BREMEN (dpa-AFX) - Der Bremer Raumfahrtkonzern OHB will sich über eine Kapitalerhöhung frisches Geld für das rasante Wachstum besorgen. Dazu will das Unternehmen neue Aktien ausgeben und so rund 500 Millionen Euro brutto einnehmen. Der Nettoerlös aus der Kapitalerhöhung soll unter anderem in die weitere Industrialisierung der Produktion, in Trägerraketen und Zukunftsprogramme investiert werden, wie das Unternehmen am Montag mitteilte.
"Europa investiert in großem Umfang in unabhängige Raumfahrtkapazitäten und wir stehen seit über vier Jahrzehnten im Zentrum dieser Entwicklung", sagte Vorstandsvorsitzender Marco Fuchs laut Mitteilung. "Die geplante Transaktion wird es uns ermöglichen, unser Wachstum gemeinsam mit bestehenden und neuen Investoren voranzutreiben, die Teil der strategischen Unabhängigkeit Europas im Weltraum sein möchten."
Aufgrund der starken Nachfrage baut OHB die Fertigungskapazitäten europaweit deutlich aus. So baut das Unternehmen in Turin einen neuen Standort, erweitert den Standort in Stockholm und investiert in Bremen, Oberpfaffenhofen und Augsburg. Gleichzeitig geht der Raumfahrtkonzern strategische Partnerschaften ein. So gründete OHB mit dem Münchener Software- und Rüstungsunternehmen Helsing das Gemeinschaftsunternehmen KIRK für weltraumgestützte Verteidigungs- und Aufklärungssysteme.
Derweil sollen die bisherigen Anteilseigner zuerst die Möglichkeit erhalten, die neuen Aktien zu kaufen. Die Hauptaktionäre - die Familie Fuchs und der Investor Orchid Lux HoldCo S.à r.l. - verzichten allerdings darauf. So können die meisten neuen Aktien direkt an ausgewählte Investoren verkauft werden.
Während die zum Vermögensverwalter KKR (Kohlberg Kravis Roberts) gehörende Orchid einen Teil ihrer Aktien verkaufen will, will die Familie Fuchs keine Anteilsscheine veräußern. Aber auch nach Abschluss der Transaktion werde die KKR-Gesellschaft weiterhin Aktionärin von OHB bleiben, hieß es weiter. Die Familie Fuchs soll weiterhin die Kontrolle über die Mehrheit der Stimmrechte behalten. Zuletzt hielt die Familie 65,4 Prozent und KKR 28,6 Prozent.
Angaben zum Ausgabepreis der neuen Anteile wurden nicht gemacht. An der Börse ging es für die OHB-Aktien in einer ersten Reaktion um etwa 10 Prozent nach unten. Zuletzt verlor das Papier rund 3,6 Prozent auf 393,50 Euro. Bei einer Kapitalerhöhung sinkt der Aktienkurs zumeist, weil das Eigenkapital des Unternehmens auf mehr ausgegebene Aktien verteilt wird (Verwässerung). Zudem werden neue Aktien oft mit einem Preisabschlag ausgegeben, um Käufer zu locken.
Aktien der Raumfahrtbranche haben in diesem Jahr allerdings einen Aufschwung erlebt, der zum Teil durch das Interesse am Börsengang von SpaceX, aber auch durch das wachsende Bewusstsein der europäischen Regierungen für die strategische Bedeutung der Branche angesichts verschärfter geopolitischer Spannungen angeheizt wurde. So hat die OHB-Aktie seit Jahresbeginn knapp 240 Prozent an Wert hinzugewonnen. Allerdings ist das Papier von seinem jüngsten Rekordhoch bei 688 Euro weit entfernt.
Mit der Ausgabe neuer Aktien erhöht sich der Streubesitz des Unternehmens, das 2001 an die Börse gegangen war. "Der genaue Freefloat steht noch nicht fest, der wird aber auf jeden Fall deutlich höher sein als die derzeit rund sechs Prozent", sagte Unternehmenschef Marco Fuchs der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX. Dies auch dadurch, dass KKR einen Teil ihrer Aktien verkaufen werde. "Der SDax ist im Grunde für uns sicher, auch der TecDax ", sagte der Manager. Natürlich sei es das Ziel, perspektivisch in den MDax zu kommen.
Das Unternehmen hat sich in 45 Jahren von einer Reparaturwerkstatt für hydraulische Schiffssysteme zu einem führenden deutschen Raumfahrt- und Technologiekonzern entwickelt, das sich auf Satellitensysteme, bemannte Raumfahrt und Weltraum-Infrastruktur spezialisiert hat. Zu den größten Kunden gehören die Bundesrepublik Deutschland, die Europäische Weltraumorganisation (ESA) sowie nationale Raumfahrtagenturen und Streitkräfte.
So ist das Unternehmen mit seinen gut 4.000 Mitarbeitern in wichtige Programme wie das europäische Navigationssystem Galileo, Radar-Aufklärungssatellitensystem der Bundeswehr "SARah"sowie Gravitationswellen-Observatorium "LISA" eingebunden./mne/miu/men




