DJ OECD senkt Wachstumsprognose für 2026 leicht
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft im laufenden Jahr wegen der Folgen des Nahost-Kriegs leicht gesenkt und die für das kommende leicht angehoben. Wie die Organisation mitteilte, rechnet sie in einem Basisszenario für 2026 nun mit einem Anstieg des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,8 Prozent, nachdem sie im März 2,9 Prozent vorausgesagt hatte. Für 2027 werden 3,1 (zuvor: 3,0) Prozent Wachstum erwartet.
"Unterbrechungen der Transporte durch die Straße von Hormus haben zusammen mit Schäden an der Energieinfrastruktur zu einem drastischen Anstieg der Energiepreise geführt und die Kosten für Düngemittel sowie andere kritische industrielle Vorlaufstoffe in die Höhe getrieben", heißt es in dem Bericht. Diese höheren Kosten schlügen sich im Inflationsdruck nieder, schwächten das Vertrauen und belasteten sowohl die Nachfrage der privaten Haushalte als auch die Geschäftstätigkeit der Unternehmen.
Die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts werden nach Einschätzung der OECD noch einige Zeit nach einer Lösung spürbar sein, wobei die Spanne der möglichen Ergebnisse breit sei. Die hier zunächst aufgeführten Prognosen folgen einem Szenario mit zeitlich begrenzten Störungen, bei dem die Beeinträchtigungen relativ kurzlebig bleiben und die Energiepreise den gegenwärtigen Terminkurven folgen. Alternativ rechnet die OECD ein Szenario mit anhaltenden Störungen durch, das weitreichendere und weitaus länger anhaltende negative Folgen nach sich ziehen würde.
Deutsche Prognosen werden gesenkt
Die US-Wirtschaft soll nach dem Basisszenario 2026 um 2,0 (2,0) und 2027 um 1,8 (1,7) Prozent wachsen und die des Euroraums um 0,8 (0,8) und 1,2 (1,2) Prozent, darunter die deutsche um 0,7 (0,8) und 1,1 (1,5) Prozent. Für China werden 4,5 (4,4) sowie 4,3 (4,3) Prozent prognostiziert und für Japan 0,6 (0,9) und 0,8 (0,9) Prozent.
Im Negativszenario unterstellt die OECD eine bis 2027 anhaltende Störung von Energie- und Rohstofflieferungen, in dem die globalen Energielieferungen um 10 Prozent unter dem Vorkriegsniveau bleiben. Es werde ein erheblicher Rückgang der globalen Energienachfrage erforderlich, um die Energiemärkte wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die OECD unterstellt, dass die Energiepreise vom dritten Quartal 2026 bis zum dritten Quartal 2027 um 50 Prozent über dem im Basisszenario angenommenen Niveau liegen würden.
Für die Düngemittelpreise wird ein ähnlicher Anstieg unterstellt, was die landwirtschaftlichen Betriebsmittelkosten in die Höhe treiben und dazu führen würde, dass die Nahrungsmittelpreise 2027 um 4 Prozent steigen. Diese Entwicklungen sowie Knappheiten, Vertrauenseffekte und anderes würde das globale Wachstum nach OECD-Angaben gegenüber dem Basisszenario um 0,7 beziehungsweise 1,3 Prozentpunkte mindern. Das würde implizieren, dass es in einigen Volkswirtschaften zu Rezessionen käme. Auf einige Sektoren kämen hohe Belastungen zu, vor allem - wegen der hohen Energiekosten, gestörter Hardware-Produktion und -Lieferungen - auf Unternehmen mit Bezug zu Künstlicher Intelligenz (KI).
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June 03, 2026 03:00 ET (07:00 GMT)
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