Karlsbad (ots) -
"Back to the roots" und wie es Ergotherapeut:innen immer wieder gelingt, ihre Kerndomäne - Betätigung - anders zu beleuchten und neu zu verpacken
"Betätigung" ist häufig Ziel oder erwünschte Nebenwirkung nahezu jeder ergotherapeutischen Intervention. "Ist sie, also "die Betätigung", nicht mehr möglich, bekommt sie eine umso größere Bedeutung; wir wünschen sie uns sehnlichst (wieder) herbei und erkennen manchmal erst dann, wie viel erfüllter unser Alltag und unser Leben sind, wenn wir all das, was wir tun wollen oder tun müssen auch tun können", bestätigt Andreas Pfeiffer, der bei diesem Kongress den Vorsitz des DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.) abgibt. Unter Betätigung fassen Ergotherapeut:innen alle Aktivitäten, Handlungen, kurzum: sämtliches Tun ihrer Klient:innen - so nennen sie ihre Patient:innen - zusammen. Wie sich dieses Lebenselixier trotz oder erst recht mit unterschiedlichsten Erkrankungen, Störungen, Krisen bei Kindern, Erwachsenen und Senior:innen wiedererlangen lässt, präsentierten Refent:innen im Lauf des Ergotherapie-Kongresses in ihren Vorträgen, Workshops, moderierten Gesprächen und weiteren Formaten - alles unter dem Motto "Betätigung zählt".
Drei Tage Ergotherapie-Kongress. Das heißt: komprimiert Wissen aufsaugen, Input auf vielen Ebenen erhalten, sich inspirieren lassen, Fortbildungspunkte sammeln und vor allem die große Familie der Ergotherapeut:innen im DVE treffen, sich austauschen und sich verbinden. Dass der DVE mittlerweile fast 15.000 Mitglieder hat, tut dem Familienfeeling keinen Abbruch, im Gegenteil: Es kamen rund 2.200 Besucher:innen zum diesjährigen Ergotherapie-Kongress in Bielefeld, mehr als je zuvor. Außer dem üblichen Kongressprogramm fand in diesem Jahr, so wie alle zwei Jahre, die Verleihung des Innovationspreises Ergotherapie statt.
Beides ausgezeichnet: CurriculumKit und Keynote Speaker
Dass das Ausarbeiten eines Curriculums ebenso spielerisch und humorvoll wie zielgerichtet vonstattengehen kann, beweist das mit dem Innovationspreis ausgezeichnete CurriculumKit der vier Ergotherapeut:innen Nicole Kaldewei, Helen Strebel, Nadine Scholz-Schwärzler und Katja Rottmann. Mithilfe von (Spiel-)Karten und Begleitmaterialien bildet das CurriculumKit ein Fundament, das als Impulsgeber dient und Ausbildung als dynamischen Prozess betrachtet. Eine weitere Besonderheit des CurriculumKits: Es sind sämtliche Beteiligte in den Entstehungsprozess einbezogen - also auch die Lernenden. Alle Beteiligten einzubeziehen schlug auch Keynote Speaker Prof. Dr. Karim Fereidooni als einen praktischen Handlungstipp für eine bessere Integration und Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund vor: "Fragen und sehr genau zuhören, was der oder die andere sich wünscht", so der Referent, der darauf hinweist, dass fehlende Empathie ein Grund für die Ablehnung von Vielfalt ist. Seine Empfehlung: Intersektionalität als Analysebrille nutzen. Intersektionalität beschreibt, wie die jeweiligen persönlichen Merkmale - also Geschlecht, sexuelle Orientierung, Klasse, Herkunft und so weiter - individuelle Alltagsrealitäten bedingen, die zu unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen und ebenso zu verschiedenen Formen von Diskriminierung oder Privilegierung führen. Der Gedanke, der dem Ansatz der Intersektionalität zugrunde liegt, kommt aus dem Schwarzen Feminismus und ist mehr als ein theoretisches Konzept: Vielmehr ist es ein praktisches Tool für soziale Gerechtigkeit. Und die brauchen wir dringend für eine funktionierende Demokratie.
