
© Foto: von Jonas Denil auf Unsplash (Symbolbild)
Deutschlands größter Wohnungskonzern steckt in der Klemme und trotzdem könnte das genau der Moment sein, auf den einige Anleger gewartet haben. Der Kurs dümpelt knapp über dem Jahrestief, die Zinsen drücken auf die Bilanz, und Berlin plant schon das nächste Regulierungspaket. Aber das operative Geschäft läuft besser als die Stimmung vermuten lässt. Fast jede Wohnung ist vermietet und die Mieten steigen. Auch der Abschlag zum tatsächlichen Immobilienwert ist historisch. Ob der Boden schon erreicht ist, zeigt die Charttechnik. Was Anleger jetzt wissen müssen. Es wird interessant!
Starkes Fundament trotz Gegenwind
Der Konzern besitzt über 480.000 Wohnungen allein in Deutschland, dazu Bestände in Österreich und Schweden. Das Vermietungsgeschäft brummt und im ersten Quartal 2026 stieg das bereinigte EBITDA im Kerngeschäft um 6,3 Prozent. Die Vermietungsquote liegt bei knapp 98 Prozent. Die durchschnittliche Monatsmiete kletterte auf 8,46 Euro pro Quadratmeter. Das sind gute Zahlen, aber das eigentliche Problem sitzt auch woanders, nämlich bei den Zinsen. Höhere Finanzierungskosten haben den bereinigten Nettogewinn um 7,2 Prozent auf rund 366 Millionen Euro gedrückt. CEO Luka Mucic hat deshalb einen klaren Plan. Bis 2028 soll der Verschuldungsgrad von aktuell 45 Prozent auf 40 Prozent sinken. Geplant sind dafür Immobilienverkäufe von bis zu fünf Milliarden Euro. Das wichtige Investment-Grade-Rating soll dabei erhalten bleiben. Dazu kommt Druck aus der Politik, denn die Bundesregierung plant mit dem sogenannten Mietrecht II, Mietsteigerungen bei Indexmietverträgen künftig auf 3,5 Prozent pro Jahr zu deckeln. Das würde dann Wachstumsspielräume spürbar eingrenzen, vor allem wenn die Inflation stark steigt.

Charttechnik
Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 15 Prozent eingebüßt. Auf Zwölfmonatssicht sind es aber schon fast 30 Prozent. Das 52-Wochen-Tief liegt bei knapp über 19 Euro, das Hoch bei knapp über 30 Euro. Die Spanne ist prozentual gesehen enorm. Der aktuelle Kurs von rund 20,50 Euro notiert fast 20 Prozent unter dem 200er SMA. Der RSI signalisiert mit Werten knapp über 30 technisch schon bald ein überverkauftes Terrain. Das könnte ein Hinweis auf einen möglicherweise bevorstehenden Rebound sein, aber noch kein Kaufsignal und auch keine Garantie dafür, denn charttechnisch gilt erst die Marke um 18 Euro als mögliche Unterstützungszone, wo eine Bodenbildung beginnen könnte. Positiv ist, dass die Aktie mehrere Tage in Folge zumindest nicht stark gefallen ist, was zumindest kurzfristig auf etwas Stabilisierung hindeutet. Der Widerstand bei 26,50 Euro bleibt jedoch vorerst außer Reichweite.
Was tun?
Wer Vonovia betrachtet, sieht eine Aktie, die fundamental deutlich besser ist als ihr Preis aktuell vermuten lässt. Der Nettoinventarwert je Aktie liegt bei rund 46 Euro und der Markt zahlt gerade weniger als die Hälfte davon. Goldman Sachs und J.P. Morgan sehen Kursziele von über 34 Euro und empfehlen den Kauf. Die Dividendenrendite ist ebenfalls nicht zu verachten und liegt über 5 Prozent. Auch das operative Geschäft liefert, der Schuldenabbauplan ist glaubwürdig, und die Refinanzierungen bis Ende 2026 sind überschaubar. Gleichzeitig bleibt der EZB-Zinspfad unklar, die Regulierung wird enger, und der Chart signalisiert noch keine echte Trendwende. Am 5. August legt Vonovia den Halbjahresbericht vor. Das wird der eigentliche Test und auch eine möglicherweise harte Bewährungsprobe. Für Anleger mit mittlerem Anlagehorizont bietet die Aktie auf diesem Niveau eine interessante Chance, es könnte aber nochmal Druck aufkommen und die Aktie in Richtung 18 Euro drücken. Daher vielleicht ein gestaffelter Kauf, als ein Einmalkauf. Oder wer aber das Risiko scheut nach unten hin zu kaufen, wartet auf ein klares charttechnisches Kaufsignal über 21,50 Euro oder auf konkrete Fortschritte beim Schuldenabbau im Halbjahresbericht. Hochspannende Aktie mit großem Abschlag zum Nettoinventarwert!
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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