzt schon gespannt sein!

Charttechnik
Nach dem Rücklauf von über 2 Euro auf 1,32 Euro hat die Aktie an einer wichtigen Unterstützungszone Halt gefunden. Solange der Kurs die Marke von 1,30 Euro verteidigt, bleibt das technische Bild positiv. Ein erster wichtiger Schritt für einen weiteren Anstieg wäre der Sprung über 1,45 Euro. Gelingt das nachhaltig, öffnet sich der Weg Richtung 1,60 Euro und langfristig sogar zurück in Richtung 2,00 Euro und auch darüber. Die Indikatoren unterstützen dieses Szenario noch ein wenig vorsichtig. Der RSI hat wieder eine leicht bullishe Grundausrichtung, liegt aber noch bei neutralen 50 Punkten. Auf der Unterseite ist die Lage klarer: Ein Wochenschluss unter 1,30 Euro würde das Setup zunichtemachen, dann droht ein weiterer Rückgang Richtung 1,00 Euro oder tiefer.
Was tun?
Wer bei Heidelberger Druck einsteigen möchte, bekommt gerade eine zweite Chance, aber keine völlig risikofreie. Fundamental kämpft das Unternehmen mit sinkenden Margen, negativem Free Cashflow und einem schwachen Schlussquartal. Das ist nicht zu beschönigen. Gleichzeitig hält sich der Umsatz stabil, neue Geschäftsfelder wachsen, und das Management hat für Juni Neuigkeiten angekündigt. Charttechnisch hält der Support bislang. Wer die Aktie mit engem Stopp (etwa z. B. knapp unterhalb von 1,30 Euro) kauft, setzt auf eine technische Erholung und einen positiven Newsflow rund um die Juni-Pressekonferenz. Das Chance-Risiko-Verhältnis ist dabei durchaus vertretbar. Warburg Research sieht den fairen Wert nur bei 1,40 Euro, mwb research hingegen bei deutlich höheren Niveaus. Kurzum: Die Aktie ist spekulativ, aber nicht ohne Reiz, wer das Risiko kennt und begrenzt, kann hier eine Chance nutzen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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