Von Anfang an: Betätigung als Handlungskonzept in der Ausbildung zur Ergotherapeut:in
Derart inspiriert verteilten sich die aus ganz Deutschland zum Ergotherapie-Kongress angereisten Ergotherapeut:innen in die zahlreichen Veranstaltungen. Etwa, um mehr zum Stand der Dinge bei der Ausbildung von Ergotherapeut:innen zu erfahren. Wie die Ausbildung zum Ergotherapeuten beziehungsweise zur Ergotherapeutin aussehen kann, um als zeitgemäß zu gelten, verdeutlichten Lernende und Lehrende, die partizipativ ein schulinternes Curriculum entwickelt haben. Dieses Curriculum hat unter anderem das Ziel, praxisnäher zu sein und gleichzeitig Betätigung als zentrales Handlungskonzept zu vermitteln. Andere betrachteten die Diskrepanz zwischen der Betätigungszentrierung und verschiedenen Vorgaben und Rahmenbedingungen und stellten Umsetzungsmöglichkeiten von kompetenz- und betätigungszentrierten Ausbildungsinhalten vor. Die Bedeutung der Form und Qualität der Ausbildung tauchte im Laufe des Kongresses auch in anderen Veranstaltungsformaten auf und hat auch einen Einfluss auf die Erweiterung der Blankoverordnung und mehr noch auf den Direktzugang.
Ein Evergreen: Die Diskussion mit den Kostenträgern
Es ist für alle spürbar: die Ressourcen werden immer knapper. Zum einen schränken die gesetzlichen Krankenkassen zunehmend vieles ein, zum anderen fehlt es an Ergotherapeut:innen - die Versorgungslage spitzt sich also auf allen Ebenen zu. In mehreren Veranstaltungsformaten fanden Gespräche mit Vertreter:innen verschiedener Institutionen wie Krankenkassen, Klient:innenvertretung, GKV-Spitzenverband, Bundesverhandlungskommission oder Politik im Gesundheitsbereich an zwei von drei Kongresstagen statt. Es wurden Ideen und Ansätze diskutiert, um dem in Zukunft besser zu begegnen. Es wurden Gedanken laut wie Verbessern der Therapeut:in-Ärzt:in-Beziehung, mehr gesundheitskompetentes Verhalten von Klient:innen und Patient:innen, mehr Gruppentherapien und vieles mehr. Ein Prozess ist in Gang, man ist im Gespräch und bereit, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und es bleibt abzuwarten, was und wie schnell die beteiligten Parteien nach dem Kongress Konsens finden und etwas ändern werden.
Diversität: drüber reden, reflektieren und vor allem handeln
Ergotherapeut:innen stehen für Wandel und Entwicklung. Im Kontext der Diversität ist dies ein weitreichendes Feld. Basis aller Überlegungen ist die feministische Haltung, die machtvolle Strukturen hinterfragt, sich damit vor allem für Gerechtigkeit einsetzt und ebenso für Vielfalt und ein selbstbestimmtes Leben. Wie sich eine solche Haltung auf den ergotherapeutischen Praxisalltag auswirken kann, beleuchteten an den ersten beiden Kongresstagen diverse Vorträge und Workshops, die sich mit Rollenerwartungen und der Gestaltung der eigenen Rolle ebenso wie mit der Gestaltung therapeutischer Beziehungen, normativen Zuschreibungen, Diskriminierung und sozialer Verbundenheit und weiteren Fragen wie etwa dem Umgang mit trans* und nichtbinären Personen auseinandersetzten. Ein für Ergotherapeut:innen typisches Ergebnis und gemeinsamer Erkenntnisgewinn: Neben der gemeinsamen Zielrichtung ist und bleibt es individuell, so auch die Art und Weise, wie eine reflektierte Weiterentwicklung in diesem Themenbereich für jede:n Einzelne:n aussehen kann. Hauptsache, es geht los. Und zwar jetzt.
