
© Foto: 2026 TUI
TUI hat ein hartes Jahr hinter sich. Der Kurs ist von knapp unter 10 Euro, genauer gesagt bei 9,55 Euro im Februar, auf deutlich unter 7 Euro abgerutscht. Das ist ein Minus von fast über 20 und fast schon 30 Prozent. Hinter dem Einbruch stecken aber auch echte Probleme. Da wäre der Nahostkonflikt, teure Kerosinpreise, aufwändige Rückholaktionen für tausende Urlauber. Gleichzeitig meldet das Unternehmen recht gute Zahlen, die Kreuzfahrtsparte boomt, die Sommerbuchungen ziehen an. Und doch bleibt der Kurs schwach. Charttechnisch steht TUI nun an einem kritischen Punkt. Die Aktie hat den unteren Aufwärtstrendkanal erreicht. Von hier aus könnte sie drehen, oder weiter fallen. Was sollten Anleger jetzt tun?
Operatives Geschäft
Wer TUI in den letzten Monaten verfolgt hat, kennt das Bild, dass das Unternehmen gute Nachrichten bringt, aber der Kurs bewegt sich kaum. Im ersten Halbjahr 2026 lief das operative Geschäft laut Unternehmensangaben so gut wie noch nie in der Firmengeschichte. Die Kreuzfahrtsparte steigerte ihr bereinigtes Ergebnis um fast 26 Prozent, die Schiffe fahren mit einer Auslastung von 93 Prozent. Dazu hat TUI 83 Prozent des Kerosinbedarfs für den Sommer preislich abgesichert, ein cleverer Schachzug in einem Umfeld mit stark steigenden Energiepreisen. Und trotzdem drückt der Nahostkonflikt auf die Stimmung. Rund 10.000 Urlauber mussten aus der Konfliktregion zurückgeholt werden, knapp die Hälfte davon von Kreuzfahrtschiffen. Das kostete rund 40 Millionen Euro extra. Die Jahresprognose wurde daraufhin gesenkt. Statt einem kräftigen Wachstum rechnet der Vorstand nun mit einem bereinigten operativen Ergebnis zwischen 1,1 und 1,4 Milliarden Euro. Seit Juni melden die Vertriebskanäle wieder anziehende Buchungszahlen, besonders Griechenland, Türkei und Zypern sind gefragt. Insgesamt stehen 7,9 Millionen Sommerbuchungen im System. Das klingt gut, aber der Markt schaut eben nicht nur auf heute, sondern auch in die Zukunft und da hat er Bedenken, dass es wohl so gut bleibt.

Charttechnik
Die Aktie notiert aktuell um die 6,63 Euro und hat damit den unteren Aufwärtstrendkanal fast erreicht. Genau hier entscheidet sich in den nächsten Wochen, in welche Richtung die Reise geht. Hält dieser Bereich, wäre ein Anstieg in Richtung 8 Euro realistisch, gleichzeitig würde dabei eine noch offene Kurslücke geschlossen. Das wäre ein schönes technisches Argument für mutige Käufer. Problematisch wird es allerdings, wenn der Kurs unter die 6 Euro-Marke fällt. Dann nämlich liegt ein charttechnisches Doppeltop aus dem Bereich um 9,50 Euro vor, dessen Nackenlinie bei rund 7 Euro bereits gerissen wurde. Das abgeleitete Kursziel aus dieser Formation läge bei 5 bis 5,50 Euro, ein weiteres Minus von rund 20 Prozent. Die Aktie notiert bereits unter dem 50-Tage-Durchschnitt, und der Abstand zur 200-Tage-Linie beträgt über 10 Prozent. Der RSI liegt bei etwa 41. Das ist noch kein Überverkauft-Signal Die Volatilität, aber es zeigt etwas von der Schwäche der Aktie zuletzt.
Was tun?
Operativ liefert TUI ab, fundamental ist die Bewertung laut mehreren Analysten attraktiv, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 9,43 Euro, was einem Aufwärtspotenzial von über 30 Prozent entspräche. Jefferies hat sein Ziel zuletzt allerdings auf 7 Euro gesenkt und stuft die Aktie mit "Hold" ein. Geopolitisch bleibt die Lage wohl weiterhin unberechenbar, der Branchenverband IATA hat seine weltweite Gewinnprognose für die Luftfahrt mehr als halbiert. Wer bereits investiert ist, sollte die 6-Euro-Marke als klare Orientierung im Auge behalten. Wer einsteigen möchte, könnte dies mit Kursziel 8 Euro tun, aber gleichzeitig auch einen Stopp auf der Unterseite haben.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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