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Es geht weiter abwärts. Palantir reißt eine Unterstützung nach der anderen. Erst war es die 140er-Marke, dann die 130er, jetzt steht die runde 100-US-Dollar-Schwelle im Raum. Klingt nach extremer Schwäche und wer sich den Chart anschaut, erkennt ein Muster: Schwäche zieht weitere Schwäche nach sich. Und genau das passiert hier gerade. Dazu kommen unbequeme Fragen aus Europa, eine Bewertung, die immer noch kaum jemand erklären kann, und ein Markt, der zunehmend ungeduldig wird. Lohnt sich da noch ein Blick auf die Aktie, oder sollte man besser gleich die Finger davon lassen?
Hohe Erwartungen auf dünnem Eis
Palantir war monatelang der Liebling der Börse. Diese Zeiten sind aber wohl erstmal vorbei. Der Kurs fiel zuletzt an einem einzigen Tag wieder deutlich und rutschte auf knapp unter 117 US-Dollar. Das ist der tiefste Stand seit über einem Jahr. Der Grund liegt weniger im operativen Geschäft als in der Bewertung. Mit einem Forward-KGV von deutlich über 70 wird ein enormes Gewinnwachstum eingepreist. Sobald daran Zweifel aufkommen, schlägt der Markt knallhart zu.
Hinzu kommt Gegenwind aus Europa. Frankreichs Geheimdienst DGSI will Palantirs Software durch eine heimische Lösung ersetzen. In Großbritannien steht der NHS-Vertrag unter Beobachtung. Das ist zwar generell kein Weltuntergang, zeigt aber einen Trend, nämlich dass immer mehr Staaten, gerade aus Europa, weg wollen von der Abhängigkeit von US-Anbietern.
Auf der anderen Seite wächst das US-Geschäft von Palantir rasant. Zuletzt um über 100 Prozent. Das sind Zahlen wovon andere Unternehmen nur träumen. Die Partnerschaft mit Zeta Global und die Rolle im NGC2-Programm der US-Armee unterstreichen das. Operativ läuft also einiges richtig. Das Problem bleibt die Kluft zwischen starker Entwicklung und überzogenen Erwartungen. Das birgt weiterhin Rückschlagpotenzial. Und mal ganz ehrlich, selbst wenn sich die Aktie nochmal halbiert, dürfte doch die Bewertung immer noch vertretbarer als jetzt sein.

Charttechnik
Der Chart sendet derzeit klare Warnsignale. Die Aktie notiert unter der 50- und der 200-Tage-Linie und damit ist der seit November laufende Abwärtstrend bestätigt. Die Verluste seit dem Hoch bei 222 US-Dollar liegen bereits bei über 40 Prozent, bald vielleicht sogar bei 50 Prozent. Entscheidend wird jetzt die Zone zwischen 110 und 115 US-Dollar. Bricht diese Unterstützung endgültig weg, rückt die psychologische 100 US-Dollar-Marke schnell in Reichweite. Darunter könnte es sogar Richtung der alten Tiefs aus dem Vorjahr gehen. Da wären wir auch schnell mal in der Gegend um 70 US-Dollar. Noch zeigt der RSI keine klare Bodenbildung, sondern eher Erschöpfung ohne Anzeichen zur Wende. Das alles schaut derzeit nach einem weiteren Rutsch aus.
Was tun?
Die Zahlen zum ersten Quartal waren stark, das US-Wachstum beeindruckend. Doch die Bewertung bleibt das große Fragezeichen. Fundamental ist die Story intakt, charttechnisch sieht es düster aus, und die jüngsten Nachrichten aus Europa nähren zusätzliche Zweifel. Solange die Unterstützung bei 130 US-Dollar nicht zurückerobert wird, überwiegen die Risiken. Wer noch investiert ist, sollte enge Stopps setzen. Neueinstiege erscheinen aktuell zu riskant.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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