Akutes, Aktuelles und Dauerbrenner in der Ergotherapie und beim Kongress
Dass neben allen tagesaktuell herausragenden Themen auch Neuigkeiten von bekanntem Terrain der Ergotherapie Raum fanden, versteht sich von selbst. Neues und neu Gedachtes gab es unter anderem aus der arbeitsbezogenen Ergotherapie und Jobcoaching, der Pädiatrie und der Geriatrie - also alles rund um Jung und Alt oder dem Gemeinwesen, welches idealerweise alle vereint. Dass auch orthopädische Themen in der Ergotherapie angesiedelt sind, ist nicht allen bewusst: Durch die Ausrichtung der Ergotherapie - Blick auf den Alltag mit all seinen Betätigungen - ist auch bei vielen orthopädischen Diagnosen eine ergotherapeutische Intervention sinnvoll. Wenn es um Schmerzen geht etwa. Oder um Hände. Ergotherapeut:innen wissen, dass Funktionsübungen alleine nicht ausreichen, sondern für mehr Alltagskompetenz die Betätigung im Mittelpunkt steht. Ein weiteres Thema beim Ergotherapie-Kongress: Klient:innen mit psychischen Problemen, Störungen und Erkrankungen. Verzahnt mit Psycholog:innen, Psychiater:innen, Psychotherapeut:innen unterstützen Ergotherapeut:innen Klient:innen beispielsweise in emotionalen Krisen, bei Depressionen, Bipolarität, oder Suchterkrankungen - oftmals schon im Vorfeld einer ärztlichen Therapie. Und nicht zu vergessen: Neurologische Erkrankungen - dazu gehören beispielsweise Parkinson, Schlaganfall, Epilepsie oder die verschiedenen Formen von Demenz - betreffen fast 60% der Menschen in Deutschland. Für sie ist Mobilität ein zentrales Thema und eine wichtige Betätigung, um selbstbestimmt agieren zu können. In den Vorträgen des Ergotherapie-Kongresses rund um die Neurologie präsentierten Ergotherapeut:innen unter anderem, wie sie ihre Klient:innen dabei unterstützen, Mobilität neu zu denken und Möglichkeiten zuzulassen, die diese zuvor nicht kannten oder unpassend fanden.
Walk, talk, test and connect: ein Gang über die den Ergotherapie-Kongress begleitenden Ausstellungen
Auch in diesem Jahr ist es wieder gelungen, eine große Bandbreite unterschiedlichster Aussteller zur Kongressteilnahme zu rekrutieren. Mehr als 70 Aussteller boten den Besucher:innen des Ergotherapie-Kongresses analoge und digitale Hilfsmittel und Therapiematerialien, Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten, Literatur und mehr an. Die anwesenden Ergotherapeut:innen hatten reichlich Gelegenheit, Bewährtes ebenso wie Neues, Innovatives zu testen, zu lesen, sich zu informieren und nach wichtigen Details zu fragen und - dank Messepreisen - ein Schnäppchen zu tätigen. Ein weiteres Highlight außerhalb der üblichen Kongressveranstaltungen ist und bleibt die Posterausstellung, die die große Vielfalt der ergotherapeutischen Tätigkeitsbereiche widerspiegelt und Möglichkeiten bietet, sich zu verbinden, um mehr zu einem Thema zu erfahren oder sich einer (Arbeits-)Gruppe oder einem Netzwerk anzuschließen.
Mitgliederversammlung beim Kongress: neuer Vorstand, bestätigtes Vorstandsmitglied
Nach acht Jahren hat sich Andreas Pfeiffer als Vorsitzender des DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.) von seinem Amt verabschiedet, um Esther Scholz-Minkwitz als neue Vorsitzende zu begrüßen. Im Amt bestätigt: Birthe Hucke wurde zum dritten Mal zum Vorstandsmitglied für Standards und Qualität gewählt.
