
© Foto: Bank Phrom auf Unsplash (Symbolbild)
Wer hätte das denn gedacht, dass ein traditionsreicher Druckmaschinenhersteller plötzlich bei der Drohnenabwehr mitmischt. Heidelberger Druckmaschinen bündelt seine Zukunftsfelder Verteidigung, Energie und Ladeinfrastruktur jetzt in einer eigenen Gesellschaft, und in Brandenburg an der Havel läuft die Produktion bereits an. Der Gewinn hat sich verdreifacht, Analysten sehen Aufwärtspotenzial. Klar, der Umbau kostet erstmal Geld. Doch genau das macht die Sache spannend. Wir schauen uns an, was hinter dem Strategiewechsel steckt und wohin die Reise gehen könnte.
Mutiger Umbau zeigt erste Konturen
Bei Heidelberger Druck tut sich etwas Grundlegendes. Mit der neu gegründeten HD Advanced Technologies GmbH bündelt der Konzern alle Aktivitäten rund um Verteidigung, Energie, Ladeinfrastruktur und industrielle Systemlösungen unter einem Dach. In der 30.000 Quadratmeter großen Anlage in Brandenburg, wo früher Präzisionsteile für Druckmaschinen gefertigt wurden, läuft schon die Produktion. Besonders spannend ist das Joint Venture ONBERG. Dies wurde gemeinsam mit dem amerikanisch-israelischen Partner Ondas Autonomous Systems gegründet. Auf der Luftfahrtmesse ILA unterzeichnete ONBERG zudem eine Absichtserklärung mit dem ukrainischen Drohnenbauer Skyeton und dem Ziel NATO-konforme Aufklärungsdrohnen in Serie zu entwickeln. Auch beim klassischen Geschäft tut sich was, denn mit der Tochter Amperfied startet Heidelberger ein Abonnementmodell für Ladeinfrastruktur. SAP und Siemens Energy zählen bereits zu den Referenzkunden. Der Nettogewinn hat sich zuletzt verdreifacht, das klingt gut. Natürlich hat der Umbau seinen Preis. Daher ist der freie Cashflow negativ, und auch im laufenden Geschäftsjahr rechnet das Management mit roten Zahlen unterm Strich. Doch die Finanzierung steht, denn ein Konsortialkredit über 436 Millionen Euro wurde vorzeitig bis 2030 verlängert. Das gibt dem Konzern den nötigen Durchhalte-Atem für die Transformation.

Charttechnik
Im Chart zeigt sich die Aktie zuletzt noch in der Konsolidierungsbewegung, aber schon stabil. Im Bereich von 1,30 bis 1,50 Euro hat sich eine ordentliche Unterstützung gebildet, hier fanden Käufer in der Vergangenheit immer wieder zurück in den Markt und kauften den Verkäufern ihre Stücke stabilisierend ab. Aktuell notiert der Kurs sogar über dem 50er SMA, was ein erstes positives Signal nach den schwächeren Wochen ist. Spannend wird es, wenn der Kurs die Marke von 1,80 Euro überwindet. Genau dort würde sich ein handfestes Kaufsignal ergeben, mit Potenzial bis 2,50 Euro. Bis dahin bleibt die Unterstützungszone bei 1,30 bis 1,50 Euro das Fundament, auf dem die Aktie stabil steht.
Was tun?
Heidelberger Druck steckt mitten in einer der spannendsten Transformationen am deutschen Aktienmarkt. Der verdreifachte Gewinn und das wachsende Standbein in Verteidigungstechnik und Ladeinfrastruktur zeigen, dass der Konzern den Wandel vorantreibt. Gleichzeitig braucht dieser Umbau Zeit und Geld. Der negative Cashflow und der für 2026/27 erwartete Verlust sind Risiken, die man im Blick behalten sollte. Charttechnisch sieht es aber ermutigend aus, denn die Aktie hat sich über der Unterstützungszone bei 1,30 bis 1,50 Euro stabilisiert. Wer an die Drohnen-Story und die Diversifizierungsstrategie glaubt, kann die aktuelle Stabilisierung als Einstiegschance nutzen und auf den Ausbruch über 1,80 Euro warten, der das Tor in Richtung 2,50 Euro öffnen würde. Vorsichtigere Anleger beobachten zunächst, ob die kommenden Quartalsberichte am 19. August zeigen, dass ONBERG und die anderen neuen Geschäftsfelder tatsächlich Fahrt aufnehmen, bevor sie bei der Aktie zugreifen. Wie immer aber nicht den Stoppkurs vergessen zu setzten.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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