
© Foto: Jay George auf Pixabay (Symbolbild)
Bei der Aktie und beim Unternehmen Mercedes-Benz sieht es gar nicht gut aus. Die Aktie kratzt am Jahrestief, das milliardenschwere Rückkaufprogramm ist beendet und sogar die Jobgarantien für die Beschäftigten stehen plötzlich zur Diskussion. Während BMW zuletzt mit seiner Gewinnwarnung die ganze Branche ins Wanken brachte und die Aktien der Autobauer mit im Sog nach unten schickte, steckt auch der Stuttgarter Autobauer mittendrin in der Misere. Seit Jahresbeginn hat das Papier über 25 Prozent eingebüßt. Die Aktie ist auf ein neues 5-Jahres-Tief bereits gefallen. Reicht das technische Erholungssignal vom Freitag, um die Wende zu schaffen? Oder ist das nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm? Wir schauen genauer hin und sagen, was wir denken, wo die Reise hingehen könnte!
Die Lage spitzt sich zu
Bei Mercedes geht gerade mehr als nur einiges drunter und drüber. Zu Wochenschluss fiel die Aktie auf 43,96 Euro, ein Stand, den man zuletzt vor fünf Jahren gesehen hat. Und das unter hohen Umsätzen, die aber auch dem Umstand geschuldet waren, dass an der Terminbörse am Freitag der dreifache Verfallstag (Hexensabbat) war. Kaum verdaut, kam mittendrin schon die nächste Hiobsbotschaft, nämlich, dass die eigene Kurspflege beendet ist, denn 37 Millionen Aktien hatte Mercedes in den letzten sechs Monaten zurückgekauft und damit den Kurs gestützt, so gut es ging. Jetzt ist dieser Puffer weg, ausgerechnet in der Phase, in der man ihn vielleicht noch am dringendsten gebraucht hätte. Parallel sickert durch, dass im Konzern über die Lockerung von Beschäftigungsgarantien nachgedacht wird. Wenn ein Unternehmen an dieser Stelle ansetzt, weiß man, wie tief der Ernst der Lage sitzt. Bei BMW ist es ja ähnlich. Da stehen auch über 7.000 Stellen zur Disposition. Von außen kommt zusätzlich Druck. China bleibt ein Problemfeld, der schwache Yuan verteuert deutsche Fahrzeuge dort zusätzlich, und das Handelsbilanzdefizit mit dem Land liegt mittlerweile bei rund 90 Milliarden Euro. Personalvorständin Britta Seeger versucht intern mit Begriffen wie "Gewinnermentalität" und "Entbürokratisierung" Aufbruchstimmung zu erzeugen. Das ist nett gemeint, aber angesichts der Zahlen wirkt das eher hilflos als überzeugend und Börsianer und Investoren lassen sich von solchen Wortphrasen heute auch nicht mehr so schnell ins Bockshorn jagen. Schließlich brach der Gewinn 2025 von 10,4 auf 5,3 Milliarden Euro ein, und im ersten Quartal 2026 ging es nochmal um knapp 17 Prozent abwärts. Da klingt jede gut gemeinte Motivations- und Durchhalterede ziemlich schwach.

Charttechnik
Schön sieht im Moment kaum etwas am Mercedes-Chart aus. Das neue 5-Jahres-Tief ist gefallen, immerhin gab es danach am Freitag ein kleines Lebenszeichen nach oben. Wer die Aktie schon länger beobachtet, kennt dieses Muster: Sobald der RSI Richtung 30 rutscht, kommt meist eine kurze Gegenbewegung. Das könnte auch jetzt wieder passieren, ein Anlauf bis 50 Euro liegt im Bereich des Möglichen. Aber dort wird es aber eng. Bis zum 200er SMA bei über 55,13 Euro fehlt noch ein gutes Stück, und sollte die 50-Euro-Marke nicht fallen, droht es eher weiter abwärts weiterzugehen, im "schlechtesten Fall" bis Richtung 40 Euro. Am Gesamtbild ändert auch eine kurze Erholung nichts, denn der Abwärtstrend bleibt, wie er ist. Die Aktie liegt unter beiden SMAs (50er und 200er).
Was tun?
Viel spricht aktuell nicht für Mercedes, eher wenig bis überhaupt nichts. Die Zahlen sind schwach, der Chart angeschlagen, und auch fundamental gibt es wenig, was Hoffnung macht. Gestoppte Rückkäufe, wackelnde Jobgarantien, ein Auto-Geschäft unter Druck, das ist keine Kombination, die Anleger gerade jetzt suchen sollten, da gibt es bessere Aktien, deren Chart auch nach oben tendiert. Klar, ein Ausflug Richtung 50 Euro ist drin, dafür spricht der überverkaufte RSI. Nur, wer langfristig denkt, könnte eine solche Erholung eher nutzen, um noch auszusteigen, statt jetzt überhastet und voller Hoffnung einzusteigen. Die gesamte deutsche Autobranche kämpft mit Gegenwind aus mehreren Richtungen gleichzeitig. Ein Kauf der Mercedes-Aktie sollte aktuell kein Thema sein.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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