SACRAMENTO (dpa-AFX) - In der Demokraten-Hochburg Kalifornien kann sich ein Republikaner Hoffnungen auf einen der beiden Plätze in der Endrunde der Gouverneurswahl machen. Nach der Auszählung von etwa der Hälfte der Stimmen in der Vorwahl lieferten sich der frühere demokratische US-Gesundheitsminister Xavier Becerra und der Republikaner Steve Hilton ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wie etwa auf der Website des Secretary of State zu sehen war.
Der von Präsident Donald Trump unterstützte Hilton stammt aus Großbritannien und war in der britischen Politik sowie beim konservativen TV-Sender Fox News aktiv. In Umfragen vor der Vorwahl lag er etwa gleichauf mit Milliardär Tom Steyer, der für die Demokraten antritt. Zunächst war unklar, ob Steyer bei der weiteren Stimmauszählung noch aufholen könnte.
Parteiunabhängige Vorwahl
Anders als in vielen anderen Bundesstaaten kommen in Kalifornien die beiden bestplatzierten Bewerber unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit in die Endrunde. Wähler der Demokraten sind in Kalifornien klar in der Überzahl. Angesichts vieler angetretener Kandidaten gab es in der Partei jedoch zwischenzeitlich die Sorge, dass sich die Stimmen zu sehr auf einzelne Demokraten verteilen und am Ende zwei Republikaner in die Endauswahl kommen. Der andere Kandidat der Republikaner, Sheriff Chad Bianco, rangiert in der Vorwahl nun jedoch auf dem vierten Platz.
Zersplitterte Demokraten
Nach Einschätzung der Politikwissenschaftlerin Donna Crane von der San Jose State University trug die Zersplitterung der Stimmen der Demokraten zwischen vielen Kandidaten dazu bei, dass ein Republikaner in die Endrunde vorrücken könnte. "Sie schossen sich selbst in den Fuß", sagte sie im Sender ABC. Aussichtsreichster Kandidat der Demokraten war ursprünglich der Kongressabgeordnete Eric Swalwell. Er schied jedoch nach Vorwürfen sexueller Übergriffe aus. Nach der Niederlage bei der Präsidentenwahl 2024 galt auch Kamala Harris als mögliche Anwärterin auf das Gouverneursamt. Sie entschloss sich jedoch gegen eine Kandidatur und hält sich die Aussicht auf ein weiteres Rennen um das Weiße Haus offen.
Wirtschaftsmacht Kalifornien
Der aktuelle Gouverneur Gavin Newsom kann nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Er gilt als ein möglicher Kandidat der Demokraten für die Präsidentenwahl 2028. Kalifornien ist unter anderem dank der Tech-Industrie im Silicon Valley und seiner Agrarindustrie eine Wirtschaftsmacht. Zugleich beklagen sich die Einwohner über hohe Immobilienpreise und Lebenshaltungskosten.
Durch die Bedeutung Kaliforniens ist der Gouverneur des Bundesstaates auch landesweit einflussreich. Unter Newsoms Vorgängern waren Ronald Reagan, der wenige Jahre später Präsident wurde, sowie Hollywood-Star Arnold Schwarzenegger bis 2011. Er war der bisher letzte republikanische Gouverneur Kaliforniens.
Bürgermeisterwahl in Los Angeles
Parallel zur Gouverneurs-Vorwahl wurden auch in Los Angeles Kandidaten für die Endrunde der Bürgermeisterwahl ausgewählt. Hier zeichnet sich nach der Auszählung eines Teils der Stimmen ab, dass im November Amtsinhaberin Karen Bass für die Demokraten gegen den einst im Reality-TV bekannt gewordenen Republikaner Spencer Pratt antreten dürfte. Pratt profitierte in seinem Wahlkampf unter anderem vom Frust einiger Einwohner der Stadt, die einen langsamen Wiederaufbau nach den Bränden Anfang 2025 kritisieren./so/DP/men
