DJ ÜBERBLICK am Mittag/Konjunktur, Zentralbanken, Politik
Die wichtigsten Ereignisse und Meldungen zu Konjunktur, Zentralbanken, Politik aus dem Programm von Dow Jones Newswires
Ifo-Geschäftsklimaindex hellt sich im Juni leicht auf
Das Geschäftsklima in Deutschland hat sich im Juni wie erwartet leicht aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 85,6 (Mai revidiert: 85,0) Punkte. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten einen Anstieg auf 85,5 Punkte prognostiziert. Vorläufig waren für Mai 84,9 Punkte gemeldet worden. Der Index der Lagebeurteilung erhöhte sich auf 87,0 (Mai: 86,1) Punkte. Erwartet worden waren 86,1 Punkte. Für Mai waren vorläufig 86,1 ausgewiesen worden. Der Index der Geschäftserwartungen stieg auf 84,1 (revidiert 83,9) Punkte. Die Prognose hatte auf 84,5 gelautet. Basis war ein vorläufiger Mai-Wert von 83,8 Punkten gewesen. "Die deutsche Wirtschaft hofft auf eine Entspannung der weltpolitischen Situation", kommentierten die Konjunkturforscher die Daten.
Deutsche Unternehmen trauen dem Frieden noch nicht
Der leichte Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex im Juni ist nach Aussage von Alexander Krüger, Chefvolkswirt von ABN Amro Deutschland, lediglich ein Reaktion auf den gesunkenen Rohölpreis. "Die befragten Unternehmen scheinen dem Braten noch nicht recht zu trauen. Der Anstieg ist mehr eine Rohölstory als Friedenshoffnung", schreibt er in einem Kommentar. Die Lage bessere sich, weil der Rohölpreis falle, die Erwartungen blieben aber in der Deckung. "Halten die Entspannungssignale aus Nahost an, werden auch die Erwartungen stärker zunehmen. Bis das Geschäftsklima das Niveau vor Ausbruch des Iran-Krieges erreicht, dürften aber noch Monate vergehen", urteilt Krüger.
Höhere Ifo-Lagebeurteilung positive Überraschung
LBBW-Volkswirt Jens-Oliver Niklasch ist vom Anstieg der Ifo-Lagebeurteilung im Juni bei nahezu unveränderten Erwartungen überrascht. "Eigentlich hätte es umgekehrt sein müssen mit der Entwicklung rund um die Straße von Hormus. Aber nun gut, wir nehmen die Verbesserung der Lage gerne mit", schreibt er in einem Kommentar. Generell falle auf, dass die Stimmung in Deutschland sehr schlecht sei, noch schlechter als die Lage. "Mit den Vorschlägen zur Neuordnung der Rente scheinen aber nun - endlich - auch die Reformbemühungen der Bundesregierung in Bewegung zu kommen", meint der Ökonom. Alles in allem dürfe man für den Rest des Jahres daher etwas zuversichtlicher sein als für die erste Hälfte.
Deutsches BIP könnte im zweiten Quartal gesunken sein
ING-Europa-Chefvolkswirt Carsten Brzeski sieht ein hohes Risiko, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal trotz zweier Ifo-Anstiege in Folge gesunken ist. "Dies ist nicht nur auf hohe Energiekosten, sondern auch auf enttäuschende Reformbemühungen der Regierung zurückzuführen", schreibt er in einem Kommentar. Die positive Nachricht ist aus seiner Sicht, dass diese beiden Belastungsfaktoren bald nachlassen könnten. "Eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus wird die strukturellen Herausforderungen bei den Energiepreisen, mit denen die deutsche Industrie konfrontiert ist, zwar nicht ändern. Sie dürfte jedoch den Abwärtsdruck auf den privaten Konsum etwas lindern", kalkuliert Brzeski.
Steigender ifo-Index gibt Hoffnung
Michael Herzum, Leiter Volkswirtschaft bei Union Investment, wertet den Ifo-Anstieg als ein Hoffnungssignal. Er liefere aber noch keinen konjunkturellen Befreiungsschlag. Die Aussicht auf eine Entspannung im Iran-Konflikt mit einer raschen Normalisierung des Verkehrs durch die Straße von Hormus dürfte zur besseren Stimmung beigetragen haben. Nach der erzielten Grundsatzeinigung der USA mit dem Iran können die Unternehmen nun optimistischer in die Zukunft blicken.