Informationsmaterial zu den vielfältigen Themen der Ergotherapie gibt es bei den Ergotherapeut:innen vor Ort; Ergotherapeut:innen in Wohnortnähe auf der Homepage des Verbandes unter https://dve.info/service/therapeutensuche. Zum Podcast gerne hier entlang: https://ots.de/tSlKtA. Außerdem: https://www.instagram.com/dve_ergotherapie/ und Deutscher Verband Ergotherapie e.V. - DVE | Facebook (https://www.facebook.com/der.dve/)
Pressekontakt:
Angelika Reinecke, Deutscher Verband Ergotherapie e.V. (DVE),
a.reinecke@dve.info
Original-Content von: Deutscher Verband Ergotherapie e.V. (DVE), übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/106910/6295000
"Back to the roots" und wie es Ergotherapeut:innen immer wieder gelingt, ihre Kerndomäne - Betätigung - anders zu beleuchten und neu zu verpacken
"Betätigung" ist häufig Ziel oder erwünschte Nebenwirkung nahezu jeder ergotherapeutischen Intervention. "Ist sie, also "die Betätigung", nicht mehr möglich, bekommt sie eine umso größere Bedeutung; wir wünschen sie uns sehnlichst (wieder) herbei und erkennen manchmal erst dann, wie viel erfüllter unser Alltag und unser Leben sind, wenn wir all das, was wir tun wollen oder tun müssen auch tun können", bestätigt Andreas Pfeiffer, der bei diesem Kongress den Vorsitz des DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.) abgibt. Unter Betätigung fassen Ergotherapeut:innen alle Aktivitäten, Handlungen, kurzum: sämtliches Tun ihrer Klient:innen - so nennen sie ihre Patient:innen - zusammen. Wie sich dieses Lebenselixier trotz oder erst recht mit unterschiedlichsten Erkrankungen, Störungen, Krisen bei Kindern, Erwachsenen und Senior:innen wiedererlangen lässt, präsentierten Refent:innen im Lauf des Ergotherapie-Kongresses in ihren Vorträgen, Workshops, moderierten Gesprächen und weiteren Formaten - alles unter dem Motto "Betätigung zählt".
Drei Tage Ergotherapie-Kongress. Das heißt: komprimiert Wissen aufsaugen, Input auf vielen Ebenen erhalten, sich inspirieren lassen, Fortbildungspunkte sammeln und vor allem die große Familie der Ergotherapeut:innen im DVE treffen, sich austauschen und sich verbinden. Dass der DVE mittlerweile fast 15.000 Mitglieder hat, tut dem Familienfeeling keinen Abbruch, im Gegenteil: Es kamen rund 2.200 Besucher:innen zum diesjährigen Ergotherapie-Kongress in Bielefeld, mehr als je zuvor. Außer dem üblichen Kongressprogramm fand in diesem Jahr, so wie alle zwei Jahre, die Verleihung des Innovationspreises Ergotherapie statt.
Beides ausgezeichnet: CurriculumKit und Keynote Speaker
Dass das Ausarbeiten eines Curriculums ebenso spielerisch und humorvoll wie zielgerichtet vonstattengehen kann, beweist das mit dem Innovationspreis ausgezeichnete CurriculumKit der vier Ergotherapeut:innen Nicole Kaldewei, Helen Strebel, Nadine Scholz-Schwärzler und Katja Rottmann. Mithilfe von (Spiel-)Karten und Begleitmaterialien bildet das CurriculumKit ein Fundament, das als Impulsgeber dient und Ausbildung als dynamischen Prozess betrachtet. Eine weitere Besonderheit des CurriculumKits: Es sind sämtliche Beteiligte in den Entstehungsprozess einbezogen - also auch die Lernenden. Alle Beteiligten einzubeziehen schlug auch Keynote Speaker Prof. Dr. Karim Fereidooni als einen praktischen Handlungstipp für eine bessere Integration und Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund vor: "Fragen und sehr genau zuhören, was der oder die andere sich wünscht", so der Referent, der darauf hinweist, dass fehlende Empathie ein Grund für die Ablehnung von Vielfalt ist. Seine Empfehlung: Intersektionalität als Analysebrille nutzen. Intersektionalität beschreibt, wie die jeweiligen persönlichen Merkmale - also Geschlecht, sexuelle Orientierung, Klasse, Herkunft und so weiter - individuelle Alltagsrealitäten bedingen, die zu unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen und ebenso zu verschiedenen Formen von Diskriminierung oder Privilegierung führen. Der Gedanke, der dem Ansatz der Intersektionalität zugrunde liegt, kommt aus dem Schwarzen Feminismus und ist mehr als ein theoretisches Konzept: Vielmehr ist es ein praktisches Tool für soziale Gerechtigkeit. Und die brauchen wir dringend für eine funktionierende Demokratie.
