DJ MARKT-AUSBLICK/Kaufzwang bei SpaceX kann ein Wendepunkt sein
Von Michael Otto Denzin
DOW JONES--Ein spannende und möglicherweise wegweisende Woche steht vor den internationalen Aktienbörsen. Denn mit dem Börsengang von SpaceX am 12. Juni findet der größte Börsengang der Geschichte statt. Und dazu noch wird eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) mit ihren Inflationsaussagen zu verdauen sein. Für die Märkte könnte das SpaceX-IPO den Wendepunkt nach einer langen Börsenrally einleiten. Bislang mussten die extrem hohen Aktienbewertungen weiter oben gehalten werden, um den erfolgreichen Börsengang zu sichern. Danach wird das nicht mehr ganz so wichtig sein.
Aber Aktienbewertungen sind nur die eine Seite, die andere ist hartes Cash: Und da hat auch die Wall Street nicht einfach rund 160 Milliarden Dollar in der Kaffeekasse, jeweils 80 Milliarden Dollar für SpaceX und nun auch noch für Google. Denn dieses Kapital muss aus anderen Anlagen abgezogen werden. Wie vom Handel erwartet, breitet sich aktuell eine Welle von Gewinnmitnahmen im Technologie-Sektor und bei den Rüstungs-&-Luftfahrt-Aktien aus. Die in diesen Branchen engagierten Fonds müssen Platz schaffen und Cash bereitstellen, um beim IPO von SpaceX dabei zu sein.
Fond-Anleger werden zum SpaceX-Kauf gezwungen
Vor einem Crash müssen Anleger zunächst keine Angst haben: Denn Betreiber von Börsen-Indizes wie dem Nasdaq-Index biegen ihre alten Regeln zurecht und sorgen dafür, dass SpaceX und später im Jahr die KI-Werte Anthropic und OpenAI schon nach 15 Tagen in den führenden US-Index der Technologie-Werte aufgenommen werden. Damit entsteht ein berechenbarer Zweitrundeneffekt für die Käufer beim Börsengang: denn die indexorientierten ETFs sind dadurch gezwungen, automatisch in diese Aktien zu investieren. Und noch weniger sichtbar wird eine weitere Käufergruppe in die neuen Aktien gezwungen: die Altersvorsorger. Denn die in den USA beliebten 401k- und Roth-IRA-Konten für die private Rentenvorsorge investieren stark in ETFs.
Anleger sollten sich daher von dem Märchen verabschieden, dass "Investment in Fonds" gleichbedeutend mit "diversifiziert und breit gestreut" ist. Das Cluster-Risiko, also die Abhängigkeit von einigen wenigen US-Titeln, steigt immer stärker. Die Namensgebung einiger Fonds und Indizes wird damit grenzwertig: Denn im sogenannten MSCI-"World"-Index gehen über 70 Prozent der Gewichtung an US-Werte und dadurch wiederum an die schwergewichtigen Tech-Werte. Deutschland ist dagegen nur niedrig gewichtet: mit rund 2,5 Prozent.
Google grätscht dazwischen - Berkshire und S&P machen nicht mit
Die Zeichen mehren sich, dass die enorme Konkurrenz um echtes Kapital auch von US-Profis skeptisch gesehen wird: So grätschte die Google-Mutter Alphabet überraschend dem SpaceX-Börsengang dazwischen. Erst Anfang dieser Woche erklärte sie, auch noch 80 Milliarden Dollar von der Börse zu holen - diese Eile deutet an, dass die Finanzwelt nach dem Börsengang von SpaceX & Co vielleicht nicht mehr ganz so rosig gesehen wird.
Besonders interessant dabei, Berkshire Hathaway, die durch Warren Buffett berühmt gewordene Investmentgesellschaft, übernahm sofort 10 Milliarden Dollar von Google ins eigene Portfolio. Schließlich ist deren Unternehmen profitabel. Beim SpaceX-Börsengang gibt es indes keine Zeichen, dass Berkshire hier bereit ist, einzusteigen. Und bei den Index-Spielen wird Betreiber Standard & Poor's (S&P Global) nicht mitmachen und die Regeln für eine schnelle SpaceX-Aufnahme in den S&P-500-Index anpassen.
EZB-Zinserhöhung ist eingepreist - Offen sind die Inflationsaussagen
Spannend werden zudem die Aussagen der EZB bei ihrer ersten Zinserhöhung seit fast drei Jahren. Die Europäer stehen in einem extremen Spannungsfeld zwischen Inflation und schwacher Konjunktur. Nachdem bereits im April zahlreiche EZB-Mitglieder eine Zinserhöhung favorisiert hatten, dürfte sie am kommenden Donnerstag, den Einlagensatz von 2,0 Prozent auf 2,25 Prozent anheben, meint Volkswirtin Ulrike Kastens vom Vermögensverwalter DWS. Der Inflationsdruck sei hoch, für die Jahre 2026 und 2027 dürfte die EZB ihre Prognosen dafür erhöhen. Für die Zeit danach dürfte sie sich aber auf nichts festlegen, um sich maximale Handlungsfreiheit zu sichern. Die Börsen preisen indes noch eine zweite Zinserhöhung im September ein.
Zu den wenigen wichtigen Indikatoren, auf die kommende Woche noch geachtet wird, zählen neue Inflationsdaten aus China und den USA. Vor allem die US-Verbraucherpreise für Mai am Mittwoch stehen im Fokus, da sie das Meinungsbild vor der Fed-Sitzung in der darauf folgenden Woche prägen.
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June 05, 2026 07:01 ET (11:01 GMT)
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