BERLIN (dpa-AFX) - Bei der amtlichen Überwachung von Lebensmittelbetrieben gibt es nach einer Abfrage der Verbraucherorganisation Foodwatch Lücken. Im vergangenen Jahr wurden 70,2 Prozent der vorgeschriebenen Routinekontrollen tatsächlich vorgenommen, wie Foodwatch nach Daten für gut die Hälfte der knapp 400 zuständigen Kommunalbehörden mitteilte. Geschäftsführer Chris Methmann sagte, das System der Lebensmittelüberwachung sei "am Limit".
Foodwatch fordert zur Entlastung, dass alle Kontrollergebnisse veröffentlicht werden sollten. Dies schaffe einen Anreiz für Betriebe, Vorgaben einzuhalten. Bei weniger Beanstandungen müssten Ämter insgesamt weniger kontrollieren.
Wenige Ämter schafften alle Kontrollen
Für die Auswertung erfragte die Organisation bei den 398 Behörden jeweils die Zahl der vorgeschriebenen und erfolgten Routinekontrollen. Antworten für 2025 kamen von 248 Ämtern. Demnach hätten bei diesen Behörden insgesamt 484.157 planmäßige Kontrollen vorgenommen werden sollen - gemacht wurden 339.668. Alle für 2025 vorgesehenen planmäßigen Kontrollen auch tatsächlich umsetzen konnten 13 Prozent der Behörden, die Antworten zurückmeldeten.
Zuständig für die Lebensmittelüberwachung sind die Länder. Eine Verordnung des Bundes schreibt aber Mindest-Abstände für die Kontrollbesuche vor, die sich nach Risikoklassen der Betriebe richten. Eine Neuregelung von 2020 legte fest, dass es seltener Routinekontrollen geben muss - aber mit dem Ziel, mehr Kapazitäten für anlassbezogene Kontrollen bei Problembetrieben zu schaffen.
Kontrollen nicht nach Kassenlage
Der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure erklärte, es könne und solle nie hinter jedem Koch ein Kontrolleur stehen. Befürchtungen von 2020 hätten sich aber leider bewahrheitet, dass Soll-Vorgaben auf dem Papier harmonisiert wurden, aber nicht ein Kontrolleur mehr eingestellt worden sei. "Es wird heute weniger kontrolliert", sagte der Vorsitzende Maik Maschke. Eine Verringerung sollte jedoch "immer das Ergebnis einer guten Unternehmerleistung und nicht der Kassenlage der öffentlichen Hand geschuldet sein", mahnte er./sam/DP/zb
