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Was für eine Woche an den Finanzmärkten! Wieder einmal zeigte sich: Die Börse liebt Hoffnung - selbst dann, wenn die Weltlage alles andere als entspannt ist.
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
während der Krieg zwischen den USA und Iran die Märkte in den vergangenen Wochen immer wieder leicht durchgeschüttelt hatte, sorgten neue Spekulationen über eine mögliche Verlängerung der Waffenruhe und eine schrittweise Wiederöffnung der Straße von Hormus nun für spürbare Erleichterung. Die Folge: Aktien rauf, Öl runter, Anleiherenditen runter - und Anleger wieder rein in Risiko.
Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Denn der mögliche Deal ist noch nicht final. US-Präsident Donald Trump hat die Vereinbarung laut den vorliegenden Informationen noch nicht abschließend genehmigt, und auch iranische Staatsmedien sprechen davon, dass noch keine endgültige Einigung erzielt wurde. Der Markt handelt also nicht die Realität - sondern die Hoffnung auf eine bessere Realität.
Wall Street: Tech zieht den Markt nach oben!
An der Wall Street endete die verkürzte Handelswoche freundlich. Besonders Technologiewerte sorgten für Unterstützung. Die Rallye war zwar nicht breit, aber stark genug, um alle drei großen US-Indizes ins Plus zu drücken.

Quelle: WallstreetOnline.de
Der Dow Jones Industrial Average gewann am Freitag 363,68 Punkte bzw. 0,72% auf 51.032,65 Punkte. Der S&P 500 legte 16,49 Punkte bzw. 0,22% auf 7.580,12 Punkte zu. Der Nasdaq Composite stieg um 55,15 Punkte bzw. 0,21% auf 26.972,62 Punkte.
Besonders bemerkenswert: Der S&P 500 verbuchte bereits die neunte Gewinnwoche in Folge. Das ist die längste Gewinnserie seit Dezember 2023. Gleichzeitig schlossen alle drei großen US-Indizes den Monat mit Gewinnen ab.
Das ist ein starkes Signal. Denn der Markt hat in den vergangenen Wochen eine ganze Menge verdaut: Krieg, Ölpreisschock, Inflationsängste, mögliche Zinserhöhungen und die Sorge, dass die Straße von Hormus länger blockiert bleiben könnte. Trotzdem steigen die Kurse weiter.
Genau hier liegt aber auch die Gefahr: Die Indizes beendeten den Handel deutlich unter ihren Tageshochs. Das zeigt, dass Anleger zwar kaufen - aber nicht blind. Die Euphorie ist da, aber sie steht auf wackeligem Fundament.
Straße von Hormus: Der wichtigste Kurstreiber für die Märkte bleibt die Geopolitik!
Im Zentrum der Woche stand einmal mehr die Straße von Hormus. Diese Wasserstraße ist einer der empfindlichsten Punkte der Weltwirtschaft. Wird sie blockiert, steigen Ölpreise, Transportkosten und Inflationsrisiken. Wird sie wieder geöffnet, fällt sofort ein großer Teil der Risikoaufschläge aus den Märkten heraus.
Genau das war in dieser Woche zu beobachten. Berichte über eine mögliche Verlängerung der Waffenruhe zwischen den USA und Iran sowie über gelockerte Schifffahrtsbeschränkungen sorgten für fallende Ölpreise und steigende Aktienmärkte.
Baird-Stratege Ross Mayfield brachte es sinngemäß auf den Punkt: Sollte eine Verständigung tatsächlich genehmigt werden und die Straße von Hormus für 60 Tage wieder offen sein, könnte diese Zeit ausreichen, um eine tragfähigere Vereinbarung zu verhandeln. Das ist die große Hoffnung der Märkte. Doch Anleger sollten nicht vergessen: Noch ist nichts endgültig entschieden.
Ein geplatzter Deal, neue Angriffe oder eine erneute Verschärfung der Lage könnten die Ölpreise sofort wieder nach oben treiben. Dann wäre auch die Inflationsdebatte zurück - und zwar mit voller Wucht.
Öl: Entspannung, aber keine Entwarnung!
Die Ölpreise gaben am Freitag deutlich nach. US-Rohöl fiel um 1,73% auf 87,36 US-Dollar je Barrel. Brent-Öl gab um 1,77% auf 92,05 US-Dollar je Barrel nach.
Der Rückgang war klar geopolitisch getrieben. Anleger wetten darauf, dass eine längere Waffenruhe den Druck aus dem Energiemarkt nimmt. Sinkende Ölpreise sind für die Aktienmärkte grundsätzlich positiv, weil sie die Inflationssorgen dämpfen und Konsumenten sowie Unternehmen entlasten. Aber auch hier gilt: Entspannung ist nicht gleich Entwarnung.
Die Ölpreise liegen trotz des Rückgangs immer noch auf hohem Niveau. Der Konflikt dauert bereits drei Monate, und je länger Handelsrouten, Versicherungen, Lieferketten und Energieflüsse gestört bleiben, desto größer wird das Risiko, dass aus einem kurzfristigen Preisschock ein dauerhaftes Inflationsproblem wird. Für die Notenbanken ist das hochbrisant.
Fed: Aus Zinssenkungsfantasie wird plötzlich Zinserhöhungsrisiko!
Noch vor wenigen Monaten drehte sich an den Märkten vieles um die Frage, wann und wie stark die US-Notenbank die Zinsen senken könnte. Diese Debatte hat sich durch den Ölpreisschock und die geopolitische Lage deutlich verschoben.
