DJ Fed/EZB-Ökomomen: Bei geldpolitischer Straffung vorsichtiger vorgehen
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Eine Straffung der Geldpolitik durch Zentralbanken wird stärker in die Realwirtschaft übertragen als eine Lockerung. Zu diesem schon länger bekannten Phänomen haben Ökonomen der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Theorie aufgestellt, deren Richtigkeit sie in einem jetzt von der EZB veröffentlichten Papier (Monetary policy under multiple financing constraints) zu belegen versuchen.
Diese Theorie besagt, dass eine Vielzahl von Finanzierungsbeschränkungen die Transmission einer expansiven Geldpolitik auf die Kreditaufnahme und die Investitionen von Unternehmen spürbar dämpft. Dagegen wird die Transmission einer geldpolitischen Straffung verstärkt. Diese Asymmetrie entsteht nach Aussage der Wissenschaftler, weil bei einer Straffung die am stärksten reagierende Beschränkung entscheidend ist. Dagegen begrenzt bei einer Lockerung der Geldpolitik die am schwächsten reagierende Beschränkung die Ausweitung der Kreditaufnahme.
Unter bestimmten, von den Ökonomen festgelegten Voraussetzungen ist der Rückgang der Gesamtinvestitionen infolge kontraktiver geldpolitischer Schocks sogar doppelt so groß wie der Investitionsanstieg nach einer gleich starken Lockerung. "Unter der Annahme ansonsten konstanter Rahmenbedingungen deuten diese Erkenntnisse darauf hin, dass es klug sein könnte, bei einer geldpolitischen Straffung vorsichtiger vorzugehen und bei einer Lockerung entschlossener", lautet das Fazit der Ökonomen.
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June 23, 2026 02:00 ET (06:00 GMT)
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