DJ MÄRKTE EUROPA/Behauptet - Eskalation in Nahost belastet kaum
Von Steffen Gosenheimer
DOW JONES--Die europäischen Börsen zeigen sich am Mittwochvormittag von der jüngsten Eskalation im Nahost-Konflikt zwischen den USA und dem Iran kaum beeindruckt. Die USA hatten in der Nacht mit Militärschlägen auf den Abschuss eines Helikopters durch den Iran reagiert, worauf wiederum der Iran einen Drohnenangriff auf die fünfte US-Flotte in Bahrain unternahm. Marktteilnehmer sprechen von einer Art Gewöhnungsreaktion und tun die Entwicklung als neuerliches "Gewalt-Intermezzo" ab. Präsident Trump habe zuvor erklärt, die USA müssten auf den Angriff reagieren, obwohl sowohl Washington als auch Teheran weiterhin signalisierten, dass die Verhandlungen zu einem Friedensabkommen andauerten, heißt es.
Entsprechend reagieren die Ölpreise darauf auch nicht. Brent-Öl zeigt sich nach dem deutlicheren Rückgang am Dienstag mit knapp über 91 Dollar sogar mit einem kleinen Abschlag. Das dämpft Inflationssorgen, weshalb am Rentenmarkt die Renditen minimal nachgeben. Dessen ungeachtet wird angesichts der zuletzt erhöhten Inflationsraten erwartet, dass die EZB am morgigen Donnerstag ihren Leitzins anheben wird, was als eingepreist gilt.
Der DAX legt mit 24.453 Punkten ganz leicht zu, der Euro-Stoxx-50 kommt um 0,3 Prozent voran. Für Zurückhaltung an den Börsen dürfte zunächst sorgen, dass am Nachmittag aus den USA Verbraucherpreise gemeldet werden. Je nachdem wie diese ausfallen, könnten sie stärkere Impulse auf die Inflationserwartungen und damit auch die Zinserwartungen entfalten.
Der einzige Subindex im Minus ist der der Technologieaktien, wobei Halbleiterwerte mit KI-Fantasie teilweise auch zulegen, beispielsweise Infineon oder STMicro. Aktien von Unternehmen, deren Geschäft von KI-Anwendungen negativ tangiert werden könnte, verlieren dagegen, namentlich SAP, Nemetschek, Sage Group oder Dassault Systemes.
An der Wall Street hatten die Indizes - insbesondere die technologielastigen - nachgegeben, allerdings gingen sie auch deutlich über den Tagestiefs aus dem Handel. Dort hatte es anfangs noch nach einer Fortsetzung der Erholung bei KI-Aktien ausgesehen, bevor wieder Zweifel bezüglich der Rentabilität der massiven KI-Investitionen aufkamen. Dazu war von Nervosität mit Blick auf den 80 Milliarden Dollar schweren Börsengang von SpaceX am Freitag die Rede. Dieser entziehe dem Markt Liquidität, zudem sei er extrem ambitioniert bewertet.
Auch die Marktexperten von Etoro sehen als größtes Risiko der KI-Story die Frage, ob der wirtschaftliche Nutzen die enormen Kosten rechtfertigen könne. Sie verweisen auch auf die laufende Kapitalaufnahme von 84,75 Milliarden Dollar bei Alphabet, mit der die KI-Investitionen finanziert werden sollen. Verschwunden sei die Euphorie deshalb nicht. KI entwickle sich aber zunehmend von einer einmaligen Investition zu einer laufenden Betriebsausgabe. Margendruck durch laufende Kosten werde damit zu einem immer wichtigeren Thema.
Bei den Einzelwerten zeigen sich Krones 1,4 Prozent schwächer, nachdem der Getränkemaschinenbauer die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 sowie die bis 2028 angestrebten Mittelfristziele bestätigt hat.
Commerzbank ziehen um 0,9 Prozent an. Die übernahmewillige Unicredit hat ihre Beteiligung an der Commerzbank inzwischen auf 37,7 Prozent erhöht und Vorwürfe der Commerzbank zurückgewiesen, mit falschen Zahlen zu operieren. Die direkte Beteiligung belaufe sich auf rund 40,9 Prozent, wenn man Instrumente mit einer Option auf physische Abwicklung einrechne, so die Italiener am Dienstagabend in einer Mitteilung. Sie wollen von nun an täglich mitteilen, wie viele Aktien angedient worden sind.
Heidelberger Druckmaschinen will die im abgelaufenen Geschäftsjahr verfehlte Margenverbesserung nun im neuen Jahr schaffen und peilt bei einem stabilen Konzernumsatz eine "spürbare Verbesserung" der bereinigten Marge zum Vorjahr an. Der Kurs legt um 0,7 Prozent zu.
Die am Vortag schon festeren Adidas kommen um weitere knapp 1 Prozent voran, nachdem die Analysten von RBC die Aktie auf "Outperform" erhöht haben. Zugleich entzogen sie er Aktie des Konkurrenten Nike die "Overweight"-Empfehlung.
Beiersdorf geben um 0,3 Prozent nach, nachdem Barcalys die Aktie auf "Equalweight" gesenkt hat. Unilever ziehen in London dagegen um 1,0 Prozent an. Hier hat Barclays die Kaufempfehlung bestätigt und das Kursziel leicht angehoben.
INDEX zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag +/- % YTD Euro-Stoxx-50 6.064,66 +0,3 14,92 6.049,74 4,7 Stoxx-50 5.166,51 +0,2 10,38 5.156,13 5,1 DAX 24.452,95 +0,1 19,89 24.433,06 -0,2 MDAX 31.560,51 -0,3 -82,03 27.039,42 3,1 TecDAX 3.996,11 -0,2 -9,56 3.091,28 10,3 SDAX 18.042,42 +0,1 17,53 13.062,07 5,1 FTSE 10.238,70 +0,1 11,37 10.227,33 3,1 CAC 8.238,02 +0,4 34,59 8.203,43 1,1 SMI 13.427,73 +0,5 71,42 13.356,31 1,2 ATX 5.998,62 -0,2 -10,03 6.008,65 12,6 DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Di, 17:20 EUR/USD 1,1553 +0,1 0,0010 1,1543 1,1560 EUR/JPY 185,27 +0,1 0,1800 185,09 185,2300 EUR/CHF 0,9225 +0,1 0,0011 0,9214 0,9208 EUR/GBP 0,8626 +0,0 0,0002 0,8624 0,8629 USD/JPY 160,37 +0,0 0,0100 160,36 160,2300 GBP/USD 1,3389 +0,1 0,0013 1,3376 1,3393 USD/CNY 6,7764 +0,1 0,0042 6,7722 6,7709 USD/CNH 6,7784 +0,0 0,0008 6,7776 6,7735 AUS/USD 0,7018 -0,1 -0,0010 0,7028 0,7041 Bitcoin/USD 61.677,26 -0,7 -441,76 62.119,02 61.548,52 ROHOEL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag WTI/Nymex 88,05 -0,2 -0,15 88,2 Brent/ICE 91,7 +0,3 0,25 91,45 Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Gold 4.184,25 -1,8 -78,27 4.262,52 Silber 64,38 -1,5 -0,98 65,36 Platin 1.672,58 -3,1 -53,97 1.726,55 (Angaben ohne Gewähr)
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