Inzwischen diskutieren Marktteilnehmer sogar wieder über die Möglichkeit einer Zinserhöhung im vierten Quartal. Laut Mayfield preist der Markt seit einigen Wochen ungefähr eine 50:50-Chance für einen solchen Schritt ein.
Das ist bemerkenswert. Denn eigentlich liebt die Börse fallende Zinsen. Steigende oder auch nur länger hoch bleibende Zinsen sind dagegen Gift für hoch bewertete Wachstumsaktien, Immobilien, schwächere Bilanzen und spekulative Marktbereiche.
Die Renditen am US-Anleihemarkt gingen in dieser Woche zwar zurück. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe fiel auf 4,441%. Die 30-jährige Rendite lag bei 4,9817%, die zweijährige bei 3,996%. Doch der Rückgang der Renditen ist weniger ein Zeichen vollständiger Entspannung als vielmehr Ausdruck der Hoffnung, dass ein geopolitischer Deal den Inflationsdruck wieder verringern könnte.
Anders gesagt: Der Markt atmet durch - aber die Fed bleibt wachsam.
Europa und Schwellenländer: Weltbörsen ziehen mit!
Auch in Europa überwog am Freitag die Kauflaune. Der STOXX 600 legte um 0,14% zu, der FTSEurofirst 300 gewann 0,10%. Auch der Monat endete für europäische Aktien positiv. Besonders stark zeigten sich die Schwellenländer. Der entsprechende MSCI-Index stieg um 1,50% auf 1.750,60 Punkte. Der globale MSCI-Aktienindex gewann 0,51% auf 1.130,47 Punkte.
Das zeigt: Die Erleichterung war global. Sobald die Hoffnung auf eine Öffnung der Straße von Hormus zunimmt, hellt sich das Bild für fast alle Risikoanlagen auf.
Denn niedrigere Ölpreise bedeuten weniger Inflationsdruck, weniger Druck auf Zentralbanken und bessere Perspektiven für Unternehmensgewinne. Genau diese Kette spielte der Markt in dieser Woche.
Gold: Starkes Tagesplus, aber schwächerer Monat!
Gold profitierte am Freitag ebenfalls und stieg um 1,18% auf 4.545,- US Dollar je Unze. Die US-Goldfutures legten um 0,98% auf 4.543,60 US-Dollar zu. Auf den ersten Blick wirkt das widersprüchlich: Wenn die geopolitische Lage entspannter wird, müsste Gold als sicherer Hafen doch eher fallen. Doch so einfach ist der Goldmarkt nicht.
Gold reagiert aktuell auf mehrere Kräfte gleichzeitig: geopolitische Risiken, Inflationserwartungen, Realzinsen, Dollarbewegungen und Zentralbanknachfrage. Der leichte Rückgang des Dollars und die weiterhin hohe Unsicherheit rund um den möglichen Iran-Deal stützten den Goldpreis. Gleichzeitig blieb Gold auf Monatssicht unter Druck. Das zeigt: Der Markt ist nicht einseitig. Anleger sichern sich ab, aber sie laufen nicht mehr blind in den sicheren Hafen.
Für Gold bleibt die Lage damit hochspannend. Sollte der Konflikt erneut eskalieren oder die Inflation hartnäckiger werden, könnte Gold schnell wieder stärker gefragt sein. Kommt dagegen ein belastbarer Friedensprozess zustande und fallen die Ölpreise weiter, könnte der kurzfristige Druck auf Gold zunächst anhalten.

Quelle: MinerDeck auf X
Fazit: Die Börse feiert Hoffnung - aber Anleger sollten nicht leichtsinnig werden!
Diese Woche hat einmal mehr gezeigt, wie schnell sich die Stimmung an den Märkten drehen kann. Noch vor wenigen Tagen dominierten Sorgen vor einer Eskalation im Nahen Osten, steigenden Ölpreisen und einer neuen Inflationswelle. Jetzt setzen Anleger wieder auf Diplomatie, fallende Energiepreise und weiter steigende Aktienkurse.
Der S&P 500 mit neun Gewinnwochen in Folge ist ein starkes Signal. Die globale Risikobereitschaft ist zurück. Technologieaktien bleiben der Motor der Wall Street, während sinkende Ölpreise und rückläufige Anleiherenditen den Märkten zusätzliche Luft verschaffen. Doch gerade jetzt ist Selektion entscheidend.
Denn die Rallye steht auf einer geopolitischen Annahme: dass die Waffenruhe hält, die Straße von Hormus schrittweise wieder geöffnet wird und aus der aktuellen Zwischenlösung ein tragfähiger Deal entsteht. Sollte diese Annahme kippen, könnten Ölpreise, Inflationserwartungen und Anleiherenditen schnell wieder steigen.
Die Börse klettert weiter an der berühmten "Wall of Worry" nach oben. Aber diese Wand ist in dieser Woche nicht kleiner geworden - sie wurde nur etwas besser beleuchtet.
Für Anleger bedeutet das: Qualität, starke Bilanzen, echte Cashflows und klare Wachstumstreiber bleiben wichtiger denn je. Die Märkte sind bereit, weiter zu steigen. Aber sie verzeihen keine Enttäuschungen. Spannend bleibt es auch bei den Rohstoffen und Rohstoff-Aktien. Dazu lesen Sie gerne mehr in unserem folgenden Wchenrückblick.
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Viele Grüße,
Ihr
Jörg Schulte
Quellen: Marketscreener.com, onvista.de, Reuters.de, eigener Research, Bildquellen: tradingeconomics.com, onvista.de, MinerDeck, Intro Bild: stock.adobe.com,
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