DJ MARKT-AUSBLICK/SpaceX, Iran, Fed - Da kommt was auf die Börsen zu
Von Michael Otto Denzin
Nach dem größten Börsengang der Geschichte richten sich die Blicke der Anleger auf die entscheidenden Fragen der kommenden Woche: Bleibt das Kapital im Markt, sorgt ein möglicher Iran-Frieden für sinkende Zinsen - und welchen Kurs schlägt die US-Notenbank unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh ein?
Nach dem Börsengang von SpaceX wird vor allem an der Wall Street viel davon abhängen, wie sich die Aktie an ihren ersten Handelstagen schlägt. Eine Frage ist, ob eventuelle kurzfristige Kursgewinne zu schnellen Gewinnmitnahmen genutzt werden oder ob umgekehrt versucht wird, auf den fahrenden Zug doch noch aufzuspringen. Angesichts des gigantischen Kapitalflusses von rund 75 Milliarden Dollar in Elon Musks Raumfahrt- und KI-Unternehmen könnte - insbesondere bei einer negativen Kursentwicklung - aber auch eine große "Stop-Loss-Welle" losgetreten werden.
Marktteilnehmer betonen, dass das Volumen des größten Börsengangs der bisherigen Geschichte zu groß ist, als dass ein stärker fallender Kurs durch Stützungskäufe der Emissionsbanken aufgefangen werden könnte. "Wer zuckt zuerst?" ist damit die große Frage. Bleiben alle Marktteilnehmer auf ihren Positionen sitzen, könnten die Kurse weiter klettern.
Immerhin ist das Umfeld günstig. Nach CNN-Auswertungen hat US-Präsident Trump zwar schon mindestens 38 Mal den Sieg über den Iran und ähnliches wie ein unmittelbar bevorstehendes Abkommen verkündet, die Börse ist aber auch im aktuellen Fall wieder bereit, ihm zu glauben. Damit wird die übliche Kausalkette losgetreten: Frieden mit dem Iran, Ende der Blockade für Tanker in Hormus, sichere Ölversorgung, fallende Ölpreise, sinkende Inflationsangst und damit nachlassende Sorgen vor steigenden Zinsen und deswegen fallende Renditen am Anleihemarkt. Und niedrige Zinsen lieben die Börsen bekanntlich. Marktstratege Jochen Stanzl von der Consorsbank sagt, eine schnelle Öffnung der Straße von Hormus könne "das Zinsgespenst" vertreiben.
Passend dazu steht kommende Woche das nächste Zinstreffen der US-Notenbank an, erstmals unter Führung von Kevin Warsh. Der neue Fed-Chef ist als Kandidat von Präsident Trump in sein Amt gekommen und der forderte unter Warshs Vorgänger bekanntermaßen immer wieder vehement niedrigere Zinsen. "Um den Job zu bekommen, hat Warsh offensichtlich das Argument vorgebracht, dass eine Produktivitätsrevolution im Gange ist", sagte Brij Khurana, Fixed-Income-Portfoliomanager bei Wellington Management und betont, dass es für den Anleihemarkt "besorgniserregend" wäre, wenn Warsh die Inflationsrisiken nicht benennen würde.
Mit den deutlich gefallenen Ölpreisen im Rücken dürften die Börsen Warsh aber verzeihen, wenn er trotz des jüngsten Anstiegs der US-Verbraucherpreise von über 4 Prozent zum Vorjahr keine Zinserhöhung befürworten sollte. Ohnehin signalisiert das Zinserwartungs-Tool CME, dass in der kommenden Woche keine Zinserhöhung zu erwarten ist. Vor Wochenfrist rechneten demnach 60,4 Prozent der Marktteilnehmer mit unveränderten Leitzinsen bis zur September-Sitzung. Nach der erneuten Friedensankündigungen Trumps ist der Anteil auf knapp über 70 Prozent gestiegen - und damit auch die Zahl der potenziellen Aktienkäufer. Die aktuellen CME-Daten lassen sich aber auch so lesen, dass für den September-Termin eine Zinserhöhung mit einer Wahrscheinlichkeit von lediglich rund 27 Prozent eingepreist ist.
Neben der US-Notenbank werden in der kommenden Woche aber auch die Zentralbanken in Japan, Großbritannien und der Schweiz über die Zinsen entscheiden. Dabei gilt eine Zinserhöhung in Japan als ziemlich wahrscheinlich, während Ökonomen in Großbritannien und der Schweiz mehrheitlich mit unveränderten Zinsen rechnen.
Mit dem Großen Juni-Verfalltag der Optionen und Futures an den internationalen Terminbörsen am Freitag steht ein weiterer Stressfaktor für die Märkte an. Derivate-Händler dürften aber ungern bis auf den letzten Drücker warten und ihre Positionen daher noch vor der Bekanntgabe des Fed-Entscheids am Mittwochabend bereinigen. Anleger sollten sich daher auf nachrichtlich oft nicht erklärbare Volatilitäten bei Einzelaktien einstellen.
Zum Ende des Verfalltags werden dann auch die bereits beschlossenen Veränderungen innerhalb der diversen Aktienindizes umgesetzt. Mit dabei ist diesmal auch wieder der DAX: Die Hochtief-Aktie wird in den Index der 40 wichtigsten deutschen Aktien aufgenommen. Platz machen muss das Papier der Porsche Holding, für das es eine Stufe nach unten in den MDAX geht. Daneben gibt es im MDAX, aber auch im SDAX und im TecDAX noch eine Reihe weiterer Änderungen.
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