DJ MÄRKTE USA/Wall Street schwach - Technologiewerte knicken ein
DOW JONES--Kräftige Verluste bei den Technologie-Werten drücken am Dienstag die Wall Street deutlich ins Minus, wobei sich die Kurse im Tagesverlauf von ihren Tiefs lösen. Der Auslöser für die Verluste sind Bedenken, dass die US-Zinsen länger als erwartet auf einem hohen Niveau bleiben könnten. Dazu kommt die Frage, ob sich die enormen Ausgaben für KI-Infrastruktur im aktuellen Tempo fortsetzen werden. Technologie- und Halbleiteraktien gehörten zu den größten Gewinnern der Rally seit dem vergangenen Jahr, was sie besonders anfällig mache, wenn die Stimmung umschlage, so ein Marktbeobachter. Entscheidend werde daher sein, ob die jüngste Schwächephase lediglich eine Konsolidierung im KI-Bereich darstelle oder den Beginn einer umfassenderen Neubewertung des Sektors.
Der Dow-Jones-Index macht gegen Mittag (Ortszeit New York) seine Verluste indessen wett und tendiert gut behauptet bei 51.825 Punkten. Unterstützung erhält der Index von der IBM-Aktie, die nach einem positiven Analystenkommentar um fast 5 Prozent zulegt. JP Morgan hat IBM auf "Overweight" hochgestuft. Für den S&P-500 geht es um 0,9 Prozent nach unten. Die technologielastigen Nasdaq-Indizes büßen bis zu 2,4 Prozent ein.
Teilnehmer verweisen auch auf die sehr schwachen Vorgaben aus Asien, wo es vor allem für die Halbleiterwerte abwärts ging. So knickte der technologielastige Kospi in Seoul um 10 Prozent ein. Daher stehen an der Wall Street vor allem die Chipwerte unter Abgabedruck. Unter anderem büßen die Aktien von Nvidia 3,5 Prozent ein. Die Titel von Intel und Micron Technologies, zwei der größten Gewinner des KI-Booms, fallen um 4 bzw. 11 Prozent.
Für Unsicherheit sorgen auch die jüngsten massiven Abgaben bei SpaceX. Nach einem Kurseinbruch von gut 16 Prozent am Vortag erholt sich die die Aktie nun um 2,3 Prozent. Die geplante Anleiheemission von SpaceX verstärke die allgemeinen Sorgen der Anleger über das Ausmaß der Kapitalbeschaffungsmaßnahmen von KI-Hyperscalern, kommentiert Marktstratege Joachim Klement von Panmure Liberum.
Zudem dürften Gewinnmitnahmen nach dem fulminanten Börsendebüt die Abwärtsbewegung noch verstärkt haben, heißt es. Die Aktien schlossen am Montag bei 154,60 Dollar und damit nur knapp über ihrem Eröffnungskurs beim Börsengang am 12. Juni von 150 Dollar. Alleine zu Wochenbeginn wurden so bei SpaceX rund 400 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung eingebüßt. Für die Aktien von Rocket Lab geht es um 2,4 Prozent nach unten.
Kaum Einfluss haben die etwas besser als erwartet ausgefallenen US-Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungsbereich, jeweils für Juni. "Bessere Nachrichten aus dem Nahen Osten haben das Vertrauen der US-Unternehmen im Juni etwas gestärkt", so Ökonom Chris Williamson von S&P.
Die Ölpreise zeigen sich schwächer. Der Preis für ein Barrel Brent fällt um 1,2 Prozent auf 77,00 Dollar. Die USA haben die Sanktionen gegen iranisches Rohöl und petrochemische Produkte für 60 Tage ausgesetzt, was ein Zeichen für die Fortschritte bei den Gesprächen ist. Das US-Finanzministerium kündigte am Montag eine Aussetzung der Sanktionen bis zum 21. August an, die es Teheran zum ersten Mal seit Jahrzehnten erlaubt, Öl in Dollar zu verkaufen.
Der Dollar baut seine Vortagesgewinne mit der Erwartung von Zinserhöhungen durch die US-Notenbank weiter aus - der Dollar-Index steigt um 0,4 Prozent. Der US-Dollar könnte in der zweiten Jahreshälfte jedoch nachgeben, da die Erwartungen von US-Zinserhöhungen zu aggressiv erschienen, so TD Securities. Die Fed dürfte die Zinsen für einen längeren Zeitraum unverändert lassen, da sich die Geldpolitik in einem neutralen Bereich befinde, der die Wirtschaft weder stimuliere noch bremse. Selbst wenn die US-Notenbank die Zinsen bis zum Jahresende anhebe, müsste der Zinspfad aggressiver sein als die Markterwartungen, um den Dollar nach oben zu treiben, argumentieren die Strategen.
Der festere Dollar belastet den Goldpreis. Die Feinunze reduziert sich um 1,3 Prozent auf 4.135 Dollar. Auch würden die zunehmenden Erwartungen von Zinserhöhungen durch die Fed die Anzeichen für Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran überschatten, heißt es.
Die Renditen am US-Anleihemarkt büßen einen Teil der Gewinne vom Wochenbeginn wieder ein. Die Rendite zehnjähriger Papiere fällt um 3 Basispunkte auf 4,48 Prozent.
Neben IBM sind auch andere Aktien aus dem Segment Quantencomputer gesucht. Sie profitieren von zwei "Executive Orders" (Präsidialverordnungen) aus dem Weißen Haus zur Förderung der Quantentechnologie. Unter anderem steigen Infleqtion um 13,5 Prozent und D-Wave Quantum um 3,6 Prozent.
Die Aktien der Kreuzfahrtreederei Carnival sacken um 5,5 Prozent ab. Der Umsatz im zweiten Geschäftsquartal hatte die Erwartungen verfehlt.
=== INDEX zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag DJIA 51.825,35 +0,2 +112,64 51.712,71 S&P-500 7.402,96 -0,9 -69,83 7.472,79 NASDAQ Comp 25.799,74 -1,4 -366,86 26.166,60 NASDAQ 100 29.608,37 -2,4 -738,71 30.347,08 US-Treasuries Rendite +/- Tageshoch Tagestief 2 Jahre 4,19 -0,04 4,23 4,18 5 Jahre 4,25 -0,04 4,28 4,24 10 Jahre 4,48 -0,03 4,51 4,47 DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Mo, 17:10 EUR/USD 1,1381 -0,4 -0,0046 1,1427 1,1446 EUR/JPY 183,87 -0,4 -0,8000 184,67 184,5500 EUR/CHF 0,9216 -0,3 -0,0023 0,9239 0,9242 EUR/GBP 0,8626 +0,0 0,0002 0,8624 0,8631 USD/JPY 161,54 0,0 0,0000 161,54 161,2200 GBP/USD 1,3191 -0,4 -0,0056 1,3247 1,3260 USD/CNY 6,79 +0,2 0,0155 6,7745 6,7745 USD/CNH 6,795 +0,3 0,0179 6,7771 6,7756 AUS/USD 0,6923 -1,1 -0,0076 0,6999 0,7011 Bitcoin/USD 62.650,96 -2,7 -1.723,97 64.374,93 64.959,44 ROHOEL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag WTI/Nymex 73,03 -1,1 -0,83 73,86 Brent/ICE 77 -1,2 -0,90 77,90 Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Gold 4.135,10 -1,3 -55,33 4.190,43 Silber 62,22 -4,5 -2,96 65,18 Platin 1.665,10 -0,8 -13,60 1.678,70 (Angaben ohne Gewähr) ===
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