Köln (ots) -
Düsseldorf (ots) - Mitglieder eines privaten Rettungsdienstes in Duisburg sollen laut WDR-Recherchen mit Patientinnen und Patienten unmenschlich umgegangen sein. Sie sollen hilflose und bewusstlose Personen fotografiert und verhöhnt haben. In einem Fall soll eine Frau sogar bewusst gefährdet worden sein.
Die Vorwürfe richten sich gegen Mitarbeiter des privaten Rettungsdienstunternehmens Falck, die auf der Feuerwache 3 in Duisburg im Einsatz sind oder waren. Das WDR-Magazin Westpol und das Landesstudio Duisburg haben über Monate zu diesen Vorwürfen recherchiert und mit Zeugen gesprochen, die die Angaben bestätigen.
Demnach soll sich auf der Wache ab April 2025 eine Gruppe von fünf Falck-Mitarbeitern zusammengefunden haben, die sich selbst "HiLo-Gruppe" genannt habe. "HiLo" ist im Rettungsdienst die Abkürzung für "hilflose Person".
"Die haben Patienten, die sauerstoffpflichtig sind, die Treppe runtergehen lassen ohne Sauerstoff, weil der unten im Auto war", beschreibt es der Rettungsdienstler Paul (Name geändert), "Patienten, die eigentlich hätten getragen werden müssen, mussten die Treppe runterlaufen, weil ein Kollege dann gesagt hat: Ich habe heute schon mal getragen, jetzt ist Schluss." Patienten sollen auch rassistisch beleidigt worden sein.
Falck, ein dänisches Unternehmen und im Auftrag der Stadt Duisburg dort im Rettungsdienst tätig, bestätigt auf WDR-Anfrage, dass solche und ähnliche Vorwürfe intern gemeldet worden sind. Man sei diesen auch nachgegangen, sie hätten sich aber "nicht ausreichend erhärten lassen". Und weiter: "Wir sind im Zuge unserer Untersuchungen an die Grenzen dessen gestoßen, was uns als Unternehmen mit eigenen Mitteln möglich ist."
Die Staatsanwaltschaft, die andere Ermittlungsbefugnisse hätte, wurde vom Unternehmen nicht eingeschaltet. Diese prüft mittlerweile nach anonymen Hinweisen, ob sie Ermittlungen aufnimmt.
Wie dem WDR mehrere Insidereidesstattlich versichern, geht es auch um mögliche Straftaten: Falck-Mitarbeiter sollen Fotos von Patientinnen und Patienten gemacht haben und hätten diese über Privathandys geteilt und auf der Wache herumgezeigt. Es seien auch Genitalien und Wunden fotografiert worden, und sogar Menschen, die sich das Leben genommen hatten.
Als besonders schockierend beschreiben mehrere Team-Mitglieder einen Tag im Juli 2025. "Da wurde ich von einem Kollegen empfangen, der mir ein Foto eines Einsatzes aus der Nacht zeigt, wo er eine adipöse, sehr dicke Patientin, die medizinisch versorgt wurde, im Bett fotografiert hat", erinnert sich Sören (Name geändert), ein anderer Falck-Mitarbeiter, "das war wirklich herabwürdigend, das war menschenunwürdig." Der Transport der Frau soll wegen ihres Gewichts extrem aufwändig gewesen sein. "Da fielen dann so Sätze wie: das dicke, fette Vieh wollte einfach nicht verrecken", erinnert sich Paul.
Am selben Tag sei auch das Foto einer anderen Patientin herumgezeigt worden, die drogensüchtig sei und regelmäßig transportiert werden müsse. Eine Aufnahme, die diese Situation zeigen soll, liegt dem WDR vor. Es sei geprahlt worden: Diese Patientin habe man bei einer früheren Fahrt hinten auf dem Sitz statt der Liege transportiert - und sie dabei bewusst nicht angeschnallt. Dann soll absichtlich gebremst worden sein. Die Frau sei dann vor das Staufach geknallt, das dem Sitz gegenüber liegt. "Da wurde bewusst kalkuliert, dass sich diese Patientin schwer verletzt", sagt Sören.
Falck schreibt auf WDR-Anfrage, man habe auch gemeinsam mit dem Auftraggeber, der Stadt Duisburg, "alle verfügbaren Mittel eingesetzt, um den Sachverhalt intern aufzuklären". Über das "anonyme Whistleblower-System" oder auch die "Meldekanäle der Stadt Duisburg" seien aber keine "Hinweise zu den beschriebenen Vorwürfen bei uns eingegangen".
Doch die Stadt Duisburg kritisiert diese Stellungnahme von Falck scharf. Erst im Mai 2026 habe Falck die Stadt erstmals über "interne Gerüchte bezüglich Anfertigung von Fotodokumenten" informiert. In diesem Gespräch habe der Geschäftsführer mitgeteilt, dass es bereits seit Oktober 2025 "Gerüchte" im Unternehmen über Verfehlungen gebe. Die Stadt stellt klar: "Die bisherige Mitteilung, dass die interne Prüfung bislang keine Bestätigung der Vorwürfe ergeben habe, reicht nicht aus."
Falck hat inzwischen eine Anwaltskanzlei mit einer "umfassenden Compliance-Untersuchung" beauftragt. Diese befrage "Zeugen sowie potenziell betroffene Personen" und werte Dokumente aus. Eine "abschließende Bewertung" sei "derzeit noch nicht möglich". Einer der beschuldigten Mitarbeiter hat im Frühjahr das Unternehmen verlassen. Ein anderer wurde jetzt, nach der Anfrage des WDR, entlassen.
Programmhinweis: Westpol, 28.06.2026, 19:30 Uhr im WDR Fernsehen.
