DAMASKUS/BEIRUT (dpa-AFX) - Syrien plant nach Worten von Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa weiterhin keinen Militäreinsatz im benachbarten Libanon - trotz wiederholter Andeutungen dazu von US-Präsident Donald Trump. "Wir suchen nach wirtschaftlichen Kanälen zwischen dem Libanon und Syrien, nicht militärischen", sagte al-Scharaa dem emiratischen TV-Sender Al-Maschhad. Syrien habe viele Mittel für einen "positiven Einfluss" auf den Libanon, das hänge aber vor allem vom Willen der libanesischen Regierung ab, sagte al-Scharaa in dem am Sonntagabend ausgestrahlten Interview.
Trump hat mehrfach eine mögliche Beteiligung Syriens am Krieg zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz im Libanon erwähnt. Dem Sender Fox News sagte Trump am Sonntag, er sei "enttäuscht, dass Israel die Hisbollah nicht wegstecken kann". Israel "könne nichts machen, ohne Häuser zum Einsturz zu bringen", sagte Trump. "Ich bin kurz davor, es an Syrien zu übergeben", sagte Trump zum Kampf Israels gegen die Iran-treue Miliz.
Ähnlich hatte sich Trump schon beim G7-Gipfel in Frankreich geäußert. Al-Scharaa sprach daraufhin von Spekulationen und sagte nun, dass einige von Trumps Aussagen zu dem Thema falsch ausgelegt worden seien.
Verhandlungen mit Hisbollah am selben Tisch?
Al-Scharaa schloss nicht aus, dass seine Regierung mit Vertretern der Hisbollah verhandeln würde. "Wenn das den Interessen des Libanons dient und die Interessen Syriens schützt, warum nicht?", sagte al-Scharaa auf eine entsprechende Frage. Neben einer Waffenruhe sei wichtig, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Libanon und Syrien wieder zu festigen.
Die Beziehungen zwischen Syrien und dem Libanon waren über Jahrzehnte von Spannungen und teils schweren Konflikten geprägt. Syrische Truppen waren während des Bürgerkriegs im Libanon (1975-1990) in das Nachbarland einmarschiert und offiziell erst 2005 abgezogen. Syriens Regierung hatte dort in dieser Zeit massiven Einfluss auf Politik, Militär und Sicherheitsbehörden.
In Syriens Bürgerkrieg ab 2011 war die Hisbollah mit Machthaber Baschar al-Assad verbündet, der Ende 2024 gestürzt wurde. Seitdem ist auch der Einfluss der Hisbollah in Syrien massiv gesunken. Verdeckt ist die Miliz aber weiterhin etwa am Waffenschmuggel beteiligt./jot/DP/nas
