
© Foto: Pawel Czerwinski auf Unsplash (Symbolbild)
Wer Nokia vor einem Jahr gekauft hat, dürfte sich freuen. Der Kurs hat sich mehr als verdoppelt, zeitweise sogar verdreifacht und noch mehr. Aber was gerade passiert, kennen erfahrene Börsianer nur zu gut. Eine Aktie, die senkrecht nach oben läuft, bis irgendwann die Luft raus ist, und dann geht es oftmals sogar noch schneller wieder runter. Die KI-Fantasie hat Nokia mit voller Wucht erfasst, Analysten jubeln, Investoren und Anleger kaufen, der Markt feiert. Aber genau das könnte zum Problem werden, denn wenn alle schon drin sind, wer ist dann noch da, der kauft? Der Chart sieht aus wie eine Fahnenstange, und Fahnenstangen fallen irgendwann um, wenn sie brechen.
Nokia und der KI-Boom: Echtes Geschäft oder heißer Dampf?
Nokia hat sich in den letzten Jahren mühsam neu erfunden. Weg vom Handy-Hersteller, hin zum Infrastrukturanbieter für Glasfaser, 5G und Rechenzentren. Das klingt erst mal eher langweilig, ist aber genau das, was der Markt gerade liebt. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Umsätze mit KI- und Cloud-Kunden um 49 Prozent. Nokia meldete neue Aufträge über 1 Milliarde Euro, betreibt in Sunnyvale ein KI-Labor zusammen mit Nvidia, AMD und Lenovo. Die Wachstumsprognose für das Netzinfrastruktur-Segment wurde kräftig angehoben, von ursprünglich 6 bis 8 Prozent auf jetzt 12 bis 14 Prozent. Operativ lief das Quartal ebenfalls besser als erwartet. Das alles klingt nach einer Erfolgsstory, aber leider hat der Kurs schon einiges längst vorweggenommen. Was real gewachsen ist, ist das Geschäft. Was aber explodiert ist, ist die Bewertung.

Charttechnik
Der Chart erzählt eine schöne, aber auch beunruhigende Story. Die Nokia-Aktie läuft seit Monaten top nach oben, aber leider auch wie eine Fahnenstange. Mehrfach hat sich der Aufwärtstrend dabei nochmal beschleunigt. Das Momentum nährt das Momentum. Das Papier erreichte sogar zuletzt den höchsten Stand seit der Finanzkrise. In der vergangenen Woche wurde die Aktie sowohl auf Tages-, Wochen- als auch auf Monatsbasis außerhalb der Bollinger Bänder gehandelt, eine technische Ausnahmesituation, die in aller Regel nicht lange anhält. Zu 90 - 95 Prozent bewegt sich der Kurs normalerweise innerhalb der Bänder. Dazu kommt eine Wendekerze auf Wochensichtbasis, die ein klassisches Umkehrsignal darstellt. Der RSI liegt bei 87 Punkten und zeigt kleine Anzeichen von bearishen Divergenzen. Das Momentum bröckelt langsam ein wenig ab. Der Abstand zu den gleitenden Durchschnitten ist enorm: Die 50-Tage-Linie liegt bei etwa 10,18 Euro, die 200-Tage-Linie sogar nur bei 6,51 Euro. Dreht der Kurs jetzt, könnte es schnell in Richtung 10 Euro gehen, dort, wo der 50er-SMA verläuft. Gibt auch das nach, ist die Marke um 8 Euro das nächste realistische Ziel. Dort allerdings wäre die Lage anders: Bildet sich in diesem Bereich ein Boden, könnte das für geduldige Anleger ein interessanter Einstiegspunkt für einen Longtrade sein.
Was tun?
Wer Nokia noch nicht hat, wäre vielleicht auch besser beraten, dies aktuell sein zu lassen, denn das KGV für 2026 liegt bei 37. Das ist fast das Dreifache des historischen Mittels. Die Dividendenrendite ist von fast 4 Prozent auf 1,1 Prozent geschrumpft. Die Aktie ist fundamental teuer, charttechnisch überhitzt und die Analysten sehen mehrheitlich eher Abwärtspotenzial. Wer bereits investiert ist, sollte zumindest nachdenken. Z. B. Gewinne mitnehmen ist keine schlechte Idee, wenn eine Aktie in wenigen Monaten so extrem zugelegt hat. Die Unternehmensstory stimmt, aber der Kurs hat die Realität um Jahre überholt. Verkaufen bedeutet nicht, Nokia abzuschreiben. Es bedeutet, mit Vernunft zu agieren. Warten auf 8 bis 10 Euro, dort einen Neueinstieg prüfen, das wäre die rationalere Strategie.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen. Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.




