AMSTERDAM (dpa-AFX) - Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS geht an die Börse. Die Aktien des Herstellers von Kampfpanzern und Artilleriesystemen sollen im Rahmen einer Doppelnotierung in Frankfurt und Paris platziert werden, wie das Unternehmen am Mittwoch in Amsterdam mitteilte. Über weitere Details etwa zu Preis und Zeitplan will der Konzern im Börsenprospekt informieren, der kurz vor der eigentlichen Transaktion veröffentlicht werden soll. Konzernchef Jean-Paul Alary verriet auf einer Pressekonferenz nur soviel: "Wir erwarten den Börsengang in den kommenden Wochen."
An der Börse sorgten die Neuigkeiten im europäischen Rüstungssektor für Abschläge. Thales und BAE Systems notierten jeweils rund zwei Prozent tiefer.
Der Börsengang von KNDS war erwartet worden, Beobachter zählen ihn zu den größten europäischen Börsengängen im Verteidigungssektor der vergangenen Jahre. Vorausgegangen war eine Einigung zwischen den Regierungen in Berlin und Paris über die künftige Eigentümerstruktur des Unternehmens, das derzeit noch im Besitz des französischen Staates und der Familie hinter dem Rüstungshersteller Krauss-Maffei Wegmann ist. Demnach erwerben die Bundesrepublik Deutschland und der französische Staat jeweils einen Anteil von 40 Prozent an KNDS. Die verbleibenden 20 Prozent sollen im Zuge des Börsengangs an institutionelle Investoren veräußert werden.
Der Konzern habe in den vergangenen Wochen bereits viele Gespräche mit potenziellen Käufern geführt, und das Interesse sei sehr hoch, sagte Alary, ohne konkrete Namen zu nennen. Eine Platzierung an Privatanleger schließt KNDS indes ausdrücklich aus, wohl auch aus zeitlichen Erwägungen. "Dies würde zusätzliche Komplexität bringen", erläuterte der Manager.
Das Management sieht dabei den Börsengang als wichtigen Baustein seiner langfristigen Strategie. Der Schritt solle die finanzielle Flexibilität und Agilität des Konzerns erhöhen und zusätzliche Mittel für den weiteren Ausbau der Kapazitäten, für Forschung und Entwicklung sowie für Technologien der nächsten Generation bereitstellen, sagte Alary.
"Wir begrüßen außerdem die Absicht der deutschen Regierung, neben dem französischen Staat Ankeraktionär zu werden", ergänzte der Manager. Erst vor wenigen Tagen hatte die EU-Kommission den Einstieg des Bundes genehmigt. Dieser beteiligt sich über die staatliche KfW Bankengruppe am Unternehmen.
Berlin hat bereits verlautbart, seinen Anteil an KNDS später verringern zu wollen. Laut Konzernmitteilung wird aber voraussichtlich nach dem Börsengang eine Haltefrist von zehn Jahren gelten, in der weder die Bundesrepublik noch der französische Staat ohne die Genehmigung des anderen ihre Beteiligung auf unter 30 Prozent reduzieren dürfen.
KNDS entstand 2015 durch die Fusion von Krauss-Maffei Wegmann und dem französischen Unternehmen Nexter und zählt zu den führenden europäischen Anbietern von Landsystemen. Zum Portfolio gehört neben dem Kampfpanzer Leopard 2 auch das Artilleriesytem Caesar. Das Unternehmen beliefert eigenen Angaben zufolge mehr als 40 Armeen weltweit.
Den Börsengang hatte das Unternehmen schon länger angekündigt. Dabei erfolgt die Transaktion vor dem Hintergrund einer anhaltend hohen Nachfrage nach Verteidigungssystemen, die wegen der vielfachen politischen und wirtschaftlichen Spannungen und kriegerischen Auseinandersetzungen in der Welt noch befeuert wird.
KNDS sieht sich als klarer Profiteur dieser Entwicklung und verweist auf eine starke Auftragslage und seine strategisch zunehmende Bedeutung im Rüstungssektor. Das Unternehmen sei gut positioniert, um einige der wachstumsstärksten Segmente der globalen Verteidigung zu erschließen, hieß es in der Mitteilung weiter. "Wir haben bereits gezeigt, dass wir wachsen können. Und nun haben wir eine deutliche Beschleunigung vor uns", betonte Alary.
Der Konzern mit gut 11.000 Mitarbeitenden und Hauptsitz in Amsterdam steigerte im vergangenen Jahr seinen Umsatz auf 4,4 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr peilt das Management laut Finanzchef Philippe Balducchi einen Sprung um 30 Prozent an. Mittelfristig soll der Erlös gar auf 11 bis 12 Milliarden Euro anziehen, und auch die Profitabilität wieder steigen, nachdem sie im laufenden Jahr unter anderem wegen des Wegfalls hochprofitabler Aufträge zunächst etwas zurückgehen dürfte.
Den Aktionären stellt KNDS bereits eine Gewinnbeteiligung für das laufende Jahr in Aussicht, voraussichtlich ab 2027 sollen jährlich 40 Prozent des Nettogewinns ausgeschüttet werden. Eine endgültige Entscheidung hierüber steht aber noch aus./tav/lew/jha/