Goldman Sachs: Euroraum-BIP steigt im 2Q um 0,3 Prozent
Goldman-Sachs-Volkswirt Giovanni Pierdomenico hat wegen gesunkener Energiepreisprognosen und der Erwartung einer deutlichen (rechnerischen) Erholung der irischen Wirtschaft seine Prognose für das Wachstum der Euroraum-Wirtschaft im zweiten Quartal angehoben. "Insgesamt belaufen sich unsere länderspezifischen (BIP-)Schätzungen für das zweite Quartal in Deutschland, Frankreich und Italien auf plus 0,1 Prozent im Quartalsvergleich", schreibt er in einer Analyse. Für Spanien liege sie bei plus 0,4 Prozent. Dies führe zu einer durchschnittlichen Wachstumsrate in diesen vier großen Euro-Ländern von etwas mehr als plus 0,15 Prozent.
EZB: Zunächst kein weiterer Euro-Kandidat in Sicht
Nach dem Beitritt Bulgariens zur Eurozone in diesem Jahr zeichnet sich zunächst kein weiterer Kandidat für eine Einführung des Euro ab. Wie aus dem aktuellen Konvergenzbericht der Europäischen Zentralbank (EZB) hervorgeht, erfüllt keines der EU-Länder Tschechien, Ungarn, Polen, Rumänien oder Schweden die Voraussetzungen hierfür. Die Gründe dafür sind neben der nationalen Gesetzgebung vor allem wirtschaftliche, und die haben maßgeblich mit dem Ukraine-Krieg und dem Nahost-Krieg zu tun.
BoJ dürfte Aufwärtsrisiken bei Preisen weiter im Blick behalten
Die Zusammenfassung der Meinungen der Bank of Japan von der Sitzung der vergangenen Woche, auf der sie ihren Leitzins auf ein 31-Jahres-Hoch angehoben hatte, zeigt, dass die Sorgen über Inflationsrisiken im Board zunehmen. "Die BoJ wird voraussichtlich weiterhin die Aufwärtsrisiken für die zugrunde liegende Inflation hervorheben", meinen die Ökonomen von BNP Paribas. Auch wenn sich der Anstieg der Ölpreise künftig verlangsame, würden die Energiekosten höher bleiben als vor Beginn des Nahost-Konflikts, meinen sie.
Japans Zinsgipfel dürfte bei 1,5 Prozent liegen
Japans Endzins dürfte bei 1,5 Prozent liegen, meint Yoshimasa Maruyama von SMBC Nikko Securities. Der Ökonom erwartet, dass die Bank of Japan ihren Leitzins im Oktober 2026 und April 2027 anhebe. Der Gouverneur der Bank of Japan, Kazuo Ueda, habe sich in einer Rede am Mittwoch mit klaren Hinweisen auf den Zeitpunkt der nächsten Zinserhöhung zurückgehalten, aber vor der Möglichkeit gewarnt, dass die zugrundeliegende Inflation das 2-Prozent-Ziel der Bank überschreiten könnte. Der Gouverneur der Bank of Japan habe zudem gesagt, die finanziellen Bedingungen in Japan seien trotz der Zinserhöhung auf 1 Prozent in der vergangenen Woche immer noch akkommodierend, was darauf hindeute, dass eine weitere geldpolitische Straffung bevorstehe.
Schiffe und Ladungen im Wert von 125 Mrd Dollar sitzen im Golf fest
Im Persischen Golf sitzen laut Allianz Commercial derzeit etwa 1.150 Frachtschiffe mit Ladungen im Wert von rund 125 Milliarden US-Dollar fest. Geopolitische Unsicherheit ist nach dem Branchenbericht mittlerweile das größte Risiko für die Schifffahrtsbranche. Allianz Commercial erklärte, dass während des gesamten Konflikts zwar eine Seeversicherung verfügbar gewesen sei, wenn auch zu höheren Prämien für Rumpf und Ladung. Das eigentliche Problem für die Reeder sei jedoch eher das Risiko für Schiffe und Besatzung beim Durchqueren einer Konfliktzone gewesen als rein versicherungstechnische Überlegungen.
+++ Konjunkturdaten +++
US/MBA Market Index Woche per 19. Juni +1,0% auf 272,1 (Vorwoche: 269,5)
US/MBA Purchase Index Woche per 19. Juni -0,6% auf 169,7 (Vorwoche: 170,8)
US/MBA Refinance Index Woche per 19. Juni +3,0% auf 834,2 (Vorwoche: 810,2)
DJG/DJN/apo
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June 24, 2026 07:30 ET (11:30 GMT)
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