Von Anfang an: Betätigung als Handlungskonzept in der Ausbildung zur Ergotherapeut:in
Derart inspiriert verteilten sich die aus ganz Deutschland zum Ergotherapie-Kongress angereisten Ergotherapeut:innen in die zahlreichen Veranstaltungen. Etwa, um mehr zum Stand der Dinge bei der Ausbildung von Ergotherapeut:innen zu erfahren. Wie die Ausbildung zum Ergotherapeuten beziehungsweise zur Ergotherapeutin aussehen kann, um als zeitgemäß zu gelten, verdeutlichten Lernende und Lehrende, die partizipativ ein schulinternes Curriculum entwickelt haben. Dieses Curriculum hat unter anderem das Ziel, praxisnäher zu sein und gleichzeitig Betätigung als zentrales Handlungskonzept zu vermitteln. Andere betrachteten die Diskrepanz zwischen der Betätigungszentrierung und verschiedenen Vorgaben und Rahmenbedingungen und stellten Umsetzungsmöglichkeiten von kompetenz- und betätigungszentrierten Ausbildungsinhalten vor. Die Bedeutung der Form und Qualität der Ausbildung tauchte im Laufe des Kongresses auch in anderen Veranstaltungsformaten auf und hat auch einen Einfluss auf die Erweiterung der Blankoverordnung und mehr noch auf den Direktzugang.
Ein Evergreen: Die Diskussion mit den Kostenträgern
Es ist für alle spürbar: die Ressourcen werden immer knapper. Zum einen schränken die gesetzlichen Krankenkassen zunehmend vieles ein, zum anderen fehlt es an Ergotherapeut:innen - die Versorgungslage spitzt sich also auf allen Ebenen zu. In mehreren Veranstaltungsformaten fanden Gespräche mit Vertreter:innen verschiedener Institutionen wie Krankenkassen, Klient:innenvertretung, GKV-Spitzenverband, Bundesverhandlungskommission oder Politik im Gesundheitsbereich an zwei von drei Kongresstagen statt. Es wurden Ideen und Ansätze diskutiert, um dem in Zukunft besser zu begegnen. Es wurden Gedanken laut wie Verbessern der Therapeut:in-Ärzt:in-Beziehung, mehr gesundheitskompetentes Verhalten von Klient:innen und Patient:innen, mehr Gruppentherapien und vieles mehr. Ein Prozess ist in Gang, man ist im Gespräch und bereit, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und es bleibt abzuwarten, was und wie schnell die beteiligten Parteien nach dem Kongress Konsens finden und etwas ändern werden.
Diversität: drüber reden, reflektieren und vor allem handeln
Ergotherapeut:innen stehen für Wandel und Entwicklung. Im Kontext der Diversität ist dies ein weitreichendes Feld. Basis aller Überlegungen ist die feministische Haltung, die machtvolle Strukturen hinterfragt, sich damit vor allem für Gerechtigkeit einsetzt und ebenso für Vielfalt und ein selbstbestimmtes Leben. Wie sich eine solche Haltung auf den ergotherapeutischen Praxisalltag auswirken kann, beleuchteten an den ersten beiden Kongresstagen diverse Vorträge und Workshops, die sich mit Rollenerwartungen und der Gestaltung der eigenen Rolle ebenso wie mit der Gestaltung therapeutischer Beziehungen, normativen Zuschreibungen, Diskriminierung und sozialer Verbundenheit und weiteren Fragen wie etwa dem Umgang mit trans* und nichtbinären Personen auseinandersetzten. Ein für Ergotherapeut:innen typisches Ergebnis und gemeinsamer Erkenntnisgewinn: Neben der gemeinsamen Zielrichtung ist und bleibt es individuell, so auch die Art und Weise, wie eine reflektierte Weiterentwicklung in diesem Themenbereich für jede:n Einzelne:n aussehen kann. Hauptsache, es geht los. Und zwar jetzt.
