DJ MARKT-AUSBLICK/Nach US-Iran-Deal - Neue Allzeithochs im DAX voraus
Von Manuel Priego Thimmel
DOW JONES--Neue Rekordhochs im DAX dürften nur noch eine Frage der Zeit sein. Das in der Zwischenzeit unterzeichnete Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran zur Beendigung des Kriegs bedeutet zwar nicht das Ende aller Probleme im Nahen Osten, es ist aber ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Der Ölpreis nähert sich in der Zwischenzeit Niveaus, wie zuletzt zum Zeitpunkt des Kriegsausbruchs gesehen. Hiervon sollte gerade die energieintensive deutsche Exportwirtschaft profitieren. Die niedrigeren Energiepreise reduzieren auch die globalen Stagflationsrisiken und machen das Leben für die Zentralbanken leichter. Wichtig für das Markt-Vertrauen ist zudem der gelungene Auftakt von Kevin Warsh in seiner Rolle als neuer Chairman der US-Notenbank.
Mit dem USA-Iran-Deal sinkt das politische Risiko für die Aktienmärkte: "Die US-Administration brauchte den Deal dringend, damit die Energiepreise nachhaltig sinken und die Inflation baldmöglichst wieder fällt", sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck. "Damit die Republikaner ihre Mehrheit in beiden Kongresskammern bei den Midterms verteidigen können, dürfte Trump in den nächsten gut vier Monaten kein Risiko mehr eingehen, was die Inflation wieder anfachen könnte - schließlich sind Preise für die Amerikaner das entscheidendste Thema, wen sie wählen. Die Zwischenwahlen sind für die Wall Street eine Art Absicherung gegen das Trump-Risiko."
Der Preis der Ölsorte Brent liegt inzwischen mit nun knapp 80 Dollar das Fass weit unter den während des Konflikts gesehenen Hochs von über 120 Dollar. Im Handel schließt man nicht aus, dass der Preis für das schwarze Gold auf 70 Dollar oder darunter fallen könnte. Angesichts des Angebotsüberhangs werden nach einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus volle Öllager an den Markt kommen, und das bei einer geringeren Nachfrage. Hinzu kommt, dass der Iran als Teil des Rahmenabkommens zumindest vorübergehend sein eigenes Öl am Weltmarkt verkaufen darf. Mit einer vollständigen Normalisierung des Ölmarktes ist zwar erst Mitte nächsten Jahres zu rechnen, damit werden die Börsen aber gut leben können.
Das zwischen den USA und dem Iran ausgehandelte Rahmenabkommen dürfte bei vielen Unternehmen im Euroraum für Erleichterung sorgen. Bei den in der kommenden Woche anstehenden Stimmungsindikatoren wird sich dies nach Einschätzung der Commerzbank wohl insbesondere bei den Einkaufsmanagerindizes zeigen. Die Analysten gehen davon aus, dass der kombinierte Einkaufsmanagerindex für den Euroraum um einen Punkt von 48,5 auf 49,5 gestiegen ist. Dabei dürfte sich insbesondere der Index für den Dienstleistungssektor verbessert haben. Beim Index für die Industrie dürfte das Plus kleiner ausfallen. Denn die Unternehmen dürften wieder etwas kürzere Lieferzeiten ihrer Lieferanten melden, was den Index für sich genommen drückt.
Die Deutsche Bank hat derweil ihre "Overweight"-Position von US- gegenüber europäischen Aktien geschlossen. Die Strategen hatten in ihrem Ausblick auf das zweite Quartal eine deutliche Markterholung und eine noch stärkere Dynamik bei US-Aktien erwartet und dafür drei Gründe genannt: Eine sich vergrößernde Wachstumslücke, das höhere Gewicht des Technologiesektors im S&P-500 sowie eine geringere Anfälligkeit für die Auswirkungen des Iran-Kriegs. "Wir glauben, dass all diese Treiber nun an Relevanz verlieren", heißt es. In Europa könnten ein geringerer Gegenwind durch den US-Dollar sowie ein starkes Gewinnwachstum im Energiesektor das Gewinnwachstum im zweiten Quartal in den zweistelligen Bereich katapultieren.
Wichtig für das positive Börsensentiment war auch der erste Auftritt des neuen Fed-Chairman Kevin Warsh. Dieser schlug einen eher falkenhaften Ton an, was zur Folge hatte, dass die Märkte eine Zinserhöhung im Dollarraum nun bis Oktober einpreisen anstatt wie zuvor bis März. Die Finanzmärkte sind keine Freunde höherer Zinsen, aber noch wichtiger ist die Glaubwürdigkeit der US-Notenbank. Und hier hat der von US-Präsident Donald Trump nominierte Warsh Preisstabilität an erste Stelle gesetzt. Chef-Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank nennt Warshs Debüt "gar nicht im Sinne von Donald Trump", denn der Fed-Chef habe nicht die Worte benutzt, die den Trump-Wunsch nach niedrigen Zinsen unterstützen.
Es sei eine besondere Fed-Sitzung gewesen, das sei jedenfalls keine Vorbereitung auf eine Zinssenkung gewesen, sondern vielmehr die Vorbereitung auf eine mögliche Zinsanhebung, betont Gitzel. Auch bei den Zins-Projektionen könne von Senkungen keine Rede mehr sein: Mehrheitlich sehen die Fed-Offiziellen entweder eine oder zwei Zinserhöhungen. Bei allen Spekulationen über den zukünftigen geldpolitischen Kurs der US-Notenbank sei vor allem eines hängen geblieben: "Kevin Warsh steht zum Ziel der Preisstabilität." Die Glaubwürdigkeit der Fed dürfte unter dem neuen Fed-Chef nicht leiden und gerade dies sei die "zentrale Botschaft", so der Volkswirt.
Was könnte neue Allzeithochs im DAX noch verhindern? Das Hauptrisiko bleibt der Nahe Osten. In dem knapp einseitigen Rahmenabkommen bleiben viele Detailfragen offen, insbesondere die Zukunft des iranischen Atomprogramms betreffend. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass der Iran einer Übergabe seines Atommaterials zustimmen wird, denkbar ist aber eine Absenkung des Anreicherungsgrades etwa unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde. Als größeres Risiko muss Israel gelten. Das Rahmenabkommen wird weithin als politischer Sieg des Irans eingestuft, was bei der israelischen Regierung auf offenen Widerstand stößt. Bleibt zu hoffen, dass die USA in der Lage sind, Premier Benjamin Netanjahu, für den auch politisch viel auf dem Spiel steht, im Zaum zu halten.
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