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Über Wochen und Monate hinweg ging es für die Aktie des Speicherchip-Herstellers Micron fast nur bergauf. Das rächt sich jetzt, und zwar gewaltig!
Halbleiteraktien: Langsam macht sich Panik breit!
Angetrieben vom KI-Boom haben sich Halbleiteraktien in den vergangenen Wochen und Monaten sehr stark entwickelt. Von Anlegerinnen und Anlegern gefragt waren vor allem Speicherchiphersteller, da hier eine noch nie dagewesene Angebotskrise besteht, die sich in stark steigenden Speicherpreisen niedergeschlagen hat und die Margen von Herstellern wie Micron, SanDisk und SK Hynix explodieren lässt.
Gegenüber dem Stand vor einem Jahr hat sich die Micron-Aktie dadurch zeitweise um rund 1.000 Prozent verteuert. Damit ist sie der Geschäftsentwicklung jedoch weit vorausgeeilt, denn die Unternehmensgewinne haben sich in den vergangenen 12 Monaten "nur" verdreifacht. Zwar sind Hersteller schon jetzt bis 2027 und darüber hinaus ausgebucht, was auf ein Andauern der Krise hindeutet.
Gleichzeitig arbeiten Hersteller fieberhaft daran, ihre Produktionskapazitäten auszuweiten, während verstärkt chinesische Hersteller auf den Markt drängen. Damit zeichnet sich ein Margen-Peak ab, der in der Vergangenheit zuverlässig das Ende eines laufenden Halbleiterzyklus angezeigt hat. Auch der Chart der Aktie liefert Anlegerinnen und Anlegern längst Warnsignale, die sie wenigstens zu Gewinnmitnahmen veranlassen sollten:

Die Warnsignale liegen längst vor ...
In den vergangenen 12 Monaten ist es bei der Micron- Aktie zu einem fahnenstangenartigen Kursanstieg gekommen. Schon das stellt ein erstes Warnsignal dar, da solche Fahnenstangen oft Übertreibungsphasen anzeigen, die sich mit etwas Abstand als nicht nachhaltig entpuppen. Innerhalb der Fahnenstange ist es zu mehreren Aufwärtstrendverschärfungen gekommen. Neben immer steileren Trendlinien ist das auch am Trendstärkeindikator MACD abzulesen, der auf immer höhere Niveaus geklettert ist.
Grundsätzlich sind steigende technische Indikatoren wünschenswert, da sie sich, wenn sie gemeinsam mit der Aktie zulegen, für die Nachhaltigkeit eines Trends verbürgen, zu stark darf ihr Anstieg jedoch nicht sein, da sie sonst überkaufte Niveaus der Aktie anzeigen. Das ist mit Blick auf den Relative-Stärke-Index RSI in den vergangenen 12 Monaten und insbesondere in den zurückliegenden Wochen häufig der Fall gewesen.
Der jüngste Anstieg über 1.000 US-Dollar ist technisch nicht mehr durch neue Hochs in den technischen Indikatoren bestätigt gewesen. Im RSI liegen erste bearishe Divergenzen vor. Das ist ein Indiz für eine mögliche Trendwende. Der MACD hatte sich zwar noch einmal steigern können, ist nach dem Kursrutsch der vergangenen Tage aber unter seine Signallinie gerutscht, was einen an Geschwindigkeit verlierenden Aufwärtstrend anzeigt. Nach längeren Anstiegsphasen genügt das häufig bereits für eine mehrwöchige Gegenbewegung.
... jetzt drohen hohe Kursverluste!
Auf Tageskursbasis ist der RSI bereits konsolidiert worden, er notiert jetzt im neutralen Bereich. Das suggeriert auf den ersten Blick Luft für neue Kursanstiege, zumal die Aktie an einer ihrer Trendlinien angelangt ist. Auf Wochen- und Monatsbasis ist die Micron-Aktie aber noch immer stark überkauft. Der Wochen-RSI liegt bei 77,4 Punkten, auf Monatsbasis liegt er sogar bei rund 87 Punkten. Das sind auf dieser Zeitebene eigentlich Notierungen, wie man sie sonst nur aus Investitions- und Spekulationsblasen kennt.
Angesichts dieser Gefahrensignale sollten sich Anlegerinnen und Anleger darauf einstellen, dass die Micron-Aktie in den kommenden Wochen korrigieren wird, und zwar stark. Ein Test mindestens der 50-Tage-Linie wäre nach dem steilen Kursanstieg der jüngsten Vergangenheit überfällig. Das wäre gleichbedeutend mit einem Rücksetzer bis 635,46 US-Dollar. Eine Gesamtmarktkrise könnte Micron sogar bis in den Bereich von 365 US-Dollar drängen, wo ein Test der 200-Tage-Linie erfolgen könnte. Auf diesem Niveau wäre die Aktie mit einem KGV von etwa 6 bewertet, was zwar günstig erscheint, für die zyklische Speicherchipbranche aber kein ungewöhnlicher Wert nahe des Zyklushochs ist.
Zur Oberseite ließen sich Zweifel an der Dauerrallye nur dann ausräumen, wenn die Aktie begleitet von frischen Hochs in den technischen Indikatoren auf neue Allzeithochs steigt. Das ist angesichts der schon eingetretenen Abschwächung der technischen Indikatoren allerdings das weniger wahrscheinliche Szenario und dürfte sich nur dann ergeben, wenn es nach den in zwei Wochen erwarteten Quartalszahlen nochmal zu einer Übertreibung kommen sollte.
Fazit: Gier rächt sich (fast) immer!
Die Micron-Aktie hatte in den vergangenen 12 Monaten einen fulminanten Lauf. Jetzt sollten sich Anlegerinnen und Anleger jedoch auf anhaltende Kursverluste einstellen, da die Aktie sowohl technisch als auch fundamental über ihr Ziel hinausgeschossen ist und das jüngste Hoch nicht nur stark überkauft war, sondern auch alle Anzeichen eines Blow-Off-Tops trägt - gewaltige Wetten am Optionsmarkt und Euphorie in sozialen Netzwerken, wie man sie zuletzt aus dem Gold- und Silber-Hype im Dezember / Januar kannte, inklusive!
Für einen Neueinstieg ist die Aktie nicht zu empfehlen. Wer meint, hier mitmischen zu müssen, sollte eine kräftige Korrektur mit belastbarer Bodenbildung abwarten. Wer bereits investiert ist und dessen Position noch im Plus notiert, der sollte über Gewinnmitnahmen nachdenken oder sich zumindest mit Stopp-Loss-Orders absichern. Wer hingegen erst vor wenigen Tagen gekauft hat, sollte sich damit abfinden, am Top gekauft zu haben und die nötigen Konsequenzen und Lehren zu ziehen - die Gier sowie die Angst, etwas zu verpassen, dürften sich jetzt rächen.
Gastautor: Max Gross
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