DJ RWI senkt deutsche Wachstumsprognosen für 2026 und 2027
Von Andreas Plecko
DOW JONES--Das RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung hat seine Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft nach unten korrigiert und erwartet für die Jahre 2026 und 2027 nun nur noch ein BIP-Wachstum von jeweils 0,8 Prozent, nachdem zuvor Zuwächse von 0,9 beziehungsweise 1,2 Prozent veranschlagt worden waren. Damit setzt sich die wirtschaftliche Erholung zwar fort, allerdings deutlich langsamer als zu Jahresbeginn gedacht, da die Folgen des Iran-Krieges den Konsum und die Investitionen spürbar belasten.
Während sich die unmittelbaren Auswirkungen des Konflikts zunächst bei Rohöl, Kraftstoffen und Transportkosten zeigten, breitet sich der Inflationsimpuls nun in der gesamten Wirtschaft aus, so das RWI. Da Unternehmen die höheren Energie-, Logistik- und Vorleistungskosten schrittweise weitergeben, rechnet das RWI für 2026 mit einer Inflationsrate von 3,1 Prozent und für 2027 mit 2,9 Prozent.
RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt betont in diesem Zusammenhang, dass sich der Preisdruck zunehmend von den Energiemärkten auf die Breite der Wirtschaft verlagert und weitere Preissteigerungen bevorstehen, was die Kaufkraft der privaten Haushalte schmälert und den privaten Konsum schwächt.
Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen entwickelt sich das verarbeitende Gewerbe laut RWI überraschend widerstandsfähig und trägt wesentlich dazu bei, die deutsche Wirtschaft auf einem leichten Wachstumskurs zu halten. So wurde die Industrieproduktion im ersten Quartal ausgeweitet, die Auftragseingänge legten zu, und die Exporte stiegen gegenüber dem Vorquartal um 3,3 Prozent.
Deutsche Unternehmen profitieren derzeit teilweise sogar davon, dass asiatische Wettbewerber stärker unter den Folgen der Blockade der Straße von Hormus leiden, da dort Lieferengpässe und höhere Energiekosten die Produktion beeinträchtigen. Schmidt gibt jedoch zu bedenken, dass dieser Effekt nur vorübergehend wirke. Die deutsche Industrie werde langfristig ebenfalls unter den hohen Energiekosten leiden. Deshalb könne sie die allgemeinen Belastungen durch die steigenden Preise zwar stabilisieren, aber nicht vollständig kompensieren.
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June 16, 2026 04:53 ET (08:53 GMT)
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