DJ KONJUNKTUR IM BLICK/Erst das Donnerwetter - dann die Daten
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Das wichtigste Ereignis der Woche wird zweifellos die von allen herbeigesehnte Gewitterfront sein, die den Europäern am Montag/Dienstag hoffentlich etwas kühlere Temperaturen bescheren wird. Möglicherweise ist das atlantische Tief ja schon da, wenn EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Montagabend das geldpolitische Symposium im portugiesischen Sintra eröffnet. Spätestens zu den europäischen Verbraucherpreisen am Mittwoch sollten dann wieder normale Sommertemperaturen herrschen. Etwas außerhalb der Normalität: Das Bureau of Labor Statistics (BLS) veröffentlicht seinen Arbeitsmarktbericht diesen Monat schon am Donnerstag, weil der 4. Juli ein Feiertag ist. Aber zunächst nach Sintra:
EZB lädt zum geldpolitischen Symposium nach Sintra - Warsh auf dem Podium
Wie jedes Jahr lädt die Europäische Zentralbank (EZB) zum geldpolitischen Symposium in das portugiesische Resort ein. Traditionell stehen bei dieser Veranstaltung Vorträge von Wissenschaftlern auf dem Programm sowie Panels, an denen EZB-Offizielle teilnehmen, oder die von EZB-Offiziellen moderiert werden. Zu den Themen gehören dieses Jahr neben der allgegenwärtigen Künstlichen Intelligenz (und ihren Auswirkungen auf die Finanzstabilität) Fragen zur Entwicklung der Produktivität und des Welthandels.
Präsidentin Lagarde eröffnet das Forum am Montag (20.00 Uhr). Ein Höhepunkt ist das Panel zum Abschluss am Mittwoch (14.00 Uhr), an dem neben Präsidentin Lagarde die Chefs der Bank of England und der Federal Reserve, Andrew Bailey und Kevin Warsh, teilnehmen werden.
Inflationsdruck im Euroraum geht im Juni etwas zurück
Der Inflationsdruck im Euroraum dürfte im Juni etwas nachgelassen haben. Die Öffnung der Straße von Hormus und die schon vorher zunehmenden Hoffnungen auf eine Öffnung hatten zu einem Rückgang des Ölpreises geführt, der auch bei den Verbrauchern angekommen sein dürfte. Das zeigte sich bereits in der von der Europäischen Zentralbank (EZB) erhobenen Inflationserwartung der Konsumenten auf Sicht von zwölf Monaten, die bereits im Mai von 4,0 auf 3,5 Prozent zurückgegangen war.
Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte erwarten, dass die Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent gestiegen sind und um 3,0 (Mai: 3,2) Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats lagen. Für die Kernteuerung werden unverändert 2,6 Prozent prognostiziert. Eurostat veröffentlicht die Daten am Mittwoch (11.00 Uhr).
Für Deutschland (Veröffentlichung Dienstag, 14.00 Uhr) wird auf Basis des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) ein Inflationsrückgang auf 2,5 (2,7) Prozent erwartet. Ebenfalls am Dienstag kommen Preisdaten aus Frankreich (8.45 Uhr) und Italien (11.00 Uhr). Die spanischen sind bereits am Montag (9.00 Uhr) dran.
Eine prominente Rolle werden in der Woche US-Arbeitsmarktdaten spielen. Der Reigen der Veröffentlichungen beginnt mit den Ergebnissen des Job Openings & Labor Turnover Survey (Jolts) für Mai am Dienstag (16.00 Uhr). Am Mittwoch (14.15 Uhr) folgen Daten zur privaten Beschäftigung im Juni des Arbeitsmarktdienstleisters ADP, ehe am Donnerstag (14.30 Uhr) der offizielle Arbeitsmarktbericht kommt.
US-Jobmarkt verliert an Schwung
Nachdem der US-Beschäftigungsaufbau im Frühjahr (März bis Mai) drei Monate in Folge kräftig zugelegt hatte, deutet die aktuelle Prognose für Juni von 88.000 (Mai: 172.000) zusätzliche Jobs auf eine spürbare Abkühlung hin. Das Gesamtbild bleibt zwar solide, doch die Dynamik lässt nach. Die Arbeitslosenquote soll der Prognose zufolge bei 4,3 (4,3) Prozent verharren. Bei der Lohnentwicklung, einem wichtigen Indikator für den inflationären Druck, wird ein Zuwachs der durchschnittlichen Stundenlöhne von 0,3 (0,3) Prozent zum Vormonat und 3,4 (3,4) Prozent im Jahresvergleich prognostiziert.
Für die US-Notenbank, die ihre erste Sitzung unter dem neuen Chef Kevin Warsh hinter sich hat, bleibt die Lage komplex. Zuletzt hatten sich die geldpolitischen Falken in der Fed - wie der Chicago-Fed-Präsident Austan Goolsbee - besorgt über die zähe Inflation im Dienstleistungssektor geäußert, was an den Märkten Zinserhöhungsängste schürte.
Weitere wichtige Veröffentlichungen der Woche sind der Europäische Wirtschaftsstimmungsindex (Montag, 11.00 Uhr) und der Tankan der Bank of Japan (BoJ) für das zweite Quartal (Mittwoch, 1.50 Uhr). Zudem endet am Mittwoch - mitten in der gemeinsam ausgetragenen Fußball-WM - die Frist für eine Erneuerung des Freihandelsabkommens USA-Kanada-Mexiko, und es ist ein Treffen von Regierungsvertretern anberaumt.
(Mitarbeit: Andreas Plecko)
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June 26, 2026 09:36 ET (13:36 GMT)
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