LUZERN/TEHERAN (dpa-AFX) - Der Iran will nach Angaben von US-Vizepräsident JD Vance wieder Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ins Land lassen. Einen Zeitplan dafür gebe es aber noch nicht, sagte Vance zum Ende seiner Gespräche mit der iranischen Seite in der Hotelanlage Bürgenstock Resort in der Schweiz. Die Verhandler hätten um 2.00 Uhr versucht, die Inspektoren zu erreichen, aber die meisten seien nicht ans Telefon gegangen.
Der Iran bestätigte allerdings nicht, dass eine erneute Einreise von Inspektoren erlaubt werde. Eine entsprechende Entscheidung müsse zuvor mit dem Parlament und dem Nationalen Sicherheitsrat abgestimmt werden, sagte Außenamtssprecher Ismail Baghai der staatlichen Nachrichtenagentur Irna.
US-Präsident Donald Trump bekräftigte auf seiner Plattform Truth Social, der Iran müsse die IAEA wieder ins Land lassen. "Jeder ist sich voll bewusst, dass der Iran umfangreichen Waffeninspektionen zustimmen wird, um "nukleare Ehrlichkeit" auf lange Sicht zu gewährleisten", schrieb er.
Im Herbst hatte die IAEA im Iran zuletzt einige Standorte des Atomprogramms besichtigt, die nicht durch die israelischen und US-Angriffe im Juni 2025 beschädigt worden waren. Seit diesen ersten Angriffen hat sie keinen Zugang mehr zu den iranischen Urananreicherungs-Anlagen gehabt. Ende Februar haben die USA und Israel einen Krieg gegen den Iran begonnen, der nach einem Rahmenabkommen nun endgültig beigelegt werden soll.
Die iranische Delegation hatte auch bei den Gesprächen mit den USA am Sonntag in der Schweiz nicht zugelassen, dass IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi an den Verhandlungen direkt teilnimmt. Medienberichten zufolge war Grossi zwar am Verhandlungsort Bürgenstock, aber das iranische Team zeigte keinerlei Interesse an einem Austausch mit dem IAEA-Chef.
Vance: Solide Grundlage für endgültige Vereinbarung
Vance kehrte noch am Montag in die USA zurück. Die Verhandlungen mit dem Iran gingen auf technischer Ebene weiter, sagte er. Nach seinen Angaben wurde ein Prozedere vereinbart, damit die Straße von Hormus, durch die Öl und Dünger aus den Anliegerstaaten auf den Weltmarkt transportiert wird, geöffnet bleibt. Der Iran hatte sie nach Beginn der Angriffe der USA und Israels geschlossen.
Ebenso vereinbart worden sei ein Mechanismus, um Verstöße gegen die im Rahmenabkommen vereinbarte Waffenrufe auch im Libanon direkt zu besprechen, um eine neue Eskalation zu verhindern.
"Wir haben eine sehr solide Grundlage für den Abschluss einer erfolgreichen endgültigen Vereinbarung geschaffen", sagte Vance. Dennoch liege noch viel Arbeit vor den Verhandlern. Im Rahmenabkommen steht die Absicht, die endgültige Vereinbarung möglichst innerhalb von 60 Tagen zu erreichen.
US-Bauern reicher machen
Über die im Rahmenabkommen erwähnten iranischen Vermögenswerte sagte Vance, die USA und Katar behielten die Aufsicht darüber, was wann ausgezahlt werde. Mit dem Geld würden Sojabohnen, Mais und Weizen aus den USA gekauft. "Sollten die iranischen Vermögenswerte jemals freigegeben werden, werden sie dazu dienen, die amerikanischen Landwirte reicher zu machen und das iranische Volk zu ernähren", sagte Vance.
Der Iran wies die Angaben zurück, wonach blockierte iranische Vermögenswerte für den Kauf amerikanischer Agrarprodukte verwendet werden sollen. "Diese Behauptung entspricht in keiner Weise der Realität", zitierte die Nachrichtenagentur Tasnim eine informierte Quelle aus dem iranischen Verhandlungsteam.
Der Tasnim-Bericht wurde von offizieller Seite bislang weder bestätigt noch dementiert. Präsident Massud Peseschkian erklärte lediglich, der Iran werde in den laufenden Gesprächen keine Kompromisse eingehen, die nicht im Einklang mit den nationalen Interessen stünden. "Wo immer versucht wird, unsere Rechte zu missachten, werden wir nicht klein beigeben und uns nicht beugen", sagte der Präsident./oe/DP/zb
