
© Foto: YearOne auf Unsplash (Symbolbild)
Wer Volkswagen in den letzten Monaten beobachtet hat, kennt das Bild. Die Aktie leidet, der Konzern versucht sich neu zu erfinden und die Börse schaut skeptisch zu. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt dabei etwas Interessantes, denn der Kurs hat in der Zone zwischen 80 und 90 Euro schon zum wiederholten Mal Halt gefunden und ist jedes Mal zurückgekommen. So etwas nennt man den Versuch der Bodenbildung. Gleichzeitig treibt VW den größten Umbau seiner Geschichte voran, bei dem Milliarden aus dem Verkauf von Unternehmensteilen fließen, neue Modelle rollen an den Start, und die Partnerschaft mit dem US-Elektropionier Rivian nimmt konkrete Formen an. Wer also auf der Suche nach einer Aktie ist, bei der der Rebound bevorstehen könnte, hier könnte sie sein. Lesen Sie weiter.
Umbau mit Volldampf
Volkswagen steckt mitten in dem Konzernumbau, der in seiner Dimension riesig ist. Im Kern geht es darum, Ballast abzuwerfen und gleichzeitig die Weichen für die Elektromobilität zu stellen. Ein zentrales Element dabei ist der bevorstehende Verkauf von Everllence, der ehemaligen MAN-Sparte für Motorentechnologie. Mehrere Finanzinvestoren, darunter CVC, Bain Capital und EQT gemeinsam mit der Porsche SE und dem Staat Katar, haben verbindliche Angebote abgegeben. Der Deal könnte zwischen 8 und 9 Milliarden Euro in die Kasse spülen, Kapital, das direkt in die Elektrostrategie fließen soll. Parallel dazu hat VW seinen Anteil am US-Elektroautobauer Rivian auf über 15 Prozent ausgebaut und ist damit zum größten Einzelaktionär aufgestiegen. Das Ziel ist eine gemeinsame Elektronik-Architektur für künftige Modelle. Auf der Produktseite setzt der Konzern auf Volumen. Der neue ID. Polo startet in Deutschland bei 24.995 Euro und soll bezahlbare E-Mobilität für breite Käuferschichten zugänglich machen. Intern läuft die Neuausrichtung allerdings nicht reibungslos. Die Position der Personalleitung ist weiterhin unbesetzt, und Gerichtsurteile zu Jubiläumsprämien aus dem Tarifstreit Ende 2024 könnten VW noch einiges kosten. Das Landesarbeitsgericht Niedersachsen gab z. B. Mitarbeitern recht, die am 1. Januar 2025 ihr Dienstjubiläum feierten und die alten, höheren Gratifikationen einforderten. Das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen und weitere Verfahren stehen an. Aber verglichen mit den großen Summen beim Umbau sind das eher Kleinigkeiten. Aber das Sprichwort heißt ja: Auch Kleinvieh macht Mist.

Charttechnik
Der Blick auf den Chart ist aufschlussreicher als man zunächst denken mag. Die Zone zwischen 80 und 90 Euro hat sich bislang recht zuverlässig als solide Unterstützung erwiesen, mehrfach getestet, mehrfach gehalten. Das 52-Wochen-Tief lag bei rund 82,24 Euro, zuletzt stabilisierte sich der Kurs über der Marke von 89 Euro. Aktuell liegt er bei ca. 90,60. Der RSI bewegt sich aktuell bei neutralen 48 Punkten, weder überkauft noch überverkauft. Technisch gesehen ist das genau die Ausgangslage, die einem Rebound oftmals vorausgeht. Das 52-Wochen-Hoch von über 109,15 Euro liegt zwar noch in einiger Ferne, doch der Weg in Richtung 100 bis 120 Euro ist charttechnisch nicht allzu verbaut. Seit dem Mai-Tief hat die Aktie bereits rund 10 Prozent zugelegt, und der Kurs liegt mittlerweile über dem 50er SMA von 88,67 Euro. Das ist ein erstes positives Signal.
Was tun?
Wer die Fundamentaldaten betrachtet, sieht, dass der Volkswagenkonzern im letzten Geschäftsjahr über 320 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet hat. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist historisch niedrig, was die Aktie für Value-Investoren attraktiv macht. Die Analysten sind überwiegend konstruktiv gestimmt: RBC Capital Markets stuft die Aktie mit "Outperform" ein, Jefferies mit "Buy". JP Morgan bleibt mit "Neutral" vorsichtiger, hat aber zuletzt sein Kursziel angehoben. Die Charttechnik signalisiert Stabilisierung mit der Möglichkeit des Ausbruchs nach oben. Die Bewertung ist günstig, und der Konzernumbau nimmt Fahrt auf, doch Risiken bleiben. Das China-Geschäft schwächelt spürbar, die Margen stehen unter Druck, und die offenen Gerichtsverfahren könnten kurzfristig Kosten verursachen. Wer einen langen Atem hat und auf einen schrittweisen Rebound in Richtung 100 bis 120 Euro setzen möchte, findet bei VW eine Möglichkeit. Bei nochmaligen Rücksetzern in den Bereich um 85 bis 88 Euro könnte ein gestaffelter Einstieg Sinn ergeben.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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