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Der Halbleiterhersteller Broadcom konnte mit seinen Quartalszahlen nicht überzeugen. Die Kursreaktion könnte charttechnisch jetzt nachhaltige Folgen haben.
Nach heftigem Ausverkaufstag: Katerstimmung bei Halbleiter-Aktien!
Die von Broadcom in der vergangenen Woche vorgelegten Quartalszahlen sorgten bei Anlegerinnen und Anleger für Enttäuschung. Zwar konnten die Erwartungen geschlagen werden und das Unternehmen ein hohes Umsatz- und Gewinnwachstum präsentieren, doch der Ausblick auf das kommende Quartal genügte nicht, den zuvor stark gestiegenen Aktienkurs zu rechtfertigen. Auch die Schwäche im Software-Geschäft schmeckte Investoren nicht, nachdem Broadcom vor wenigen Jahren viel Geld für die Übernahme von VMware auf den Tisch gelegt hatte.
Für zusätzlichen Verkaufsdruck nach den Zahlen sorgte der Absturz von Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerten am vergangenen Freitag. Ein überraschend starker US-Arbeitsmarktberichte hatte Anleiheinvestoren zu verstärkten Wetten auf neue Zinserhöhungen veranlasst, was zu einem Abverkauf bei Wachstumswerten sorgte. Zugleich fielen die Daten zum Produktivitätswachstum enttäuschend aus, was Sorgen darüber aufkommen ließ, ob sich die milliardenschweren KI-Investitionen tatsächlich jemals auszahlen werden.
Über 20 Prozent sind bei Broadcom schon weg, was folgt jetzt?
Gegenüber ihrem Allzeithoch hat die Broadcom-Aktie so in nur drei Handelstagen über 20 Prozent an Wert verloren. Für Anlegerinnen und Anleger gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist, dass das Papier am Montag in einen markanten Unterstützungsbereich zurückkehrt, die schlechte Nachricht ist jedoch, dass keineswegs garantiert ist, dass dieser neuem Verkaufsdruck standhalten kann. Dazu der Blick in den Chart:
Die ersten Verkaufssignale liegen bereits vor ...
Übergeordnet befindet sich Broadcom in einem mehrjährigen Aufwärtstrend. Das Unternehmen profitiert mit seinen nach Kundenwunsch maßgeschneiderten Halbleiterprodukten (ASIC-Chips) vom KI-Boom und der anhaltend hohen Nachfrage vor allem nach Chips für Rechenzentren. Bereits nach den im Dezember vergangenen Jahres vorgelegten Quartalszahlen korrigierte die Aktie schon einmal für längere Zeit. Damals hatte eine schwache Margenprognose für Enttäuschung gesorgt. Diese führte ebenfalls zu einem starken Ausverkauf der Aktie und dem Unterschreiten der 50-Tage-Linie.
Dieses Szenario könnte sich jetzt wiederholen, nachdem die Broadcom-Aktie am vergangenen Freitag mit rund 385 US-Dollar unter die 50-Tage-Linie gefallen ist, womit nach dem Unterschreiten des Unterstützungsbereiches bei 400 US-Dollar ein weiteres Verkaufssignal vorliegt. Darüber hinaus hat die Aktie aus technischer Perspektive ein weiteres Problem. Die technischen Indikatoren RSI und MACD befinden sich bereits seit Wochen gegen den zuletzt starken Aufwärtstrend der Aktie in Abwärtstrends.
... das könnte jetzt sogar zu einer Trendwende führen!
Damit liegen bearishe Divergenzen vor, die in der technischen Analyse als Vorboten von Trendwendebewegungen gelten. Die jüngste Rekordrallye war technisch also nicht unterstützt, was die hohen Verluste in den vergangenen Tagen mit erklären kann. Der Relative-Stärke-Index ist dabei unter den neutralen Wert von 50 gefallen, womit er erste technische Schwäche anzeigt. Der Trendstärkeindikator MACD befindet sich zwar noch weit über seiner Nulllinie, allerdings droht er unter die (rote) Signallinie zu fallen und damit einen an Schwung verlierenden Aufwärtstrend anzuzeigen. Das genügt nach längeren Anstiegsphasen häufig bereits für Kursverluste - so wie bereits im vergangenen Jahr.
Anlegerinnen und Anleger sollten sich daher darauf einstellen, dass die Broadcom-Aktie ihre jüngsten Verluste ausweiten könnte. Noch ist es hier also nicht an der Zeit, den Rücksetzer zu kaufen. Sollte die 50-Tage-Linie aufgegeben werden, droht ein Rückfall bis mindestens 350 US-Dollar, wo auch die 200-Tage-Linie verläuft. Sollte diese unterschritten werden, könnte es zu einer übergeordneten, langfristigen Trendwende kommen. Zur Oberseite wäre die gegenwärtig zunehmend bearishe Ausgangslage nur mit neuen, technisch bestätigten Allzeithochs zu neutralisieren. Hierfür gibt es jedoch keine Anzeichen.
Fazit: Noch ist die Aktie keinen Einstieg wert
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung gibt es Licht und Schatten. Einerseits ist das KGVe 2026 von 33,2 alles andere als günstig - weder grundsätzlich noch für einen Halbleiterwert. Andererseits liegt das Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis (PEG) mit 0,72 deutlich unter dem Wert von 1, der in der Fundamentalanalyse als attraktiv gilt. Damit ist Broadcom aktuell einer der günstigsten Chip-Aktien.
Bei den übrigen Kennziffern, wie dem EV/EBITDA-Verhältnis oder dem Kurs-Cashflow-Verhältnis müssen jedoch beide Augen zugedrückt werden. Vor allem das EV/EBITDA-Verhältnis ist mit 26,2 aktuell nur wenig attraktiv, weil das Unternehmen in den vergangenen Jahren durch eine Reihe von Übernahmen eine Nettoverschuldung von 45,3 Milliarden US-Dollar angehäuft hat.
Anlegerinnen und Anleger, die an einem Einstieg bei Broadcom interessiert sind, sollten gegenwärtig abwarten. Im Chart liegen Hinweise vor, dass die Aktie bis mindestens zur 200-Tage-Linie zurücksetzen könnte, während die Bewertung nur eine geringe Sicherheitsmarge bietet, was für ein ungünstiges Chance-Risiko-Verhältnis sorgt. Wer sich ausreichend lange geduldet, könnte mittelfristig eine starke Einstiegschance erhalten, denn an der Wall Street ist Broadcom angesichts eines Kursziels von 520,40 US-Dollar unverändert beliebt.
Gastautor: Max Gross
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