DJ ÜBERBLICK am Mittag/Konjunktur, Zentralbanken, Politik
Die wichtigsten Ereignisse und Meldungen zu Konjunktur, Zentralbanken, Politik aus dem Programm von Dow Jones Newswires
Industrieproduktion der Eurozone zog im April erneut an
Die Industrieproduktion in der Eurozone ist im April erneut gestiegen. Die Fabriken beeilten sich, Aufträge von Kunden zu erfüllen, die Preiserhöhungen und Engpässe infolge des Nahost-Konflikts vermeiden wollten. Die Industrieproduktion stieg um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat, verglichen mit einem aufwärts revidierten Anstieg von 0,4 Prozent im März, wie die Statistikbehörde der Europäischen Union, Eurostat, am Montag mitteilte. Vom Wall Street Journal befragte Ökonomen hatten im Konsens einen Anstieg von 0,2 Prozent für April erwartet.
Nagel: EZB hält sich für Juli alle Optionen offen
EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel will trotz des sich abzeichnenden Endes des Iran-Kriegs eine Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) im Juli nicht ausschließen. "Selbst wenn die Meerenge von Hormus demnächst wieder befahrbar sein sollte, wird es Monate dauern, bis sich das Ölangebot wieder normalisiert", sagte er laut veröffentlichtem Redetext bei einer Konferenz. Produktionsstätten in der Region seien teilweise beschädigt oder außer Betrieb gesetzt worden und die Reserven hätten sich verkleinert. "Der Preisdruck dürfte nochmals steigen, wenn fiskalpolitische Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise auslaufen. Diese dürften die Inflationsrate im Euroraum im Mai um 0,4 Prozentpunkte gedämpft haben", rechnete der Bundesbankpräsident vor.
Commerzbank: Weitere EZB-Zinserhöhung wahrscheinlich
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer hält trotz der Einigung auf ein Rahmenabkommen zwischen dem Iran und den USA eine weitere Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) für wahrscheinlich. In einer Analyse verweist Krämer darauf, dass die Unternehmen Umfragen zufolge auf die gestiegenen Energiepreise reagiert und die höheren Kosten an ihre Kunden weitergegeben hätten. Auch seien die längerfristigen Inflationserwartungen der Konsumenten etwas über das EZB-Ziel von 2 Prozent gestiegen, die Inflationsrate dürfte in den nächsten Monaten um Marke von 3 Prozent pendeln und die Kerninflation dürfte steigen.
USA-Iran-Friedensabkommen dürfte unmittelbaren Zinsanhebungsdruck lindern
Das vorläufige Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran dürfte den unmittelbaren Druck auf die Zentralbanken, die Zinsen zu erhöhen, lindern, schreibt Capital Economics in einer Research Note. "Wir hatten immer erwartet, dass die Fed und die Bank of England die Zinsen in dieser Woche unverändert lassen - anstatt dem Beispiel der EZB zu folgen, die letzte Woche ihre Politik gestrafft hat - aber das sieht jetzt so gut wie sicher aus", sagt Chefökonom Neil Shearing. In den Schwellenländern könnte eine zuvor erwartete Zinserhöhung in Indonesien ausbleiben, während die tschechische Zentralbank die Zinsen wahrscheinlich ebenfalls unverändert lassen wird. Dennoch bleibe der makroökonomische Ausblick eine Herausforderung.
Iran-Deal lässt Schlüsselfragen offen
In dem zwischen dem Iran und den USA erzielten Abkommen sind wichtige Fragen ungelöst geblieben, schreibt Jörg Krämer von der Commerzbank in einer Research Note. Während der 60-tägigen Verhandlungsphase des Abkommens würden Themen wie das iranische Atomprogramm geklärt. "Wir erwarten in den nächsten zwei Monaten eine Achterbahnfahrt aus guten und schlechten Nachrichten", sagt er. So könne beispielsweise die Hisbollah den Beschuss Nordisraels wieder aufnehmen, und eine energische israelische Reaktion könnte den Iran dann veranlassen, die Straße von Hormus erneut zu schließen, merkt Kraemer an. Die positive Marktreaktion über Nacht bedeute jedoch, dass die bisherigen Erwartungen, der Ölpreis werde um die Marke von 100 US-Dollar schwanken, gesenkt werden könnten. Das Abkommen begrenze die Abwärtsrisiken für die Wirtschaft, obwohl in diesem Jahr nur ein mageres Wachstum von jeweils 0,6 Prozent für Deutschland und die Eurozone erwartet werde, sagt er.
USA-Iran-Abkommen keine vollständige Rückkehr zur Vorkonfliktwelt
Ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran sei keine vollständige Rückkehr in die Welt vor dem Konflikt, schreibt der Analyst der Tickmill Group, Patrick Munnelly, in einer Research Note. Obwohl das Abkommen eine risiko-positive Entwicklung sei und eine kräftige Rally bei globalen Aktien ausgelöst habe, liege der Ölpreis immer noch über seinem Februar-Niveau und die Inflationsrisiken seien nicht über Nacht verschwunden, stellt er fest. Selbst nach dem Abkommen preisten die Märkte immer noch Zinserhöhungen der Fed im Umfang von rund 15 Basispunkten ein, merkt er an. "Das besagt, dass die Anleger das Abkommen nicht als einen vollständigen makroökonomischen Neustart betrachten", meint Munnelly und fügt hinzu, dass die Anleger eine vorsichtigere Sicht auf die Inflation, die Widerstandsfähigkeit des Arbeitsmarktes und die Entscheidungen der Zentralbanken beibehielten.
Ölpreise am Scheideweg - Angebotserholung trifft auf Nachfrageverschiebungen
Für die Ölmärkte gibt es laut Barclays drei mögliche Szenarien, da die geopolitischen Risiken nach einer Einigung zwischen den USA und dem Iran nachlassen. In einem bullish Szenario könnte die Normalisierung der Handelsströme durch die Straße von Hormus eine Erholung des Verbrauchs und eine Wiederauffüllung der Lagerbestände bewirken, während logistische Engpässe eine vollständige Erholung des Angebots verzögern, was die Ölpreise in die Höhe treiben würde. Ein zweites, ausgewogeneres Szenario sieht eine Stabilisierung der Preise nach einem anfänglichen Rückgang vor, da sich die Märkte auf die Erwartung eines steigenden Angebots und einer geringeren Risikoprämie einstellen, so die Analysten der Bank.
+++ Konjunkturdaten +++
Eurozone/Handelsbilanz Apr Defizit 1,0 Mrd EUR (Vj Überschuss 8,7 Mrd EUR)
Eurozone/Exporte Apr +3,2%, Importe +2,9% gg Vormonat - saisonbereinigt
Eurozone/Handelsbilanz Apr saisonbereinigt Überschuss 1,3 Mrd EUR (März: Überschuss 0,6 Mrd EUR)
DJG/DJN/apo
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June 15, 2026 07:30 ET (11:30 GMT)
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