FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach dem tatsächlich unterzeichneten Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran dürften Anleger in der neuen Woche Ausschau nach dem nächsten Kurstreiber halten. Gesucht wird nach der Idee, die den Dax von der 25.000-Punkte-Marke in Richtung seines bisherigen Rekordhochs von 25.507 Punkten befördern könnte, das mittlerweile schon fünf Monate alt ist. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 und die US-Börsen sind ihm da mit ihrer Rekordrally schon weit voraus.
Robert Greil von der Privatbank Merck Finck betonte, mit dem USA-Iran-Deal sei das politische Risiko für die Aktienmärkte gesunken. Experten bleiben aber skeptisch, zumal weitere Gespräche beider Seiten vor dem Wochenende in der Schweiz gleich wieder abgesagt wurden. Auf die Probe gestellt wurde das Rahmenabkommen zudem von neuen Kämpfen zwischen der israelischen Armee und der libanesischen Hisbollah-Miliz.
Bisher läuft der so wichtige Schiffsverkehr in der Straße von Hormus wohl auch nur verhalten an. Chefvolkswirt Jörg Krämer von der Commerzbank befürchtet, dass sich die Lage erst mittelfristig entspannen wird. "Man darf nicht übermütig werden, es dürfte bis Mitte nächsten Jahres dauern, bis der Ölpreis wieder sein Vorkriegs-Niveau von knapp 70 Dollar erreicht", glaubt der Experte. Seeminen müssten erst geräumt, die Produktion wieder hochgefahren und Lager wieder aufgefüllt werden.
Der erste Zinsentscheid des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh hatte zuletzt auch nicht den notwendigen Treiber für einen weiteren Dax-Anstieg gebracht. In ersten Reaktionen ließen seine Begleitaussagen die Zinserwartungen eher noch nach oben schnellen, auch wenn sich seither unter Experten andere Meinungen mehren. Unter anderem rechnet der Ökonom James Knightley von der ING Bank in Zeiten der nachlassenden Inflation und gedämpfter Stimmung am Jobmarkt mit einer längeren Zinspause.
Am ehesten dürfte also KI-Fantasie das prägende Börsenthema bleiben. Der Investmentchef Peter Reichel von der Finanzgruppe Oddo BHF gibt sich davon überzeugt, dass Technologie im weiteren und Künstliche Intelligenz im engeren Sinne zentrale Zukunftsthemen bleiben. Am Mittwoch dürfte der Chipkonzern Micron nach US-Handelsschluss die KI-Rally mit seinen Zahlen auf den Prüfstand stellen. Nach dem Rekordlauf der Aktien bis über die 1.100-Dollar-Marke trauen Experten der Banken Citigroup und RBC den Papieren mit zuletzt auf 1.200 Dollar erhöhten Kurszielen noch etwas mehr zu.
Der erfolgreiche SpaceX-Börsengang hat laut Reichel auch noch einmal vor Augen geführt, dass das Umfeld im Tech-Sektor weiterhin unterstützend und der Sektor gerade bei Privatanlegern beliebt ist, die eine immer wichtigere Rolle spielten. Er sieht in dem Weltraum- und KI-Konzern von Elon Musk, der sich vom Start weg unter die größten Tech-Konzerne der USA gemischt hat, ein "Paradebeispiel für deutliche Veränderungen in der Anlegerstruktur" hin zu Privatanlegern.
Konjunkturell liegt der Fokus in der neuen Woche wohl auf Einkaufsmanagerindizes am Dienstag, dem Ifo-Geschäftsklimaindex am Mittwoch und dem PCE-Preisindex, der am Donnerstag in den USA veröffentlicht wird. Er gilt als besonders maßgeblich für die Geldpolitik in den Vereinigten Staaten. Reichert rechnet beim Ifo aber noch nicht mit viel Einfluss des Rahmenabkommens, da die Befragung vorher schon gewesen sei.
Auf Unternehmensseite werden am Montag zunächst die bereits beschlossenen Indexänderungen in der Dax-Familie wirksam. Die Aktien des Baukonzerns Hochtief ersetzen dann im Dax die VW-Beteiligungsgesellschaft Porsche SE, die in den Index der mittelgroße Werte MDax absteigt. Dort und im Nebenwerte-Index SDax gibt es dann außerdem noch zahlreiche Umbesetzungen.
Beim Agrarchemiekonzern Bayer warten die Anleger im Rahmen der Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten gespannt auf einen Beschluss des obersten US-Gerichts, der von Experten noch im Juni erwartet wird. Die am Dienstag nach US-Börsenschluss erwarteten Quartalszahlen des Logistikkonzerns Fedex könnten tags darauf die DHL-Titel mitbewegen./tih/la
--- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---
