WIEN (dpa-AFX) - Das geplante neue Rentenmodell in Deutschland darf aus Sicht des Wirtschaftsweisen Gabriel Felbermayr als Beweis der Reformfähigkeit keinesfalls scheitern. "Man kann den Deutschen nur wünschen, dass das, was jetzt am Tisch liegt, auch umgesetzt wird", sagte der österreichische Ökonom, der seit März dem Gremium der sogenannten Wirtschaftsweisen angehört.
Es gebe viele Punkte, die die Ökonomen mit Freude zur Kenntnis nähmen. Für Österreich, das nach Überzeugung vieler Fachleute sein Pensionssystem dringend reformieren müsste, könne der deutsche Prozess ein Vorbild sein.
Kritik übte Felbermayr, der das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) leitet, am Tempo und dem Nicht-Einbeziehen der Beamten in eine Reform des Sozialsystems. Deutschland müsse mit der "übertriebenen Verbeamtung" aufhören. "Keiner in der Welt versteht die Sonderheiten des deutschen Beamtensystems."
Experte: Deutsche Untergangs-Rhetorik färbt auf Österreich ab
Bei der wirtschaftlichen Entwicklung stünde Österreich gerade bei der Industrieproduktion besser da als Deutschland, so der Ökonom. Allerdings übertrage sich die schlechte deutsche Stimmung wegen der gemeinsamen Sprache auf den kleineren Nachbarn. Die deutsche Untergangs-Rhetorik beeinflusse massiv die österreichische Wahrnehmung der Situation, sagte Felbermayr bei einem Gespräch mit dem Verband der Auslandspresse in Wien weiter.
Mit den deutschen Plänen käme auf die Bürgerinnen und Bürger ein umfassender Umbau der Alterssicherung zu, der alle Generationen berührt. Die Reform soll die gesetzliche Rente auf Jahrzehnte hinaus sichern. Kern ist eine neue Kapitalrente, für die die Rentenbeiträge steigen würden./mrd/DP/jha
