
© Foto: NASA-Imagery auf Pixabay (Symbolbild)
Der Kurs der ITM Power ist in den letzten Wochen Achterbahn gefahren. Erst ein Kursanstieg von über 100 Prozent seit Jahresbeginn, dann ein brutaler Abverkauf von fast 40 Prozent vom Jahreshoch. Auch schon Mitte 2025 gab es solch ähnliche Bewegungen in der Aktie, nur auf niedrigerem Niveau. Wer jetzt aber nur auf den Kurs schaut, könnte denken: da ist was schiefgelaufen. Aber wer genauer hinschaut, sieht für ITM staatliche Förderung in Millionenhöhe, eine neue Partnerschaft in Schottland, eine revolutionäre Produktionslinie in Sheffield und eine angehobene Umsatzprognose. Die Nachrichten könnten eigentlich kaum besser sein. Und genau das macht die aktuelle Situation so interessant. Denn manchmal sind die besten Einstiegschancen genau dann, wenn alle anderen den Kopf schütteln oder die Nase rümpfen.
ITM Power und Protium, ein Bündnis mit Zukunft
ITM Power hat gerade eine strategische Partnerschaft mit Protium Green Solutions unter Dach und Fach gebracht. Gemeinsam sollen industrielle Anlagen für grünen Wasserstoff in ganz Großbritannien entwickelt und betrieben werden. Den Anfang macht das Cromarty-Projekt in den schottischen Highlands. Das ist eine 15-Megawatt-Anlage zur Dekarbonisierung der Schwerindustrie. Parallel dazu hat die britische Regierung 86,5 Millionen Pfund bereit gestellt. Great British Energy steigt mit 40 Millionen Pfund direkt als Anteilseigner ein und rund zehn Prozent der Firmenanteile wechseln den Besitzer. Weitere 46,5 Millionen Pfund sind als Zuschuss für das Chronos-Projekt vorgesehen. Das soll eine vollautomatisierte Gigawatt-Produktionslinie in Sheffield werden, die ab 2028 laufen soll. Das neue Chronos-System arbeitet zehn Prozent effizienter als sein Vorgänger und soll die Herstellungskosten um 40 Prozent günstiger machen und auch in Deutschland ist ITM Power mit der Planung und Inbetriebnahme einer Pipeline von 710 Megawatt für unterirdische Wasserstoffspeicher aktiv. Die Umsatzprognose für 2026 wurde auf 40 bis 43 Millionen Pfund angehoben, der Auftragsbestand liegt bei 152 Millionen Pfund.

Charttechnik
Der Auslöser für den jüngsten Kursrückgang war eigentlich eine gute Nachricht, nämlich die Aufnahme in den MSCI UK Small Cap Index. Passive Fonds mussten daraufhin Aktien kaufen. Clevere Spekulanten, die sich vorher wahrscheinlich schon günstig eingedeckt hatten, nutzten genau diese Nachfrage zum Ausstieg. Das Resultat war das jetzige Minus, zumindest kann man das damit zum Teil erklären. Hinzu kam der SpaceX-Börsengang, der riesige Kapitalmengen aus Wachstumssektoren wie dem Wasserstoffbereich abzog. Charttechnisch liegt die Aktie zumindest noch über dem 200er SMA. Der 50er SMA wurde allerdings im Zuge des Absturzes schon nach unten durchbrochen. Aber der langfristige Aufwärtstrend ist noch immer intakt. Sollte der Kurs noch etwas nachgeben, liegt im Bereich zwischen 1,10 und 1,25 Euro eine solide Unterstützungszone, dort könnte der Boden gefunden und der Rebound eingeleitet werden. Gelingt das, wäre in einer nächsten Aufwärtswelle das Niveau von 2,50 Euro wieder im Visier, und bei weiter starken Unternehmensmeldungen sogar die Marke von 3,00 Euro. Goldman Sachs allerdings bleibt mit einem Kursziel von 63 Pence (0,73 Euro) skeptisch, Morgan Stanley sieht dagegen 170 Pence (1,97 Euro) als faire Bewertung. Zwischen diesen beiden Einschätzungen liegt eine Menge Spielraum, und damit auch jede Menge Potenzial - in beide Richtungen.
Was tun?
Mutige Anleger könnten eine spekulative Position im Bereich um 1,10 bis 1,25 Euro eingehen. Das ist eine interessante Einstiegszone und wer dort einsteigt, hat einen klar definierten Bereich, in dem der Kurs seinen Boden finden könnte. Ein enger Stopp unterhalb dieser Zone ist aber nötig. Die Positionsgröße sollte angesichts der hohen Volatilität bewusst klein gewählt werden. Wer das beherzigt, hat ein interessantes Chancen-Risiko-Profil vor sich: potenziell Richtung 2,50 bis 3,00 Euro, mit begrenztem Verlustrisiko nach unten. Hochspekulativ, aber interessant!
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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