
© Foto: LPKF LASER & ELECTRONICS SE
Was für ein wahnsinniger Anstieg, was für ein irrer Lauf. Während andere Nebenwerte noch vor sich hindümpeln, schreibt LPKF gerade eine der wildesten Börsengeschichten des Jahres. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs fast versechsfacht, allein am Freitag ging es nochmals deutlich nach oben. Gerüchte um SpaceX, eine Rückkehr in den SDAX und die Hoffnung auf den ganz großen Halbleiter-Deal treiben die Fantasie der Anleger. Doch wie viel davon ist tatsächlich Substanz und wie viel nur heiße Luft? Ein Blick auf die Zahlen und den Chart sollte sich für Sie lohnen.
Divergenzen
Bei LPKF klafft gerade einiges auseinander. Auf der einen Seite die nackten Zahlen, denn der Umsatz brach im ersten Quartal auf 17,1 Millionen Euro ein, operativ steht ein dickes Minus von 6,9 Millionen Euro in den Büchern. Auf der anderen Seite ist ein Auftragseingang, der mit 24,1 Millionen Euro deutlich höher liegt als der Umsatz selbst. Genau das macht Anlegern Mut, denn mehr Bestellungen als Umsatz bedeuten meist: Da kommt noch was nach. Im Zentrum der Fantasie steht die LIDE-Technologie, mit der LPKF Glas für moderne Chip-Verpackungen bearbeitet. Die Chipbranche steigt gerade reihenweise auf Glas statt auf herkömmliche Trägermaterialien um, weil KI-Anwendungen enorme Datenmengen verarbeiten müssen. LPKF sitzt mit seinem Verfahren mitten in diesem Trend und erste Produktionsaufträge sind bereits eingetütet, weitere Gespräche laufen. Am 22. Juni soll die Aktie zudem in den SDAX zurückkehren, was automatisch Kaufdruck durch Indexfonds auslöst.
Charttechnik
Der Chart sieht nach weiterem Anstieg aus. Nach einem Anstieg bis fast auf 30 Euro und einer anschließenden Korrektur fand die Aktie bei rund 18 Euro Halt und drehte wieder deutlich nach oben. Aktuell pendelt der Kurs bei knapp 29 Euro und somit nur einen Steinwurf vom bisherigen Hoch bei 30 Euro entfernt. Genau dort wartet aber auch der nächste Prüfstein. Diese Marke hat den Kurs in der Vergangenheit schon mehrmals zurückgeworfen. Das Momentum zeigt klar nach oben, der RSI signalisiert Stärke, wenn auch in der überkauften Zone. Gelingt der Ausbruch über 30 Euro, eröffnet sich technisch Luft nach oben und ein Anlauf Richtung 35 Euro erscheint dann realistisch. Scheitert die Aktie aber erneut an der 30er-Hürde, droht zunächst eine weitere Verschnaufpause und Konsolidierung.

Was tun?
Operativ ist das Unternehmen noch nicht da, wo der Kurs es längst vermuten lässt. Der Auftragseingang macht jedoch Hoffnung, ebenso die fortschreitende Positionierung im Wachstumsmarkt Glas-Packaging. Mit dem Halbjahresbericht am 23. Juli kommt der nächste wichtige Termin, der zeigen muss, ob sich der Auftragsschwung in echte Umsätze verwandelt. Charttechnisch bleibt die 30-Euro-Marke der Schlüssel: Ein Ausbruch könnte weiteres Kurspotenzial freisetzen. Wer bereits investiert ist, kann angesichts des intakten Aufwärtstrends mit Bedacht dabei bleiben, sollte aber die Volatilität im Hinterkopf behalten. Neueinsteiger könnten den Ausbruch über 30 Euro als Bestätigung abwarten, bevor sie zugreifen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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