KIEL/BERLIN (dpa-AFX) - Die Gewerkschaft Verdi weitet ihre Warnstreiks im Einzelhandel sowie im Groß- und Außenhandel aus. Betroffen sind heute und am Freitag Betriebe und Unternehmen der gesamten Handelsbranche in allen Bundesländern, wie die Gewerkschaft mitteilte.
In Kiel nahmen heute rund 200 Beschäftigte des Handels vor allem aus Schleswig-Holstein an einer Demonstration teil. "Wir sind nicht die Billigheimer der Nation", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Silke Zimmer auf der Abschlusskundgebung. "In einer Tarifrunde im Handel geht es eben nicht allein um Prozente, es geht um Anerkennung, es geht um Wertschätzung."
Die Gewerkschaft wolle einen zügigen Tarifabschluss, sagte Zimmer. Dieser müsse der Leistung der Beschäftigten gerecht werden. "Wir wollen vor allen Dingen keinen weiteren Reallohnverlust, weil wir nämlich schlicht nicht mehr wissen, wie wir unser tagtägliches Leben finanzieren sollen."
Knapp zwei Drittel aller Beschäftigten im Einzelhandel hätten nur einen Teilzeitjob, sagte Zimmer. "Und jedes Mal ist man darauf angewiesen, dass der Hausleiter, dass der Filialleiter noch ein paar Stunden rausrückt."
Entgelterhöhung von sieben Prozent gefordert
Die Gewerkschaft fordert - unterschiedlich akzentuiert in den bundesweit 16 Tarifgebieten des Einzelhandels und den 20 Tarifgebieten im Groß- und Außenhandel - eine Entgelterhöhung von sieben Prozent, mindestens aber 225 Euro monatlich mehr, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.
Die Arbeitgeber schlugen im Groß- und Außenhandel laut Verdi eine Entgelterhöhung beginnend ab dem Monat nach Tarifabschluss von insgesamt 3,4 Prozent vor, allerdings mit einer doppelt so langen Laufzeit - was den Zuwachs halbiere.
Im Einzelhandel sieht das Angebot der Arbeitgeber demnach erst nach sechs Monaten ohne jede Steigerung eine Entgelterhöhung von zwei Prozent vor, dann nach weiteren drei Monaten ohne Steigerung 1,5 Prozent, ebenfalls bei 24 Monaten Laufzeit.
Bundesweite Warnstreiks
Verdi hatte zu bundesweiten Warnstreiks in der Tarifrunde für mehr als fünf Millionen Handels-Beschäftigte aufgerufen. In Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland haben die Geschäfte am Donnerstag wegen Fronleichnam ohnehin geschlossen.
Der Handelsverband Deutschland (HDE) hatte vor den Warnstreiks erklärt, keine spürbaren Auswirkungen für Kunden durch die Streikaktionen zu erwarten. Die Unternehmen seien gut vorbereitet, die internen Abläufe eingespielt./akl/DP/he