Pressekontakt:
WDR Landespolitik
Original-Content von: WDR Newsroom, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/179961/6303789
Düsseldorf (ots) - Mitglieder eines privaten Rettungsdienstes in Duisburg sollen laut WDR-Recherchen mit Patientinnen und Patienten unmenschlich umgegangen sein. Sie sollen hilflose und bewusstlose Personen fotografiert und verhöhnt haben. In einem Fall soll eine Frau sogar bewusst gefährdet worden sein.
Die Vorwürfe richten sich gegen Mitarbeiter des privaten Rettungsdienstunternehmens Falck, die auf der Feuerwache 3 in Duisburg im Einsatz sind oder waren. Das WDR-Magazin Westpol und das Landesstudio Duisburg haben über Monate zu diesen Vorwürfen recherchiert und mit Zeugen gesprochen, die die Angaben bestätigen.
Demnach soll sich auf der Wache ab April 2025 eine Gruppe von fünf Falck-Mitarbeitern zusammengefunden haben, die sich selbst "HiLo-Gruppe" genannt habe. "HiLo" ist im Rettungsdienst die Abkürzung für "hilflose Person".
"Die haben Patienten, die sauerstoffpflichtig sind, die Treppe runtergehen lassen ohne Sauerstoff, weil der unten im Auto war", beschreibt es der Rettungsdienstler Paul (Name geändert), "Patienten, die eigentlich hätten getragen werden müssen, mussten die Treppe runterlaufen, weil ein Kollege dann gesagt hat: Ich habe heute schon mal getragen, jetzt ist Schluss." Patienten sollen auch rassistisch beleidigt worden sein.
Falck, ein dänisches Unternehmen und im Auftrag der Stadt Duisburg dort im Rettungsdienst tätig, bestätigt auf WDR-Anfrage, dass solche und ähnliche Vorwürfe intern gemeldet worden sind. Man sei diesen auch nachgegangen, sie hätten sich aber "nicht ausreichend erhärten lassen". Und weiter: "Wir sind im Zuge unserer Untersuchungen an die Grenzen dessen gestoßen, was uns als Unternehmen mit eigenen Mitteln möglich ist."
Die Staatsanwaltschaft, die andere Ermittlungsbefugnisse hätte, wurde vom Unternehmen nicht eingeschaltet. Diese prüft mittlerweile nach anonymen Hinweisen, ob sie Ermittlungen aufnimmt.
Wie dem WDR mehrere Insidereidesstattlich versichern, geht es auch um mögliche Straftaten: Falck-Mitarbeiter sollen Fotos von Patientinnen und Patienten gemacht haben und hätten diese über Privathandys geteilt und auf der Wache herumgezeigt. Es seien auch Genitalien und Wunden fotografiert worden, und sogar Menschen, die sich das Leben genommen hatten.
Als besonders schockierend beschreiben mehrere Team-Mitglieder einen Tag im Juli 2025. "Da wurde ich von einem Kollegen empfangen, der mir ein Foto eines Einsatzes aus der Nacht zeigt, wo er eine adipöse, sehr dicke Patientin, die medizinisch versorgt wurde, im Bett fotografiert hat", erinnert sich Sören (Name geändert), ein anderer Falck-Mitarbeiter, "das war wirklich herabwürdigend, das war menschenunwürdig." Der Transport der Frau soll wegen ihres Gewichts extrem aufwändig gewesen sein. "Da fielen dann so Sätze wie: das dicke, fette Vieh wollte einfach nicht verrecken", erinnert sich Paul.
Am selben Tag sei auch das Foto einer anderen Patientin herumgezeigt worden, die drogensüchtig sei und regelmäßig transportiert werden müsse. Eine Aufnahme, die diese Situation zeigen soll, liegt dem WDR vor. Es sei geprahlt worden: Diese Patientin habe man bei einer früheren Fahrt hinten auf dem Sitz statt der Liege transportiert - und sie dabei bewusst nicht angeschnallt. Dann soll absichtlich gebremst worden sein. Die Frau sei dann vor das Staufach geknallt, das dem Sitz gegenüber liegt. "Da wurde bewusst kalkuliert, dass sich diese Patientin schwer verletzt", sagt Sören.
Falck schreibt auf WDR-Anfrage, man habe auch gemeinsam mit dem Auftraggeber, der Stadt Duisburg, "alle verfügbaren Mittel eingesetzt, um den Sachverhalt intern aufzuklären". Über das "anonyme Whistleblower-System" oder auch die "Meldekanäle der Stadt Duisburg" seien aber keine "Hinweise zu den beschriebenen Vorwürfen bei uns eingegangen".
Doch die Stadt Duisburg kritisiert diese Stellungnahme von Falck scharf. Erst im Mai 2026 habe Falck die Stadt erstmals über "interne Gerüchte bezüglich Anfertigung von Fotodokumenten" informiert. In diesem Gespräch habe der Geschäftsführer mitgeteilt, dass es bereits seit Oktober 2025 "Gerüchte" im Unternehmen über Verfehlungen gebe. Die Stadt stellt klar: "Die bisherige Mitteilung, dass die interne Prüfung bislang keine Bestätigung der Vorwürfe ergeben habe, reicht nicht aus."
Falck hat inzwischen eine Anwaltskanzlei mit einer "umfassenden Compliance-Untersuchung" beauftragt. Diese befrage "Zeugen sowie potenziell betroffene Personen" und werte Dokumente aus. Eine "abschließende Bewertung" sei "derzeit noch nicht möglich". Einer der beschuldigten Mitarbeiter hat im Frühjahr das Unternehmen verlassen. Ein anderer wurde jetzt, nach der Anfrage des WDR, entlassen.
Programmhinweis: Westpol, 28.06.2026, 19:30 Uhr im WDR Fernsehen.
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