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Wer Nel ASA kennt, kennt das Muster: Erst steigt die Aktie kräftig, dann kommt die Ernüchterung, und plötzlich ist die Hälfte des Gewinns wieder weg. Genau so oder so ähnlich dürfte es einigen Anlegern gerade vor kurzem gegangen sein. Nach einem starken Lauf bis auf rund 0,35 Euro ist das Papier des norwegischen Elektrolyseur-Herstellers wieder deutlich zurückgefallen. Der Kurs notiert aktuell bei knapp 0,24 Euro, ein Minus von über 20 Prozent in nur vier Wochen. Ist das jetzt eine normale Konsolidierung nach dem letzten Anstieg? Oder kündigt sich wieder etwas Schlimmeres an? Denn gleichzeitig hat Nel einen Rechtsstreit teuer beigelegt, die Auftragslage enttäuscht massiv, und Analysten sind pessimistisch, aber die Wasserstoffbranche selbst bekommt Milliarden, von Brüssel, von Berlin, von der Industrie. Kann Nel davon noch profitieren? Oder hat der Markt die Nase voll von Nel?
Branche unter Druck
Nel ASA steht nicht allein. Auch der britische Konkurrent ITM Power hat nach einer starken Rally von ca. 0,70 auf knapp 2,50 Euro inzwischen deutlich korrigiert und notiert nur noch bei rund 1,55 Euro. Plug Power verlor in den vergangenen vier Wochen sogar über 20 Prozent. Der gesamte Wasserstoffsektor kämpft gerade mit dem gleichen Problem: Die langfristige Fantasie ist riesig, die kurzfristigen Zahlen ernüchternd. Dabei zeigt die Industrie, dass sie es ernst meint. In Deutschland haben EWE und Salzgitter einen Liefervertrag über jährlich 10.000 Tonnen grünen Wasserstoff ab 2030 geschlossen. Geplant ist ein 320-Megawatt-Elektrolyseur in Emden, gefördert mit insgesamt fast 1,2 Milliarden Euro vom Bund. Die Europäische Kommission stellt weitere 1,3 Milliarden Euro für erneuerbare Wasserstoffproduktion bereit. Das große Geld fließt, nur eben noch nicht in die Kurse.

Charttechnik
Charttechnisch steckt Nel ASA gerade in einer Phase, wo alles möglich ist. Der Kurs liegt unterhalb des 50er SMA, was schon mal kein gutes Zeichen ist. Der RSI notiert bei knapp 45, also eher im neutralen Bereich. Die entscheidende Unterstützung liegt bei 0,23 Euro. Hält diese Marke nicht, dürfte es schnell Richtung 0,20 Euro gehen. Bei etwa 0,21 liegt der 200-Tage-Durchschnitt, die letzte wirkliche Auffangzone vor dem Jahrestief bei 0,17 Euro. Auf der anderen Seite müsste Nel erst wieder klar über 0,26 Euro klettern, damit überhaupt ein Angriff auf die 0,30er-Marke realistisch wird. Ein Sprung Richtung 0,40 oder gar 0,50 Euro? Das wäre charttechnisch erst denkbar, wenn ein echter Auftragsschub oder ein Stimmungsumschwung im Sektor die Richtung dreht. Bis dahin haben die Bären klar das Ruder in der Hand. Der Wochenverlust von über 20 Prozent zeigt auch, wie stark der Verkaufsdruck ist, auch ausgelöst durch die Sippenhaft des Sektors. Und die Marktkapitalisierung von unter 400 Millionen Euro macht die Aktie für große institutionelle Anleger eher uninteressant.
Was tun?
Die Fundamentaldaten sind schwach: Analysten erwarten für 2026 einen Umsatz von rund 73 Millionen Euro, bei einem Verlust von etwa 39 Millionen Euro. Die Auftragseingänge brachen zuletzt um 73 Prozent ein. Ein Vergleich mit Iwatani kostete zusätzlich 7,5 Millionen US-Dollar. Die meisten Analysten empfehlen den Verkauf. Gleichzeitig gibt es strukturell positive Signale. So ist eine EU-Förderung in dreistelliger Millionenhöhe bestätigt, langfristige Lieferverträge werden in der Industrie geschlossen, und die Nachfrage nach grünem Wasserstoff wächst real. Das Problem ist, dass der Aktienmarkt das mit Desinteresse bekundet. Wer bereits investiert ist, sollte die Marke von 0,23 Euro genau beobachten, fällt sie, wird es wieder eng. Für Neueinsteiger gilt: Das Chance-Risiko-Verhältnis ist derzeit ungünstig. Ohne konkreten Auftrag oder operativen Fortschritt fehlt der Katalysator für eine Trendwende. Nel bleibt eine spekulative Wette, mit echtem Aufwärtspotenzial, aber auch erheblichem Risiko nach unten.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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