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Wer vor ein paar Wochen im März geglaubt hat, die Deutsche Bank hätte die schlimmsten Zeiten hinter sich, könnte noch eines Besseren belehrt werden. Der Kurs fällt, die Stimmung kippt, und das ausgerechnet nach einem Rekordjahr. Was läuft da schief bei Deutschlands größtem Geldhaus? Der Blick auf Chart, Zahlen und aktuelle Nachrichten ergibt ein Bild, das nachdenklich machen sollte, obwohl auf den ersten Blick sah alles gut aus. Seit Jahresanfang hat die Aktie an Wert verloren. Eine wichtige Widerstandszone wurde gerade wieder nach unten durchbrochen. Und nun, wo die Dividende ausgezahlt ist, fällt auch noch so ziemlich der letzte Grund weg, die Aktie noch zu halten. Was jetzt kommt, könnte ungemütlich werden.
Glänzende Zahlen, trübe Aussichten
Das Geschäftsjahr 2025 lief für die Deutsche Bank richtig gut. Rekordergebnisse, Milliarden für die Aktionäre, ein Vorstand voller Zuversicht. Für das abgelaufene Jahr schüttete die Bank einen Euro je Aktie aus. Insgesamt fast 2 Milliarden Euro. Klingt toll. Aber der Kapitalmarkt traut dem Braten nicht. Union Investment, einer der bedeutenden Fondsgesellschaften, lobte zwar die gestiegene Stabilität, mahnte aber gleichzeitig strenge Kostendisziplin an. Denn das Umfeld ist rauer geworden. Die ehrgeizigen Ziele der Strategie 2028, unter anderem ein Ertragswachstum von 5 Prozent jährlich, wirken im aktuellen Umfeld zunehmend wie Wunschdenken, denn wie Realität. Parallel dazu streikt Verdi bei der Postbank. Die Gewerkschaft fordert 8 Prozent mehr Lohn für rund 9.000 Beschäftigte. Und dann wäre da noch die umstrittene Erhöhung der Aufsichtsratsvergütung, die auf der Hauptversammlung heftig kritisiert wurde. Kein gutes Bild für eine Bank, die eigentlich wieder Vertrauen aufbauen will.

Charttechnik
Der Chart erzählt eine zunehmend traurigere Geschichte. Zuletzt versuchte die Aktie, die im März gerissene Marke von 30 Euro zurückzuerobern. Es schien kurz so, als könnte der Ausbruch gelingen. Doch dann kam der recht gnadenlose Abverkauf. Die Bullen hatten keine Chance. Seitdem geht es weiter bergab. Seit Jahresanfang steht ein Verlust von über 15 Prozent auf der Uhr. Der Dividendenabschlag am 29. Mai hat den Kurs zusätzlich belastet. Das allein wäre zwar verkraftbar, das eigentliche Problem ist aber, dass die Notierung vielleicht nicht mehr richtig aufholt. Wenn der letzte Kursimpuls durch die Dividende nun wegfällt, fehlt ein wichtiger Kaufanreiz. Technisch gesehen fehlt ein stabiler Boden. Die nächste nennenswerte Unterstützung liegt deutlich tiefer. Richtung 20 Euro ist der Weg charttechnisch erschreckend offen.
Was tun?
Die Lage ist schwierig, das muss man klar sagen. Die Frage ist, ob das Schlimmste schon vorbei is?. Die Antwort lautet, Möglicherweise nicht. Das Rekordjahr 2025 ist eingepreist, die Dividende ist ausgezahlt, und die nächsten Quartalszahlen müssen erst beweisen, dass die Bank ihre Kostenziele wirklich ernst nimmt. Fundamental ist die Bewertung mit einem KGV von rund 9 zwar nicht übertrieben teuer, aber günstig allein reicht oftmals nicht, wenn das Vertrauen fehlt. Das sieht man ja auch an den deutschen Autoaktien. Die Streiks bei der Postbank, der Gegenwind auf der Hauptversammlung und ein Chart ohne klaren Boden sprechen eine Sprache, die eher für die Bären spricht, denn für die Bullen. Für risikoaverse Anleger gilt daher eher: Abwarten und beobachten, ob sich unterhalb von 27 Euro eine echte Stabilisierung abzeichnet, oder ob der nächste Rutsch die 25-Euro-Marke testet und dann vielleicht noch tiefer abtaucht.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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