Akutes, Aktuelles und Dauerbrenner in der Ergotherapie und beim Kongress
Dass neben allen tagesaktuell herausragenden Themen auch Neuigkeiten von bekanntem Terrain der Ergotherapie Raum fanden, versteht sich von selbst. Neues und neu Gedachtes gab es unter anderem aus der arbeitsbezogenen Ergotherapie und Jobcoaching, der Pädiatrie und der Geriatrie - also alles rund um Jung und Alt oder dem Gemeinwesen, welches idealerweise alle vereint. Dass auch orthopädische Themen in der Ergotherapie angesiedelt sind, ist nicht allen bewusst: Durch die Ausrichtung der Ergotherapie - Blick auf den Alltag mit all seinen Betätigungen - ist auch bei vielen orthopädischen Diagnosen eine ergotherapeutische Intervention sinnvoll. Wenn es um Schmerzen geht etwa. Oder um Hände. Ergotherapeut:innen wissen, dass Funktionsübungen alleine nicht ausreichen, sondern für mehr Alltagskompetenz die Betätigung im Mittelpunkt steht. Ein weiteres Thema beim Ergotherapie-Kongress: Klient:innen mit psychischen Problemen, Störungen und Erkrankungen. Verzahnt mit Psycholog:innen, Psychiater:innen, Psychotherapeut:innen unterstützen Ergotherapeut:innen Klient:innen beispielsweise in emotionalen Krisen, bei Depressionen, Bipolarität, oder Suchterkrankungen - oftmals schon im Vorfeld einer ärztlichen Therapie. Und nicht zu vergessen: Neurologische Erkrankungen - dazu gehören beispielsweise Parkinson, Schlaganfall, Epilepsie oder die verschiedenen Formen von Demenz - betreffen fast 60% der Menschen in Deutschland. Für sie ist Mobilität ein zentrales Thema und eine wichtige Betätigung, um selbstbestimmt agieren zu können. In den Vorträgen des Ergotherapie-Kongresses rund um die Neurologie präsentierten Ergotherapeut:innen unter anderem, wie sie ihre Klient:innen dabei unterstützen, Mobilität neu zu denken und Möglichkeiten zuzulassen, die diese zuvor nicht kannten oder unpassend fanden.
Walk, talk, test and connect: ein Gang über die den Ergotherapie-Kongress begleitenden Ausstellungen
Auch in diesem Jahr ist es wieder gelungen, eine große Bandbreite unterschiedlichster Aussteller zur Kongressteilnahme zu rekrutieren. Mehr als 70 Aussteller boten den Besucher:innen des Ergotherapie-Kongresses analoge und digitale Hilfsmittel und Therapiematerialien, Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten, Literatur und mehr an. Die anwesenden Ergotherapeut:innen hatten reichlich Gelegenheit, Bewährtes ebenso wie Neues, Innovatives zu testen, zu lesen, sich zu informieren und nach wichtigen Details zu fragen und - dank Messepreisen - ein Schnäppchen zu tätigen. Ein weiteres Highlight außerhalb der üblichen Kongressveranstaltungen ist und bleibt die Posterausstellung, die die große Vielfalt der ergotherapeutischen Tätigkeitsbereiche widerspiegelt und Möglichkeiten bietet, sich zu verbinden, um mehr zu einem Thema zu erfahren oder sich einer (Arbeits-)Gruppe oder einem Netzwerk anzuschließen.
Mitgliederversammlung beim Kongress: neuer Vorstand, bestätigtes Vorstandsmitglied
Nach acht Jahren hat sich Andreas Pfeiffer als Vorsitzender des DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.) von seinem Amt verabschiedet, um Esther Scholz-Minkwitz als neue Vorsitzende zu begrüßen. Im Amt bestätigt: Birthe Hucke wurde zum dritten Mal zum Vorstandsmitglied für Standards und Qualität gewählt.
Informationsmaterial zu den vielfältigen Themen der Ergotherapie gibt es bei den Ergotherapeut:innen vor Ort; Ergotherapeut:innen in Wohnortnähe auf der Homepage des Verbandes unter https://dve.info/service/therapeutensuche. Zum Podcast gerne hier entlang: https://ots.de/tSlKtA. Außerdem: https://www.instagram.com/dve_ergotherapie/ und Deutscher Verband Ergotherapie e.V. - DVE | Facebook (https://www.facebook.com/der.dve/)
Pressekontakt:
Angelika Reinecke, Deutscher Verband Ergotherapie e.V. (DVE),
a.reinecke@dve.info
Original-Content von: Deutscher Verband Ergotherapie e.V. (DVE), übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/106910/6295000
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