
© Foto: Farhat Altaf auf Unsplash (Symbolbild)
Hewlett Packard hat mit seinen jüngsten Quartalszahlen die Wall Street kalt, aber im positiven Sinne, erwischt. Umsatz, Gewinn, Ausblick, alles besser als erwartet. Die Aktie schoss daraufhin um über 30 Prozent nach oben und markierte ein neues Allzeithoch. Aber Vorsicht, denn wer jetzt einsteigt, betritt vermintes Gelände. Der Kurschart sieht aus wie eine Fahnenstange, der RSI notiert auf einem Extremwert von 93, technisch ein klares Warnsignal. Und wenn solche Charts kippen, kippen sie oft heftig. Wie weit könnte es zurückgehen? Und wann lohnt sich der Einstieg? Lesen Sie weiter, um die Antworten darauf zu finden!
Rekordquartal mit Ansage
Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 lieferte Hewlett Zahlen, die die meisten Analysten überraschten. Der Umsatz kletterte um 40 Prozent auf 10,7 Milliarden US-Dollar. Erwartet worden waren knapp 9,8 Milliarden. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 0,79 US-Dollar, die Prognose hatte bei 0,53 US-Dollar gelegen. Der Treiber dahinter ist eindeutig die KI-Infrastruktur. Unternehmen rüsten ihre Rechenzentren massiv auf, und Hewlett liefert die dafür benötigten Server, Speicherlösungen und Netzwerktechnik. Besonders das klassische Servergeschäft entwickelte sich deutlich besser als gedacht. Konzernchef Antonio Neri sprach von dreistelligen Zuwächsen bei den Auftragseingängen, und einem Auftragsbestand auf Rekordniveau. Dazu passt der angehobene Ausblick: Statt 17 bis 22 Prozent Umsatzwachstum peilt Hewlett nun 29 bis 33 Prozent an. Beim Gewinn je Aktie wurde die Prognose von 2,30 bis 2,50 US-Dollar auf 3,35 bis 3,45 US-Dollar angehoben. Ziele, die ursprünglich erst für 2028 galten, sind damit bereits heute Realität.

Charttechnik
Und hier beginnt das Problem. Die Aktie hat sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt. Der Chart zeigt keinen gesunden Aufwärtstrend, er zeigt eine steile Fahnenstange. Fast senkrecht nach oben, ohne nennenswerte Pausen oder Konsolidierungen. Der Relative-Stärke-Index liegt bei 93, also deutlich über 70, wo man schon von überkauft spricht. 93 ist schlicht extremes Territorium. Meist folgen auf derartige Extremwerte häufig Abstürze. Kommt es zu einer Gegenbewegung, wäre ein Rückgang in Richtung 40 US-Dollar durchaus möglich. Schlimmstenfalls sogar bis 30 US-Dollar. Das klingt extrem, wäre es aber charttechnisch nicht, denn der 50-Tage-Durchschnitt verläuft in diesem Bereich, der 200-Tage-Durchschnitt sogar noch deutlich tiefer. Das Rückschlagspotenzial ist enorm.
Was tun?
Die Zahlen waren stark, der Ausblick ist überzeugend, die Investmentstory rund um KI-Infrastruktur funktioniert. Daran gibt es nichts zu deuteln. Aber: Der Markt hat vieles davon bereits eingepreist, und dann noch eine Schippe draufgelegt. Jede kleine Enttäuschung beim nächsten Quartalsbericht oder bei schlechten News oder vielleicht auch nur einem negativen Analystenkommentar, könnte einen zweistelligen Kursrutsch auslösen. Dazu kommt die technisch überhitzte Lage. Ein RSI von 93 ist kein Kaufsignal, es ist ein Warnsignal. Anleger, die bereits investiert sind, sollten darüber nachdenken zumindest ihre Gewinne abzusichern. Ein Neueinstieg auf diesem Niveau ist aus Risiko-Rendite-Sicht schwer zu rechtfertigen. Wer HPE auf dem Radar hat, wartet besser auf eine deutliche Korrektur, idealerweise Richtung 40 US-Dollar oder darunter. Dann erst wird die Geschichte wieder interessant.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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